Ord­nungs­geld wegen ver­spä­te­ter Offen­le­gung des Jah­res­ab­schlus­ses

Einer GmbH obliegt es nach § 325 HGB, bis zum 31. Dezem­ber des Fol­ge­jah­res ihre Jah­res­ab­schluss­un­ter­la­gen beim Betrei­ber des elek­tro­ni­schen Bun­des­an­zei­gers ein­zu­rei­chen. Erfolgt dies nicht, gibt das Bun­des­amt für Jus­tiz der säu­mi­gen GmbH regel­mä­ßig mit einer Andro­hungs­ver­fü­gung auf, die Unter­la­gen bin­nen einer Nach­frist von sechs Wochen offen­zu­le­gen und bekannt­zu­ma­chen, und droht zugleich die Ver­hän­gung eines Ord­nungs­gelds an, das nach Ablauf der gesetz­ten Nach­frist vom Bun­des­amt für Jus­tiz auch fest­ge­setzt wird.

Ord­nungs­geld wegen ver­spä­te­ter Offen­le­gung des Jah­res­ab­schlus­ses

Die Fest­set­zung die­ses Ord­nungs­gelds ist, wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt jetzt noch­mals bestä­tigt hat, ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den.

Soweit die GmbH als juris­ti­sche Per­son Trä­ge­rin von Grund­rech­ten sein kann (Art. 19 Abs. 3 GG), greift die Auf­er­le­gung des Ord­nungs­gelds zwar in ihr ver­fas­sungs­mä­ßi­ges Recht aus Art. 12 Abs. 1 GG ein 1. Die GmbH ist in ihrem Grund­recht aber nicht ver­letzt, weil die Fest­set­zung des Ord­nungs­gelds nach § 335 HGB gerecht­fer­tigt war 2.

Es bestehen grund­sätz­lich kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken gegen die Offen­le­gungs­pflicht (§ 325 HGB) und deren Sank­tio­nie­rung (§ 335 HGB). Auch ver­letzt die Anwen­dung von § 325 HGB im zugrun­de lie­gen­den Ord­nungs­geld­ver­fah­ren nach § 335 HGB weder die Berufs­aus­übungs­frei­heit der GmbH nach Art. 12 Abs. 1 GG noch ihr Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung nach Art. 2 Abs. 1 GG. Mög­li­che Ein­grif­fe in die­se Grund­rech­te sind durch die mit der Offen­le­gung der in § 325 Abs. 1 HGB bezeich­ne­ten Rech­nungs­le­gungs­un­ter­la­gen ver­folg­ten, in erheb­li­chem All­ge­mein­in­ter­es­se lie­gen­den Zwe­cke eines effek­ti­ven Schut­zes des Wirt­schafts­ver­kehrs durch Infor­ma­ti­on der Markt­teil­neh­mer und einer Kon­troll­mög­lich­keit der betrof­fe­nen Gesell­schaf­ten vor dem Hin­ter­grund deren nur beschränk­ter Haf­tung jeden­falls gerecht­fer­tigt 3.

Auch die fest­ge­setz­te Höhe des Ord­nungs­gelds begeg­net kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken und ist ins­be­son­de­re nicht unver­hält­nis­mä­ßig. Nach § 335 Abs. 1 Satz 4 HGB beträgt das Ord­nungs­geld min­des­tens 2.500 € und höchs­tens 25.000 €. Das Bun­des­amt für Jus­tiz hat damit im hier ent­schie­de­nen FAll den geringst­mög­li­chen Betrag fest­ge­setzt.

Ein Unter­schrei­ten der Min­dest­ord­nungs­geld­hö­he von 2.500 € sieht das Gesetz nur unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 335 Abs. 3 Satz 5 HGB bei ledig­lich gering­fü­gi­ger Über­schrei­tung der gesetz­ten Nach­frist vor. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen offen­sicht­lich nicht vor, da die Beschwer­de­füh­re­rin die erfor­der­li­chen Jah­res­ab­schluss­un­ter­la­gen in ord­nungs­ge­mä­ßer Form erst am 1. April 2009 ein­ge­reicht hat.

Bil­lig­keits­ge­sicht­punk­te recht­fer­ti­gen dage­gen nach der ein­schlä­gi­gen fach­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung eine Her­ab­set­zung des Ord­nungs­gelds nicht, da § 335 Abs. 1 Satz 4 und Abs. 3 Satz 5 HGB inso­weit eine abschlie­ßen­de und zu dem – zum dama­li­gen Zeit­punkt anwend­ba­ren – § 135 Abs. 2 Satz 2 FGG spe­zi­el­le­re Rege­lung tref­fen 4. Die­se Geset­zes­aus­le­gung begeg­net kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 1. Febru­ar 2011 – 2 BvR 1236/​10

  1. vgl. Scholz, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 12 Rn. 106 (Juni 2006) m.w.N.[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 11. März 2009 – 1 BvR 3413/​08, NJW 2009, 2588[]
  3. BVerfG, Beschluss vom 10.09.2009 – 1 BvR 1636/​09[]
  4. LG Bonn, Beschluss vom 10.12.2008 – 37 T 472/​08; vgl. auch Stollenwerk/​Kurpat, BB 2009, 150, 154[]