GEMA-Ver­gü­tun­gen – und die aus­ge­schlos­se­nen Musik­fol­gen

Der Aus­schluss oder die Zurück­stel­lung eines Pro­gramms von der Ver­rech­nung gemäß Abschnitt – IV Zif­fer 4 Abs. 2 und 5 der Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen zum Ver­tei­lungs­plan der GEMA für das Auf­füh­rungs- und Sen­de­recht in der am 27./28.06.2006 beschlos­se­nen Fas­sung steht einer Durch­set­zung von Ansprü­chen auf Abrech­nung und Aus­schüt­tung auf dem Kla­ge­we­ge nicht ent­ge­gen 1.

GEMA-Ver­gü­tun­gen – und die aus­ge­schlos­se­nen Musik­fol­gen

Die im Jahr 2006 von der Mit­glie­der­ver­samm­lung neu gefass­te Bestim­mung des Abschnitts – IV Zif­fer 4 A‑VPA (2006) ist Bestand­teil auch der frü­her geschlos­se­nen Berech­ti­gungs­ver­trä­ge gewor­den. Nach § 6 Buchst. a der Berech­ti­gungs­ver­trä­ge bil­det der Ver­tei­lungs­plan, auch soweit er künf­tig geän­dert wer­den soll­te, einen Bestand­teil die­ses Ver­trags. Ände­run­gen der für die Erlös­ver­tei­lung maß­geb­li­chen Grund­sät­ze des Ver­tei­lungs­plans nach Abschluss des Berech­ti­gungs­ver­trags wer­den danach – anders als Ände­run­gen des Berech­ti­gungs­ver­trags selbst 2 – auch ohne Zustim­mung des Berech­tig­ten Bestand­teil des Berech­ti­gungs­ver­trags 3.

Nach Abschnitt – IV Zif­fer 4 Abs. 2 A‑VPA (2006) sind Pro­gram­me, die den Tat­sa­chen nicht ent­spre­chen, von der Ver­rech­nung aus­ge­schlos­sen. Danach ist die GEMA berech­tigt, ein Pro­gramm von der Ver­rech­nung aus­zu­schlie­ßen, wenn begrün­de­te Zwei­fel an der Rich­tig­keit sämt­li­cher Bestand­tei­le die­ses Pro­gramms bestehen. Das folgt aus dem Rege­lungs­zu­sam­men­hang mit Abschnitt – IV Zif­fer 4 Abs. 5 Satz 2 A‑VPA (2006). Danach ist die GEMA, wenn ledig­lich begrün­de­te Zwei­fel an der Rich­tig­keit wesent­li­cher Bestand­tei­le eines Pro­gramms bestehen, zunächst nur berech­tigt, die­ses Pro­gramm von der Ver­rech­nung zurück­zu­stel­len.

Die GEMA hat im vor­lie­gen­den Streit­fall dar­ge­legt, dass das Pro­gramm der Ver­an­stal­tung am Vor­mit­tag des 7.09.2006 nach den Berich­ten ihres Kon­trol­leurs nicht den Tat­sa­chen ent­sprach, weil die­se Ver­an­stal­tung gar nicht statt­ge­fun­den hat­te. Die Zwei­fel der GEMA an der Rich­tig­keit des Pro­gramms waren im Blick auf den Bericht ihres Kon­trol­leurs begrün­det. Die GEMA durf­te die­ses Pro­gramm daher nach Abschnitt – IV Zif­fer 4 Abs. 2 A‑VPA (2006) von der Ver­rech­nung aus­schlie­ßen.

Die GEMA war vor­lie­gend fer­ner gemäß Abschnitt – IV Zif­fer 4 Abs. 5 Satz 4 AVPA (2006) berech­tigt, die Pro­gram­me der übri­gen im Kla­ge­an­trag zu 2 genann­ten Ver­an­stal­tun­gen von der Ver­rech­nung aus­zu­schlie­ßen.

Soweit ein Pro­gramm nicht den Tat­sa­chen ent­spricht, ist die GEMA nach Abschnitt – IV Zif­fer 4 Abs. 5 Satz 1 A‑VPA (2006) berech­tigt, (ande­re) von die­sem Ver­an­stal­ter bzw. (aus­nahms­wei­se) Bezugs­be­rech­tig­ten (vgl. Abschnitt III A‑VPA [2006]) ein­ge­reich­te Pro­gram­me von der Ver­rech­nung eines Geschäfts­jahrs zurück­zu­stel­len, bis der Ver­an­stal­ter bzw. der Bezugs­be­rech­tig­te die Rich­tig­keit der dar­in ent­hal­te­nen Anga­ben nach­ge­wie­sen hat. Dar­über hin­aus ist die GEMA bei begrün­de­ten Zwei­feln an der Rich­tig­keit wesent­li­cher Bestand­tei­le eines Pro­gramms gemäß Abschnitt – IV Zif­fer 4 Abs. 5 Satz 2 AVPA (2006) berech­tigt, die­ses Pro­gramm oder ande­re Pro­gram­me des Ver­an­stal­ters bzw. Bezugs­be­rech­tig­ten von der Ver­rech­nung zurück­zu­stel­len. In bei­den Fäl­len hat die GEMA den Ver­an­stal­ter bzw. Bezugs­be­rech­tig­ten nach Abschnitt – IV Zif­fer 4 Abs. 5 Satz 3 A‑VPA (2006) bis zum Abrech­nungs­ter­min von der Zurück­stel­lung zu benach­rich­ti­gen und auf­zu­for­dern, den Nach­weis zu erbrin­gen. Wird der Nach­weis nicht inner­halb von sechs Mona­ten nach der Benach­rich­ti­gung erbracht, sind die zurück­ge­hal­te­nen Pro­gram­me nach Abschnitt – IV Zif­fer 4 Abs. 5 Satz 4 A‑VPA (2006) von der Ver­rech­nung aus­ge­schlos­sen.

Danach war die GEMA berech­tigt, die Pro­gram­me der übri­gen im Kla­ge­an­trag zu 2 genann­ten Ver­an­stal­tun­gen der J. Kon­zert­di­rek­ti­on von der Ver­rech­nung aus­zu­schlie­ßen.

Die GEMA durf­te die­se Pro­gram­me gemäß Abschnitt – IV Zif­fer 4 Abs. 5 Satz 1 und 2 A‑VPA (2006) von der Ver­rech­nung für das Geschäfts­jahr 2006 zurück­stel­len. Zum einen ent­sprach – wie aus­ge­führt – ein ande­res von die­sem Ver­an­stal­ter für das Geschäfts­jahr 2006 ein­ge­reich­tes Pro­gramm nicht den Tat­sa­chen (Abschnitt – IV Zif­fer 4 Abs. 5 Satz 1 A‑VPA [2006]). Zum ande­ren bestan­den begrün­de­te Zwei­fel an der Rich­tig­keit von wesent­li­chen Bestand­tei­len die­ser Pro­gram­me (Abschnitt – IV Zif­fer 4 Abs. 5 Satz 2 A‑VPA [2006]). Die GEMA hat nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts dar­ge­legt, dass sich aus den Berich­ten ihres Kon­trol­leurs hin­sicht­lich der wei­te­ren Ver­an­stal­tun­gen kon­kre­te Tat­sa­chen erga­ben, die erheb­li­che Zwei­fel an der Rich­tig­keit wesent­li­cher Bestand­tei­le der ein­ge­reich­ten Pro­gram­me begrün­de­ten. So wur­den nach die­sen Berich­ten bei den Ver­an­stal­tun­gen teil­wei­se ande­re und durch­weg weit­aus weni­ger Wer­ke gespielt als in den Pro­gram­men ange­ge­ben. Dar­über hin­aus war danach die für die ange­ge­be­nen Wer­ke regis­trier­te Werk­dau­er in der Sum­me jeweils weit­aus län­ger als die Gesamt­dau­er der Ver­an­stal­tung.

Die GEMA hat die J. Kon­zert­di­rek­ti­on als Ver­an­stal­te­rin der Pro­gram­me auch, wie nach Abschnitt – IV Zif­fer 4 Abs. 5 Satz 3 A‑VPA (2006) erfor­der­lich, mit Schrei­ben vom 28.03.2007 bis zum Abrech­nungs­ter­min am 1.04.2007 von der Zurück­stel­lung der Pro­gram­me benach­rich­tigt und zum Nach­weis der Rich­tig­keit der dar­in ent­hal­te­nen Anga­ben auf­ge­for­dert. Zur Benach­rich­ti­gung und Auf­for­de­rung der Bezugs­be­rech­tig­ten war die GEMA dage­gen nicht ver­pflich­tet. Eine sol­che Ver­pflich­tung besteht nur in dem – hier nicht vor­lie­gen­den – Aus­nah­me­fall, dass die Pro­gram­me von einem zur Pro­gramm­ab­ga­be befug­ten Bezugs­be­rech­tig­ten ein­ge­reicht wor­den sind. Das Beru­fungs­ge­richt hat mit Recht ange­nom­men, dass es zu einem mit dem Wirt­schaft­lich­keits­ge­bot der treu­hän­de­ri­schen Mit­tel­ver­wal­tung nicht zu ver­ein­ba­ren­den Ver­wal­tungs­auf­wand führ­te, wenn die GEMA auch bei von Ver­an­stal­tern ein­ge­reich­ten Pro­gram­men sämt­li­che Bezugs­be­rech­tig­te ermit­teln und benach­rich­ti­gen müss­te.

Da der Nach­weis der Rich­tig­keit der in den zurück­ge­hal­te­nen Pro­gram­men gemach­ten Anga­ben nicht inner­halb von sechs Mona­ten nach der Benach­rich­ti­gung erbracht wur­de, sind die­se Pro­gram­me nach Abschnitt – IV Zif­fer 4 Abs. 5 Satz 4 A‑VPA (2006) von der Ver­rech­nung aus­ge­schlos­sen. Der Klä­ger ist dem Vor­trag der GEMA zum tat­säch­li­chen Ablauf der ein­zel­nen Ver­an­stal­tun­gen nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts nicht kon­kret durch eige­ne Sach­dar­stel­lun­gen ent­ge­gen­ge­tre­ten. Viel­mehr hat er sich jeweils auf pau­scha­les Behaup­ten der Rich­tig­keit der Pro­gram­me und des Bestrei­tens der Durch­füh­rung und des Ergeb­nis­ses der Kon­trol­len beschränkt. Er hat kei­ne kon­kre­ten Anhalts­punk­te dafür vor­ge­tra­gen, dass die Kon­trol­len gar nicht statt­ge­fun­den oder die in den Kon­troll­be­rich­ten nie­der­ge­leg­ten Fest­stel­lun­gen nicht den Tat­sa­chen ent­spro­chen haben. Das gilt auch für die Ver­an­stal­tung am Vor­mit­tag des 7.09.2006, für die der Klä­ger sich nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts auf das Zeug­nis des die Musik­stü­cke auf­füh­ren­den Pia­nis­ten beru­fen hat, ohne näher dar­zu­le­gen, dass und wie die­ser die ange­ge­be­nen 155 Wer­ke in 1 Stun­de und 50 Minu­ten gespielt hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Janu­ar 2014 – I ZR 110/​12

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 05.12 2012 – I ZR 23/​11, GRUR 2013, 375 = WRP 2013, 518 – Miss­brauch des Ver­tei­lungs­plans[]
  2. vgl. dazu BGH, Urteil vom 18.12 2008 – I ZR 23/​06, GRUR 2009, 395 Rn. 38 bis 41 = WRP 2009, 313 – Klin­gel­tö­ne für Mobil­te­le­fo­ne I[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 03.05.1988 – KVR 4/​87, GRUR 1988, 782, 783 – GEMA-Wer­tungs­ver­fah­ren; Urteil vom 19.05.2005 – I ZR 299/​02, BGHZ 163, 119, 133 f. – PRO-Ver­fah­ren[]