Abfin­dung in Akti­en nach einer Ein­glie­de­rung

Der Bun­des­ge­richts­hof hat jetzt in einem Urteil Stel­lung genom­men zur Abfin­dung in Akti­en nach einer Ein­glie­de­rung und einem Spruch­ver­fah­ren. Anlass des Ver­fah­rens war ein Fall, der abge­se­hen von den Juris­ten wohl nur noch die Wirt­schafts­his­to­ri­ker inter­es­siert, denn die strit­ti­ge Abfin­dung betraf die kon­zern­recht­li­che Ein­glie­de­rung einer Akti­en­ge­sell­schaft, die inzwi­schen seit zwölf Jah­ren schon wie­der auf­ge­löst ist:

Abfin­dung in Akti­en nach einer Ein­glie­de­rung

Die Sie­mens-Nix­dorf Infor­ma­ti­ons­sys­te­me AG wur­de 1992 in die Beklag­te, die Sie­mens AG, ein­ge­glie­dert. Als Abfin­dung wur­den den Aktio­nä­ren der Sie­mens-Nix­dorf Infor­ma­ti­ons­sys­te­me AG Akti­en der Sie­mens AG in einem Ver­hält­nis von sechs Akti­en der Sie­mens-Nix­dorf Infor­ma­ti­ons­sys­te­me AG gegen eine der Sie­mens AG gewährt. Akti­en­spit­zen soll­ten mit 156,50 DM (80,02 €) ent­gol­ten wer­den. Mit Beschluss vom 31. Janu­ar 2003 setz­te das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf im Spruch­ver­fah­ren das Umtausch­ver­hält­nis auf 13 Akti­en der SNI zu drei Akti­en der Beklag­ten bei einem Aus­gleich für Akti­en­spit­zen von 76,90 € je Aktie der Sie­mens-Nix­dorf Infor­ma­ti­ons­sys­te­me AG bfest. Infol­ge von zwi­schen­zeit­lich durch­ge­führ­ten Kapi­tal­maß­nah­men ent­spre­chen einer 50 DM-Aktie von 1992 jetzt 15 nenn­wert­lo­se aktu­el­le Stück­ak­ti­en der beklag­ten Sie­mens AG.

Der Klä­ger, der Aktio­när der ein­ge­glie­der­ten Gesell­schaft gewe­sen war, reich­te von 1992 bis 1994 ins­ge­samt 2.330 SNI-Akti­en in ein­zel­nen Pake­ten zu je fünf Akti­en ein und erhielt dafür jeweils die ent­spre­chen­de Bar­ab­fin­dung. An die­ser Ver­fah­rens­wei­se will er sich nach Abschluss des Spruch­ver­fah­rens nicht fest­hal­ten las­sen, son­dern ver­langt nun­mehr einen Akti­en­tausch: Mit sei­ner Kla­ge begehrt er – gegen Rück­zah­lung der erhal­te­nen Beträ­ge – für sei­ne ein­ge­lie­fer­ten 2.330 Akti­en nun­mehr 8.065 Akti­en der Beklag­ten. Dabei legt er ein Ver­hält­nis von 13 Akti­en der Sie­mens-Nix­dorf Infor­ma­ti­ons­sys­te­me AG zu 45 nenn­wert­lo­sen aktu­el­len Stück­ak­ti­en der Sie­mens AG zugrun­de. Mit dem Hilfs­an­trag zu die­sem Kla­ge­an­trag begehrt er einen Umtausch für jedes Fün­fer-Paket, bei 466 Pake­ten zu je 17 Akti­en dem­nach 7.922 Akti­en.

Mit dem zwei­ten Kla­ge­an­trag ver­langt er außer­dem 17 Akti­en der Beklag­ten Zug-um-Zug gegen Über­tra­gung von fünf bis­her noch nicht umge­tausch­ten Sie­mens-Nix­dorf-Akti­en, mit dem drit­ten Kla­ge­an­trag eine Erhö­hung der 1994 für 270 Sie­mens-Nix­dorf-Akti­en erhal­te­nen 45 50-DM-Stück­ak­ti­en um 34 neue nenn­wert­lo­se Stück­ak­ti­en ent­spre­chend dem von ihm errech­ne­ten Umtausch­ver­hält­nis, weil die Beklag­te nur 225 nenn­wert­lo­se Stück­ak­ti­en nach­ge­lie­fert, er aber auf­grund des Ergeb­nis­ses des Spruch­ver­fah­rens 259 zu bean­spru­chen habe.

Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Land­ge­richt Dort­mund hat die Kla­ge abge­wie­sen 1. Auf die Beru­fung des Klä­gers hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm die beklag­te Sie­mens AG auf­grund des Kla­ge­an­trags zu 2) unter Zurück­wei­sung der wei­ter­ge­hen­den Beru­fung des Klä­gers zur Zah­lung von 297,56 € Zug-um-Zug gegen Lie­fe­rung von fünf Stück SNI-Akti­en ver­ur­teilt 2. Gegen die­ses Urteil rich­tet sich die vom Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­ne Revi­si­on des Klä­gers, mit der er sei­ne Über­tra­gungs­an­sprü­che wei­ter­ver­folgt.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat jetzt das Beru­fungs­ur­teil teil­wei­se auf­ge­ho­ben: Wäh­rend der ers­te Kla­ge­an­trag auf Leis­tung von 8.065 bzw. 7.922 Akti­en der beklag­ten Sie­mens AG kei­nen Erfolg hat­te, wur­de die Beklag­te auf­grund des zwei­ten und drit­ten Kla­ge­an­trags zum Umtausch in 15 Akti­en bzw. zur Ergän­zung um wei­te­re 30 Akti­en ver­ur­teilt. Zwar kann ein Aktio­när bei einem Umtausch­ver­hält­nis von 13 zu 3 (ent­spre­chend 4 1/​3 zu 1) nicht erst für 13 Akti­en, son­dern schon für 5 Akti­en einen Umtausch in Akti­en der Beklag­ten ver­lan­gen. Der Klä­ger hat sich aber durch die Auf­tei­lung der 2.330 SNI-Akti­en in ein­zel­ne Pake­te zu je fünf Akti­en eine im Gesetz nicht vor­ge­se­he­ne Bar­ab­fin­dung erschli­chen und bleibt an die­se Wahl gebun­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Okto­ber 2010 – II ZR 270/​08

  1. LG Dort­mund, Urteil vom 14.11.2007 – 20 O 14/​07[]
  2. OLG Hamm – Urteil vom 03.12.2008 – 8 U 34/​08 []