Akti­en­recht­li­che Spruch­ver­fah­ren – und die Zuläs­sig­keit der Vor­la­ge an den Bundesgerichtshof

Die Zuläs­sig­keit der Vor­la­ge durch das Ober­lan­des­ge­richt ist nach § 28 Abs. 2 Satz 1 FGG i.V.m. § 12 Abs. 2 Satz 2 SpruchG idF des Geset­zes vom 12.06.2003 [1] zu beurteilen.

Akti­en­recht­li­che Spruch­ver­fah­ren – und die Zuläs­sig­keit der Vor­la­ge an den Bundesgerichtshof

Da das hier ent­schie­de­ne Spruch­ver­fah­ren mit Antrags­schrift vom 21.11.2007 ein­ge­lei­tet wur­de, rich­tet sich das Ver­fah­ren nach dem FGG und SpruchG in der bis zum 1.09.2009 gel­ten­den Fas­sung. Nach Art. 111 Abs. 1 Satz 1 des FGG-Reform­ge­set­zes vom 17.12.2008 [2] fin­den auf Ver­fah­ren, die bis zum Inkraft­tre­ten des FamFG am 1.09.2009 ein­ge­lei­tet wur­den, bis zu deren rechts­kräf­ti­gem Abschluss die bis dahin gel­ten­den Vor­schrif­ten Anwen­dung [3].

Die Zuläs­sig­keit der Vor­la­ge nach § 28 Abs. 2 Satz 1 FGG setzt vor­aus, dass das vor­le­gen­de Ober­lan­des­ge­richt bei der Aus­le­gung einer gesetz­li­chen Vor­schrift von der Ent­schei­dung eines ande­ren Ober­lan­des­ge­richts oder, falls über die Rechts­fra­ge bereits eine Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs ergan­gen ist, von die­ser abwei­chen will.

Die Vor­la­ge muss eine Rechts­fra­ge betref­fen. Eine Vor­la­ge ist nur im Fal­le einer Abwei­chung bei der Aus­le­gung einer gesetz­li­chen Vor­schrift, also bei einer Rechts­fra­ge, zuläs­sig. Zu den Rechts­fra­gen zählt neben der Klar­stel­lung des Inhalts einer Rechts­norm auch die Sub­sum­ti­on eines Tat­be­stan­des unter das Gesetz. Erfor­der­lich ist aber eine Abwei­chung in einem Rechts­satz. Die abwei­chen­de tat­säch­li­che Wür­di­gung eines Sach­ver­halts recht­fer­tigt die Vor­la­ge nicht [4].

Die Vor­la­ge betrifft die Aus­le­gung von §§ 327a, 327b AktG, wonach die den aus­ge­schlos­se­nen Aktio­nä­ren für die Über­tra­gung ihrer Akti­en zu gewäh­ren­de Bar­ab­fin­dung ange­mes­sen sein muss. Hier ist die Fra­ge zu beant­wor­ten, ob bei beherrsch­ten Unter­neh­men für die Bar­ab­fin­dung aus­ge­schlos­se­ner Min­der­heits­ak­tio­nä­re die ange­mes­se­ne Abfin­dung gemäß § 327b AktG vom Bar­wert der Aus­gleichs­zah­lun­gen nach § 304 AktG bestimmt wird. Es ist eine Rechts­fra­ge, ob eine vom Tatrich­ter gewähl­te Bewer­tungs­me­tho­de oder ein inner­halb der Bewer­tungs­me­tho­de gewähl­tes Berech­nungs­ver­fah­ren den gesetz­li­chen Bewer­tungs­zie­len wider­spricht [5], wohin­ge­gen die Fra­ge, wel­che der Bewer­tungs­me­tho­den im Ein­zel­fall den Wert der Unter­neh­mens­be­tei­li­gung zutref­fend abbil­det, Teil der tat­säch­li­chen Wür­di­gung des Sach­ver­halts ist und sich nach der wirt­schafts- oder betriebs­wis­sen­schaft­li­chen Bewer­tungs­theo­rie und Pra­xis beurteilt.

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Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Sep­tem­ber 2020 – II ZB 6/​20

  1. BGBl. I S. 838[]
  2. BGBl. I S. 2586[]
  3. BGH, Beschluss vom 01.03.2010 – II ZB 1/​10, ZIP 2010, 446 Rn. 6 ff.; Beschluss vom 19.07.2010 – II ZB 18/​09, BGHZ 186, 229 Rn. 5 – Stoll­werck; Beschluss vom 12.01.2016 – II ZB 25/​14, BGHZ 208, 265 Rn. 8 mwN[]
  4. BGH, Beschluss vom 29.09.2015 – II ZB 23/​14, BGHZ 207, 114 Rn. 10 mwN; Beschluss vom 12.01.2016 – II ZB 25/​14, BGHZ 208, 265 Rn. 11[]
  5. BGH, Beschluss vom 29.09.2015 – II ZB 23/​14, ZIP 2016, 110 Rn. 12; Beschluss vom 12.01.2016 – II ZB 25/​14, BGHZ 208, 265 Rn. 14[]