Gekauf­te Bei­trä­ge in Print­me­di­en

Das an die deut­schen Print­me­di­en gerich­te­te Ver­bot, gespon­ser­te Bei­trä­ge ohne Kenn­zeich­nung mit dem Begriff „Anzei­ge“ zu ver­öf­fent­li­chen, ver­stößt nach einem Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on grund­sätz­lich nicht gegen das euro­päi­sche Uni­ons­recht. Da der Uni­ons­ge­setz­ge­ber für die Print­me­di­en hier­zu noch kei­ne Rechts­vor­schrif­ten erlas­sen hat, blei­ben die Mit­glied­staa­ten zur Rege­lung die­ser Mate­rie befugt.

Gekauf­te Bei­trä­ge in Print­me­di­en

In Deutsch­land ver­pflich­ten nahe­zu alle Pres­se- und Medi­en­ge­set­ze der Län­der Pres­se­ver­le­ger dazu, jede ent­gelt­li­che Ver­öf­fent­li­chung in ihren peri­odi­schen Druck­wer­ken mit dem Begriff „Anzei­ge“ zu kenn­zeich­nen, es sei denn, durch die Anord­nung und Gestal­tung der Ver­öf­fent­li­chung ist all­ge­mein zu erken­nen, dass es sich um eine Anzei­ge han­delt.

In einem Rechts­streit zwi­schen zwei deut­schen Zei­tun­gen, dem Stutt­gar­ter Wochen­blatt und dem Anzei­gen­blatt GOOD NEWS, des­sen Ver­le­ge­rin die Fa. RLvS ist, möch­te der Bun­des­ge­richts­hof im Wege eines Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens vom Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on die Fra­ge beant­wor­tet haben, ob die­ses Ver­bot mit der Richt­li­nie 2005/​29/​EG über unlau­te­re Geschäfts­prak­ti­ken1 ver­ein­bar ist. Das Stutt­gar­ter Wochen­blatt möch­te GOOD NEWS – bzw. sei­ner Ver­le­ge­rin RLvS – die Ver­öf­fent­li­chung gespon­ser­ter Bei­trä­ge ver­bie­ten las­sen, die nicht mit dem Begriff „Anzei­ge“ gekenn­zeich­net sind.

Das Stutt­gar­ter Wochen­blatt reagiert damit auf die Ver­öf­fent­li­chung von zwei gespon­ser­ten Arti­keln in der GOOD NEWS-Aus­ga­be vom Juni 2009. Der ers­te Bei­trag, der die Über­schrift „VfB VIP-Geflüs­ter“ trug und über pro­mi­nen­te Gäs­te berich­te­te, die beim Sai­son­ab­schluss des Fuß­ball­bun­des­li­gis­ten VfB Stutt­gart anwe­send waren, wur­de von dem Unter­neh­men „Scharr“ gespon­sert. Spon­sor des zwei­ten Bei­trags, der Teil der Serie „Wohin Stutt­gar­ter ver­rei­sen“ mit dem Titel­zu­satz „Heu­te: Leip­zig“ war und bei dem es sich um ein Kurz­por­trät der Stadt Leip­zig han­del­te, war Ger­man­wings. Bei­de Bei­trä­ge waren mit dem Zusatz „Spon­so­red by“, nicht aber – wie vom Lan­des­pres­se­ge­setz gefor­dert – mit dem Begriff „Anzei­ge“ gekenn­zeich­net.

Mit sei­nem jetzt ver­kün­de­ten Urteil stellt der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on fest, dass es unter sol­chen Umstän­den nicht Auf­ga­be der Richt­li­nie über unlau­te­re Geschäfts­prak­ti­ken ist, den Mit­be­wer­ber eines Pres­se­ver­le­gers zu schüt­zen, wenn die­ser gespon­ser­te Bei­trä­ge ohne Kenn­zeich­nung mit dem Begriff „Anzei­ge“ ver­öf­fent­licht hat, die geeig­net waren, die Pro­duk­te oder Dienst­leis­tun­gen des Spon­sors zu bewer­ben. Daher steht die Richt­li­nie der Anwen­dung einer natio­na­len Bestim­mung (hier: § 10 LPres­seG Baden-Würt­tem­berg) nicht ent­ge­gen, wonach Pres­se­ver­le­ger jede Ver­öf­fent­li­chung in ihren peri­odi­schen Druck­wer­ken, für die sie ein Ent­gelt erhal­ten, spe­zi­ell kenn­zeich­nen müs­sen – im vor­lie­gen­den Fall mit dem Begriff „Anzei­ge“ –, es sei denn, durch die Anord­nung und Gestal­tung der Ver­öf­fent­li­chung ist all­ge­mein zu erken­nen, dass es sich um eine Anzei­ge han­delt.

Die Richt­li­nie über unlau­te­re Geschäfts­prak­ti­ken ver­pflich­tet zwar in der Tat die inse­rie­ren­den Unter­neh­men, deut­lich dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sie einen redak­tio­nel­len Medi­en­in­halt finan­ziert haben, wenn die­ser Inhalt ihre Pro­duk­te oder Dienst­leis­tun­gen bewer­ben soll. Fehlt ein sol­cher deut­li­cher Hin­weis, liegt eine unlau­te­re und damit ver­bo­te­ne Geschäfts­prak­tik des Spon­sors vor.

Die­ses Ver­bot ist jedoch grund­sätz­lich nicht auf den Pres­se­ver­le­ger anwend­bar, der den gespon­ser­ten Bei­trag ver­öf­fent­licht. Nur dann, wenn er im Namen und/​oder Auf­trag des Spon­sors gehan­delt hat ? was vor­lie­gend nicht der Fall ist ?, wür­de auch er von der Pflicht aus der Richt­li­nie erfasst. Das bedeu­tet aller­dings nicht, dass das Ver­bot unlau­te­rer Geschäfts­prak­ti­ken nicht auch unmit­tel­bar für einen Pres­se­ver­le­ger gilt, wenn er für sein eige­nes Pro­dukt – die Zei­tung – wirbt, z. B. indem er Gewinn­spie­le, Rät­sel oder Preis­aus­schrei­ben anbie­tet, die Gewinn­chan­cen eröff­nen.

Zwar hat der Uni­ons­ge­setz­ge­ber bereits im Rah­men der Richt­li­nie 2010/​13/​EU über audio­vi­su­el­le Medi­en­diens­te2 die Pflich­ten von Anbie­tern audio­vi­su­el­ler Medi­en für den Fall fest­ge­legt, dass ihre Diens­te oder Sen­dun­gen von Dritt­un­ter­neh­men gespon­sert wer­den, doch hat er für die Print­me­di­en noch kei­ne ver­gleich­ba­ren Rechts­vor­schrif­ten erlas­sen. Daher blei­ben die Mit­glied­staa­ten befugt, unter Beach­tung der Bestim­mun­gen des Ver­trags über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on, ins­be­son­de­re der­je­ni­gen über den frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehr und die Nie­der­las­sungs­frei­heit, den Pres­se­ver­le­gern die Pflicht auf­zu­er­le­gen, die Leser auf das Spon­so­ring von redak­tio­nel­len Inhal­ten auf­merk­sam zu machen.

Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, Urteil vom 17. Okto­ber 2013 – C‑391/​12 [RLvS Ver­lags­ge­sell­schaft mbH /​Stutt­gar­ter Wochen­blatt GmbH]

  1. Richt­li­nie 2005/​29/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 11. Mai 2005 über unlau­te­re Geschäfts­prak­ti­ken von Unter­neh­men gegen­über Ver­brau­chern im Bin­nen­markt und zur Ände­rung der Richt­li­nie 84/​450/​EWG des Rates, der Richt­li­ni­en 97/​7/​EG, 98/​27/​EG und 2002/​65/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates sowie der Ver­ord­nung (EG) Nr. 2006/​2004 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates, ABl.EU L 149, S. 22
  2. Richt­li­nie 2010/​13/​EU des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 10. März 2010 zur Koor­di­nie­rung bestimm­ter Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Bereit­stel­lung audio­vi­su­el­ler Medi­en­diens­te, ABl. L 95, S. 1