Gebüh­ren und Zin­sen, wie sie die Bank will

Der u. a. für das Bank­recht zustän­di­ge XI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat auf die Ver­bands­kla­gen eines Ver­brau­cher­schutz­ver­ban­des gegen zwei Spar­kas­sen ent­schie­den, dass fol­gen­de Klau­sel, die Nr. 17 Abs. 2 Satz 1 AGB-Spar­kas­sen nach­ge­bil­det ist, im Bank­ver­kehr mit Pri­vat­kun­den (Ver­brau­chern) nicht ver­wen­det wer­den darf, weil sie die­se unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt und des­we­gen nach § 307 BGB unwirk­sam ist:

Gebüh­ren und Zin­sen, wie sie die Bank will

Nr. 17 – Ent­gel­te, Kos­ten und Aus­la­gen

(…)

(2) Fest­set­zung und Aus­weis der Ent­gel­te

Soweit nichts ande­res ver­ein­bart ist, wer­den die Ent­gel­te im Pri­vat- und Geschäfts­kun­den­be­reich von der Spar­kas­se unter Berück­sich­ti­gung der Markt­la­ge (z.B. Ver­än­de­rung des all­ge­mei­nen Zins­ni­veaus) und des Auf­wan­des nach gemäß § 315 des Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches nach­prüf­ba­rem bil­li­gen Ermes­sen fest­ge­legt und geän­dert. (…)

Die erst­in­stanz­lich mit den bei­den Kla­gen befass­ten Land­ge­rich­te Nürn­berg-Fürth und Frank­furt (Oder) haben eben­so wie in den jewei­li­gen Beru­fungs­ver­fah­ren die Ober­lan­des­ge­rich­te Nürn­berg und Bran­den­burg den Unter­las­sungs­kla­gen jeweils statt­ge­ge­ben. Die Revi­sio­nen der bei­den beklag­ten Spar­kas­sen hat jetzt auch der Bun­des­ge­richts­hof zurück­ge­wie­sen.

Nach der im Ver­bands­kla­ge­pro­zess gebo­te­nen kun­den­feind­lichs­ten Aus­le­gung berech­tigt, so der BGH, die Klau­sel die Spar­kas­sen zur Erhe­bung von Ent­gel­ten auch für sol­che Leis­tun­gen, für die sie eine Ver­gü­tung nicht bean­spru­chen kön­nen, weil sie die­se auf­grund eige­ner gesetz­li­cher oder neben­ver­trag­li­cher Pflich­ten erbrin­gen müs­sen oder sie aus­schließ­lich im eige­nen Inter­es­se vor­neh­men (z.B. Bear­bei­tung von Kon­ten­pfän­dun­gen, Bar­aus­zah­lun­gen am Schal­ter und Arbei­ten im Zusam­men­hang mit der Abfüh­rung von Steu­ern). Klau­seln die es einer Bank oder Spar­kas­se ermög­li­chen, Ent­gel­te für Tätig­kei­ten zu erhe­ben, zu denen sie gesetz­lich und neben­ver­trag­lich ver­pflich­tet ist oder die sie im eige­nen Inter­es­se erbringt, hal­ten nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs der Inhalts­kon­trol­le nach § 307 BGB nicht stand, weil sie mit wesent­li­chen Grund­ge­dan­ken der gesetz­li­chen Rege­lung, von der sie abwei­chen, nicht ver­ein­bar sind und die Kun­den ent­ge­gen den Gebo­ten von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen benach­tei­li­gen.

Auch das in der Klau­sel ent­hal­te­ne ein­sei­ti­ge Preis­än­de­rungs­recht benach­tei­ligt die Spar­kas­sen­kun­den nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs unan­ge­mes­sen, weil die Vor­aus­set­zun­gen, die die Spar­kas­sen zu einer Ände­rung berech­ti­gen, unklar sind und die Klau­sel kei­ne ein­deu­ti­ge Pflicht der Spar­kas­sen zur Her­ab­set­zung der Ent­gel­te bei sin­ken­den Kos­ten ent­hält. Sie ent­hält für den Fall einer Preis­er­hö­hung kei­ne Bin­dung an den Umfang der Kos­ten­stei­ge­rung und für den Fall sin­ken­der Kos­ten kei­ne Ver­pflich­tung der Spar­kas­sen zur Sen­kung der Ent­gel­te. Dadurch wird es den Spar­kas­sen ermög­licht, Preis­än­de­run­gen nicht nur zur Abwäl­zung eige­ner Kos­ten, son­dern zur Stei­ge­rung ihres Gewinns vor­zu­neh­men und so das ursprüng­lich ver­ein­bar­te ver­trag­li­che Äqui­va­lenz­ver­hält­nis zu ihren Guns­ten zu ver­än­dern.

Dies gilt auch hin­sicht­lich des in der Klau­sel ent­hal­te­nen ein­sei­ti­gen Zins­an­pas­sungs­rechts der Spar­kas­sen. Zwar hat der Bun­des­ge­richts­hof mit Urteil vom 6. März 1986 1 eine unbe­stimm­te Zins­an­pas­sungs­klau­sel einer Bank im Kre­dit­ge­schäft nicht als unwirk­sam ange­se­hen, son­dern ihr ledig­lich im Wege der Aus­le­gung einen bestimm­ten Inhalt bei­gelegt. Der erken­nen­de Senat hat aber bereits in der Ver­gan­gen­heit Zwei­fel geäu­ßert, ob an die­ser Recht­spre­chung noch fest­ge­hal­ten wer­den kann. Er gibt sie nun­mehr in Über­ein­stim­mung mit der zwi­schen­zeit­lich ergan­ge­nen instanz­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung und der ganz herr­schen­den Mei­nung in der Lite­ra­tur auf. Auch für Zins­an­pas­sungs­klau­seln sind die all­ge­mei­nen Grund­sät­ze für Preis­an­pas­sungs­klau­seln zu beach­ten. Danach muss eine Zins­än­de­rungs­klau­sel das Äqui­va­lenz­prin­zip beach­ten und darf die Bank nicht ein­sei­tig begüns­ti­gen. Nach die­sen Grund­sät­zen hält das ange­grif­fe­ne Zins­an­pas­sungs­recht der Inhalts­kon­trol­le eben­so wenig wie das Preis­än­de­rungs­recht stand.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 21. April 2009 – XI ZR 55/​08 und XI ZR 78/​08

  1. BGHZ 97, 212 ff.[]