Feh­ler bei der Ein­be­ru­fung der Haupt­ver­samm­lung

Ent­hält die Ein­be­ru­fung zur Haupt­ver­samm­lung einer Akti­en­ge­sell­schaft unzu­tref­fen­de Hin­wei­se zur Bevoll­mäch­ti­gung von Aktio­närs­ver­tre­tern, so führt dies nach der bis 31. August 2009 gel­ten­den Fas­sung von § 121 Abs. 3 AktG nicht zur Nich­tig­keit der in die­ser Haupt­ver­samm­lung getrof­fe­nen Beschlüs­se.

Feh­ler bei der Ein­be­ru­fung der Haupt­ver­samm­lung

Die Klä­ger sind Aktio­nä­re der Beklag­ten, der Deut­schen Bank AG. Sie haben Anfech­tungs- und Nich­tig­keits­kla­ge gegen meh­re­re Beschlüs­se erho­ben, die auf der Haupt­ver­samm­lung der beklag­ten Deut­schen Bank AG am 29. Mai 2008 gefasst wur­den.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Frank­furt am Main hat fest­ge­stellt, dass die auf der Haupt­ver­samm­lung gefass­ten Beschlüs­se nich­tig sei­en 1. Das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main hat die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen 2.

Das OLG Frank­furt hat die Ein­be­ru­fung für feh­ler­haft gehal­ten, weil dar­in eine recht­zei­ti­ge Anmel­dung von Bevoll­mäch­tig­ten ver­langt wur­de. Damit sei­en die Bedin­gun­gen, von denen die Teil­nah­me an der Haupt­ver­samm­lung und die Aus­übung des Stimm­rechts abhin­gen, in der Ein­be­ru­fung unzu­tref­fend ange­ge­ben und in der Fol­ge die auf der Haupt­ver­samm­lung gefass­ten Beschlüs­se nich­tig. Das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt hat die Revi­si­on gegen sein Beru­fungs­ur­teil wegen der Abwei­chung sei­ner stän­di­gen Recht­spre­chung von den Ent­schei­dun­gen ande­rer Ober­lan­des­ge­rich­te und des Kam­mer­ge­richts zuge­las­sen.

Auf die Revi­si­on der Beklag­ten hat nun der Bun­des­ge­richts­hof das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben:

Nach § 121 Abs. 3 Satz 2 AktG a.F. muss­te die Ein­be­ru­fung unter ande­rem die Bedin­gun­gen ange­ben, von denen die Teil­nah­me an der Haupt­ver­samm­lung und die Aus­übung des Stimm­rechts abhin­gen. Das bezog sich nur auf die Vor­aus­set­zun­gen der Teil­nah­me und der Aus­übung des Stimm­rechts durch den Aktio­när selbst, wie etwa sei­ne Anmel­dung zur Haupt­ver­samm­lung, nicht aber auf die Art und Wei­se der Teil­nah­me und der Stimm­rechts­aus­übung, zu der die Teil­nah­me und Stimm­rechts­aus­übung durch einen Ver­tre­ter gehört. Unzu­tref­fen­de Anga­ben zur Bevoll­mäch­ti­gung führ­ten danach nicht auto­ma­tisch zur Nich­tig­keit von Haupt­ver­samm­lungs­be­schlüs­sen. Unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen sol­che Ein­be­ru­fungs­män­gel zur Anfecht­bar­keit führ­ten, muss­te der Bun­des­ge­richts­hof nicht ent­schei­den. Die Klä­ger konn­ten die Beschlüs­se nicht mehr wegen eines Ein­la­dungs­man­gels erfolg­reich anfech­ten, weil sie den Man­gel nicht inner­halb der Anfech­tungs­frist gerügt hat­ten.

Zur Ent­schei­dung über die zahl­rei­chen wei­te­ren von den Klä­gern gerüg­ten Män­geln der Beschlüs­se hat der Bun­des­ge­richts­hof die Sache an das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main zurück­ver­wie­sen.

Die­se Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richs­hofs betrifft aller­dings nur Haupt­ver­samm­lun­gen bis Sep­tem­ber 2009. Der Gesetz­ge­ber hat mit dem Gesetz zur Umset­zung der Aktio­närs­rech­te­richt­li­nie (ARUG) vom 30. Juli 2009 die Vor­schrif­ten über den Inhalt der Ein­be­ru­fung und die Nich­tig­keit von Haupt­ver­samm­lungs­be­schlüs­sen geän­dert und damit klar­ge­stellt, dass unzu­tref­fen­de Anga­ben über die Vor­aus­set­zun­gen für die Teil­nah­me und die Aus­übung des Stimm­rechts sowie das Ver­fah­ren für die Stimm­ab­ga­be nicht zur Nich­tig­keit von Haupt­ver­samm­lungs­be­schlüs­sen füh­ren kön­nen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Juli 2011 – II ZR 124/​10

  1. LG Frank­furt am Main, Urteil vom 27.08.2009 – 3 – 5 O 115/​08[]
  2. OLG Frank­furt am Main, Urteil vom 15.06.2010 – 5 U 144/​09[]