Akti­en­recht­li­ches Spruch­ver­fah­ren – und die Beschwer­de­be­fug­nis der Akti­en­ge­sell­schaft

Im Spruch­ver­fah­ren ist die Akti­en­ge­sell­schaft grund­sätz­lich nicht beschwer­de­be­fugt.

Akti­en­recht­li­ches Spruch­ver­fah­ren – und die Beschwer­de­be­fug­nis der Akti­en­ge­sell­schaft

Die Beschwer­de der Akti­en­ge­sell­schaft ist unzu­läs­sig, weil sie durch die Fest­set­zung der Abfin­dung nicht beschwert ist. Nach § 327a AktG schul­det der Haupt­ak­tio­när die Abfin­dung, nicht die Gesell­schaft, deren Akti­en auf den Haupt­ak­tio­när über­tra­gen wer­den. Das folgt jeden­falls aus § 327b Abs. 3 AktG. Die Gesell­schaft war daher am Ver­fah­ren nicht zu betei­li­gen 1.

Für das Ver­fah­ren ord­ne­te vor Inkraft­tre­ten des Spruch­ver­fah­rens­ge­set­zes § 327f Abs. 2 Satz 3 AktG aF die ent­spre­chen­de Gel­tung von § 306 AktG aF an. Dar­aus, dass § 306 Abs. 4 Satz 1 AktG aF anord­ne­te, dass die Ver­trags­tei­le eines Unter­neh­mens­ver­trags zu hören sei­en, nach § 306 Abs. 5 AktG aF die Ent­schei­dung den Ver­trags­tei­len des Unter­neh­mens­ver­trags zuzu­stel­len war und nach § 306 Abs. 7 Satz 7 AktG aF die Ver­trags­tei­le Schuld­ner der Gerichts­kos­ten waren, folgt nicht, dass auch bei der Über­tra­gung der Akti­en auf den Haupt­ak­tio­när neben die­sem die Gesell­schaft im Spruch­ver­fah­ren zu betei­li­gen ist und Kos­ten schul­det. Wäh­rend bei der Bestim­mung der Abfin­dung nach einem Beherr­schungs- oder Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trag mit der Ent­schei­dung des Gerichts eine ver­trag­li­che Abfin­dungs­ver­ein­ba­rung abge­än­dert wird, von der bei­de Ver­trags­tei­le betrof­fen sind, wird im Spruch­ver­fah­ren nach der Über­tra­gung von Akti­en auf den Haupt­ak­tio­när nur über die Abfin­dungs­ver­pflich­tung des Haupt­ak­tio­närs ent­schie­den, die von die­sem vor­ge­ge­ben ist und mit der Gesell­schaft nicht ver­ein­bart ist.

Wegen der Vor­schrift des § 20a Abs. 1 Satz 1 FGG, wonach eine iso­lier­te Anfech­tung der Kos­ten­ent­schei­dung nicht mög­lich war, kann die Antrags­geg­ne­rin zu 1 ihre Beschwer­de auch nicht auf eine ihr ungüns­ti­ge Kos­ten­ent­schei­dung des Land­ge­richts stüt­zen. Die Antrags­geg­ne­rin zu 1 ist durch die erst­in­stanz­li­che Kos­ten­ent­schei­dung auch nicht beschwert. Das Land­ge­richt hat, obwohl es im Rubrum bei­de Antrags­geg­ne­rin­nen benennt, nur "die Antrags­geg­ne­rin" in die Kos­ten ver­ur­teilt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Sep­tem­ber 2015 – II ZB 23/​14

  1. OLG Saar­brü­cken, AG 2004, 217, 218; OLG Ham­burg, AG 2004, 622, 623; OLG Düs­sel­dorf, NZG 2004, 622; OLG Düs­sel­dorf, AG 2012, 716, 717; OLG Frank­furt, Der Kon­zern 2011, 59; Sing­hof in Spindler/​Stilz, AktG, § 327f Rn. 6; Hüffer/​Koch, AktG, 11. Aufl., § 5 SpruchG Rn. 2; Krie­ger, BB 2002, 53, 57; Vet­ter, AG 2002, 176, 190; Fuhrmann/​Simon, WM 2002, 1211, 1215; aA OLG Düs­sel­dorf, AG 2009, 907, 908[]