Abfin­dung des aus­schei­den­den Gesell­schaf­ters auch ohne Aus­ein­an­der­set­zungs­bi­lanz

Beim Aus­schei­den eines Gesell­schaf­ters aus einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR) ist nach zwei aktu­el­len Urtei­len des Bun­des­ge­richts­hofs die Erstel­lung der Abfin­dungs­bi­lanz kei­ne Fäl­lig­keits­vor­aus­set­zung für den Anspruch auf Zah­lung eines Aus­ein­an­der­set­zungs­gut­ha­bens oder eines Ver­lust­aus­gleichs.

Abfin­dung des aus­schei­den­den Gesell­schaf­ters auch ohne Aus­ein­an­der­set­zungs­bi­lanz

Die Klä­ge­rin in den jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fäl­len ist ein geschlos­se­ner Immo­bi­li­en­fonds in der Rechts­form der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts, dem die Beklag­ten in 1989 bei­getre­ten waren. Ende 1999 erklär­ten die Beklag­ten die Kün­di­gung zum 31. Dezem­ber 2000. Die am 21. Juli 2003 erstell­te end­gül­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zungs­bi­lanz wies zum Stich­tag 31. Dezem­ber 2000 einen antei­li­gen Ver­lust für die Beklag­ten aus. Einen Teil­be­trag hat die Klä­ge­rin im Mahn­ver­fah­ren gel­tend gemacht. Nach­dem das Amts­ge­richt Char­lot­ten­burg die Klä­ge­rin im Okto­ber 2004 über den Wider­spruch der Beklag­ten unter­rich­tet hat­te, hat die Klä­ge­rin den Gerichts­kos­ten­vor­schuss erst im Janu­ar 2007 ein­ge­zahlt.

Das Amts­ge­richt Char­lot­ten­burg hat den Kla­gen statt­ge­ge­ben [1], das Land­ge­richt Ber­lin sie auf die Beru­fung der Beklag­ten wegen Ver­jäh­rung abge­wie­sen. Das Land­ge­richt Ber­lin hat dabei für die Fäl­lig­keit des ein­ge­klag­ten Anspruchs und damit den Beginn der Ver­jäh­rungs­frist auf den Zeit­punkt des Aus­schei­dens abge­stellt [2].

Der Bun­des­ge­richts­hof hat auf die vom Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­ne Revi­si­on die Beru­fungs­ur­tei­le auf­ge­ho­ben und die Sachen an das Land­ge­richt zurück­ver­wie­sen:

Die Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts tra­gen, so der Bun­des­ge­richts­hof, die Kla­ge­ab­wei­sung wegen Ver­jäh­rung nicht. Nach den Rege­lun­gen des Gesell­schafts­ver­tra­ges wird ein Anspruch auf Zah­lung eines Aus­ein­an­der­set­zungs­gut­ha­bens oder eines Ver­lust­aus­gleichs inner­halb von 6 Mona­ten nach dem Aus­schei­den des Gesell­schaf­ters fäl­lig. Das Feh­len einer Abfin­dungs­bi­lanz hin­dert den Ein­tritt der Fäl­lig­keit nicht, da die Beklag­te eine unbe­zif­fer­te Fest­stel­lungs­kla­ge hät­te erhe­ben kön­nen. Damit ist der Anspruch bereits vor dem 1. Janu­ar 2002 und dem Inkraft­tre­ten des Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­set­zes ent­stan­den. Vor­aus­set­zung für den Beginn der Ver­jäh­rung gemäß § 195 BGB eines vor dem 1. Janu­ar 2002 ent­stan­de­nen Anspruchs ist aber die Kennt­nis des Gläu­bi­gers oder grob fahr­läs­si­ge Unkennt­nis von den anspruchs­be­grün­den­den Umstän­den. Dazu gehört beim Ver­lust­aus­gleichs­an­spruch, dass das Gesell­schafts­ver­mö­gen zur Deckung der gemein­schaft­li­chen Schul­den nicht aus­rei­chen wird. Das Land­ge­richt hat inso­weit kei­ne Fest­stel­lun­gen getrof­fen. Die Zurück­ver­wei­sung gibt ihm die Mög­lich­keit, die feh­len­de Klä­rung nach­zu­ho­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 19. Juli 2010 – II ZR 57/​09 und 58/​09

  1. AG Char­lot­ten­burg, Urteil vom 24.04.2008 – 223 C 73/​07[]
  2. LG Ber­lin, Urteil vom 08.01.2009 – 51 S 126/​08[]