Akten­be­ar­bei­tung und Haf­tung in der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft

War ein Part­ner mit der Bear­bei­tung eines Auf­trags befasst, endet sei­ne Mit­haf­tung nicht mit der Abga­be des Man­dats inner­halb der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft.

Akten­be­ar­bei­tung und Haf­tung in der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft

Nach § 8 Abs. 1 Satz 1 PartGG haf­ten die Part­ner neben dem Ver­mö­gen der Part­ner­schaft als Gesamt­schuld­ner für Ver­bind­lich­kei­ten der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft. Das gilt, wie der Bun­des­ge­richts­hof für den Fall eines in die Part­ner­schaft ein­tre­ten­den Gesell­schaf­ters bereits ent­schie­den hat, auch dann, wenn der in Anspruch genom­me­ne Part­ner selbst kei­nen beruf­li­chen Feh­ler zu ver­ant­wor­ten hat 1.

Waren nur ein­zel­ne Part­ner mit der Bear­bei­tung eines Auf­trags befasst, so haf­ten nur sie für beruf­li­che Feh­ler neben der Part­ner­schaft; aus­ge­nom­men sind Bear­bei­tungs­bei­trä­ge von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung (§ 8 Abs. 2 PartGG). Die Vor­schrift des § 8 Abs. 2 PartGG begrün­det nicht die Haf­tung des ein­zel­nen Part­ners, son­dern schränkt sie ein. Sie setzt die Bear­bei­tung des Auf­trags durch einen oder meh­re­re Part­ner vor­aus und besagt, dass bei Vor­lie­gen die­ser Vor­aus­set­zung die­je­ni­gen Part­ner, die nicht oder nicht wesent­lich mit dem Man­dat befasst waren, nicht haf­ten. Sinn der in § 8 Abs. 2 PartGG ange­ord­ne­ten Haf­tungs­be­schrän­kung ist es, den betrof­fe­nen Ange­hö­ri­gen der frei­en Beru­fe Pla­nungs­si­cher­heit zu ver­mit­teln und ihre jewei­li­gen Haf­tungs­ri­si­ken kal­ku­lier­bar zu machen 2. Das Haf­tungs­ri­si­ko der Part­ner, die mit der Sache nicht befasst waren, soll ein­ge­schränkt wer­den.

Vor­aus­set­zung einer Haf­tungs­be­schrän­kung gemäß § 8 Abs. 2 PartGG ist danach, dass der in Anspruch genom­me­ne Part­ner nicht mit der Bear­bei­tung des Auf­trags befasst war oder nur einen Bear­bei­tungs­bei­trag von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung geleis­tet hat. Ent­ge­gen der Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz 3 ist die­se Vor­aus­set­zung hier nicht erfüllt:

Sei­nem eige­nen Vor­brin­gen nach hat der betrof­fe­ne Part­ner im hier ent­schie­de­nen Fall den von der Klä­ge­rin erteil­ten Auf­trag selbst bear­bei­tet. Er hat die Erfolgs­aus­sich­ten der von der Klä­ge­rin beab­sich­tig­ten Kla­ge geprüft und von der Erhe­bung einer ent­spre­chen­den Kla­ge abge­ra­ten. Ob sein Rat, kei­ne Kla­ge zu erhe­ben, der Sachund Rechts­la­ge ent­sprach und ob er danach nicht mehr, auch nicht bera­tend oder über­wa­chend, in der frag­li­chen Bau­sa­che tätig gewor­den ist, ist uner­heb­lich. Ein Ende der Haf­tung eines Part­ners mit Abga­be des Man­dats inner­halb der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft und eine geson­der­te Prü­fung ord­net § 8 Abs. 1 und Abs. 2 PartGG nicht an. Für eine ent­spre­chen­de teleo­lo­gi­sche Reduk­ti­on der Vor­schrift sieht der Bun­des­ge­richts­hof kei­nen Anlass. Der Bun­des­ge­richts­hof hat es bereits abge­lehnt, die Haf­tung gemäß § 8 Abs. 2 PartGG auf Berufs­feh­ler zu beschrän­ken, die sich zuge­tra­gen haben, wäh­rend der in Anspruch genom­me­ne Part­ner der Part­ner­schaft ange­hör­te 4.

Nichts ande­res gilt für Feh­ler, die nach Abga­be des Man­dats inner­halb der Part­ner­schaft gesche­hen sind. Wer den Feh­ler intern began­gen hat, kön­nen schon die Part­ner oft nicht leicht erken­nen. Umso mehr gilt dies für den geschä­dig­ten Man­dan­ten. Da der Gesetz­ge­ber eine ein­fa­che und unbü­ro­kra­ti­sche gesetz­li­che Rege­lung der Han­deln­den­haf­tung schaf­fen woll­te 5, darf der Man­dant den­je­ni­gen Part­ner in Anspruch neh­men, der sich für ihn erkenn­bar mit sei­ner Sache befasst hat 1.

Vor­lie­gend hat der Part­ner das Man­dat über­dies auch noch im Sin­ne von § 8 Abs. 2 PartGG bear­bei­tet, nach­dem ein ande­rer Part­ner das Man­dat von ihm über­nom­men hat­te. Die Klä­ge­rin hat unter Beweis­an­tritt behaup­tet, der ursprüng­lich sach­be­ar­bei­ten­de Part­ner habe das Man­dat zunächst allein bear­bei­tet. Sodann sei der ande­re Part­ner für sie tätig gewor­den. Als sie, die Klä­ge­rin, inso­weit Beden­ken geäu­ßert habe, habe der ursprüng­li­che Sach­be­ar­bei­ter ihr ver­si­chert, er wer­de die Arbeit des nun­mehr sach­be­ar­bei­ten­den Part­ners über­wa­chen. Damit blieb er mit dem Fall befasst.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Sep­tem­ber 2019 – IX ZR 190/​18

  1. BGH, Urteil vom 19.11.2009 – IX ZR 12/​09, WM 2010, 139 Rn. 17[][]
  2. BT-Drs. 13/​9820, S. 21[]
  3. OLG Koblenz, Beschluss vom 07.05.2018 2 U 824/​17[]
  4. BGH, Urteil vom 19.11.2009, aaO Rn.19[]
  5. vgl. BT-Drs. 13/​9820, S. 21[]