Abfin­dungs­be­schrän­kung beim Aus­schei­den eines Gesell­schaf­ters

Die Fra­ge, ob eine Abfin­dungs­be­schrän­kung im Fal­le des Aus­schei­dens eines Gesell­schaf­ters zuläs­sig oder unzu­läs­sig ist, ist nicht all­ge­mein im Sin­ne einer Fort­bil­dung des Rechts zu beant­wor­ten, wie das Beru­fungs­ge­richt gemeint hat, son­dern kann nur jeweils bezo­gen auf die kon­kret getrof­fe­nen gesell­schafts­ver­trag­li­chen Rege­lun­gen im Ein­zel­fall anhand der in stän­di­ger Recht­spre­chung vom Bun­des­ge­richts­hof dazu ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze [1] geprüft und ent­schie­den wer­den. Mit Beschluss vom 15.03.2010 [2] hat der Bun­des­ge­richts­hof auch die Fra­ge ent­schie­den, dass nicht nur die Sat­zungs­re­ge­lun­gen über die Abfin­dung, son­dern auch schuld­recht­li­che Neben­ab­re­den eine zuläs­si­ge oder unzu­läs­si­ge Abfin­dungs­be­schrän­kung ent­hal­ten kön­nen.

Abfin­dungs­be­schrän­kung beim Aus­schei­den eines Gesell­schaf­ters

Das Beru­fungs­ge­richt hat rechts­feh­ler­frei ange­nom­men, dass das Abfin­dungs­gut­ha­ben der Klä­ge­rin mit 6% jähr­lich zu ver­zin­sen ist. Die Rege­lung in § 8 Abs. 4 der Sat­zung der Beklag­ten und die hier­zu getrof­fe­ne Neben­ab­re­de vom 17.12.2004 stel­len für die Klä­ge­rin im Hin­blick auf die feh­len­de Ver­zin­sung eine unzu­läs­si­ge Abfin­dungs­be­schrän­kung dar. Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­run­gen und hin­aus­ge­scho­be­ne Fäl­lig­keits­ter­mi­ne sind zwar grund­sätz­lich nicht zu bean­stan­den. Eine wie hier län­ger­fris­ti­ge Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­rung kann sich aller­dings für den aus­schei­den­den Gesell­schaf­ter wie eine Abfin­dungs­be­schrän­kung aus­wir­ken [3], die gege­be­nen­falls über § 242 BGB einer Anpas­sung bedarf.

Die Ansicht des Beru­fungs­ge­richts, dass eine Buch­wert­klau­sel in Ver­bin­dung mit einer acht­jäh­ri­gen Raten­zah­lungs­dau­er einer ange­mes­se­nen Ver­zin­sung bedarf, um einer­seits das Inter­es­se der Beklag­ten an der Unter­neh­mens­er­hal­tung und ande­rer­seits das Abfin­dungs­in­ter­es­se der Klä­ge­rin in ein aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis zu set­zen (§ 242 BGB), ist frei von Rechts­feh­lern. Dass sich das Beru­fungs­ge­richt hin­sicht­lich der Höhe des Zins­sat­zes an der ent­spre­chen­den Abfin­dungs­re­ge­lung im GbR-Ver­trag ori­en­tiert hat, den die Par­tei­en dort als ange­mes­sen akzep­tiert haben, ist revi­si­ons­recht­lich eben­falls nicht zu bean­stan­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Okto­ber 2012 – II ZR 31/​11

  1. s. nur BGH, Urteil vom 16.12.1991 – II ZR 58/​91, BGHZ 116, 359, 375 f.; Urteil vom 20.09.1993 – II ZR 104/​92, BGHZ 123, 281, 283 ff.; Urteil vom 17.12.2001 – II ZR 348/​99, ZIP 2002, 258, 259; Urteil vom 19.09.2005 – II ZR 342/​03, BGHZ 164, 107, 115 f.[]
  2. BGH, Beschluss vom 15.03.2010 – II ZR 4/​09, ZIP 2010, 1541 Rn. 7 ff.[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 09.01.1989 – II ZR 83/​88, ZIP 1989, 770, 772[]