Amts­lö­schung einer GmbH wegen Ver­mö­gens­lo­sig­keit

Ver­mö­gens­lo­sig­keit im Sin­ne des § 394 Abs. 1 FamFG ist nicht mit Unter­bi­lanz, Über­schul­dung oder Mas­se­lo­sig­keit gleich­zu­set­zen; sie liegt nur vor, wenn nach kauf­män­ni­scher-wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se über­haupt kei­ne Zugriffs- und Ver­tei­lungs­mas­se für die Gläu­bi­ger zur Ver­fü­gung steht.

Amts­lö­schung einer GmbH wegen Ver­mö­gens­lo­sig­keit

§ 394 Abs. 1 FamFG erlaubt die Löschung einer Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung, wenn sie kein Ver­mö­gen besitzt. Das ist dann der Fall, wenn es an einer ver­tei­lungs­fä­hi­gen Mas­se, die zur Gläu­bi­ger­be­frie­di­gung ver­wert­bar wäre, fehlt; schon das Vor­han­den­sein von Ver­mö­gen auch nur in gerin­gem Umfang steht der Annah­me der Ver­mö­gens­lo­sig­keit ent­ge­gen 1. Der Begriff der Ver­mö­gens­lo­sig­keit deckt sich daher nicht mit den Begrif­fen der Unter­bi­lanz, der Über­schul­dung und der Mas­se­lo­sig­keit 2. Ver­mö­gens­lo­sig­keit liegt daher nur vor, wenn nach kauf­män­ni­scher-wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se über­haupt kei­ne Zugriffs- und Ver­tei­lungs­mas­se mehr für die Gläu­bi­ger zur Ver­fü­gung steht 3.

In ver­fah­rens­recht­li­cher Hin­sicht muss das Regis­ter­ge­richt wegen der schwer­wie­gen­den Fol­gen der Löschung die Vor­aus­set­zun­gen für die Annah­me einer Ver­mö­gens­lo­sig­keit beson­ders genau und gewis­sen­haft prü­fen und die erfor­der­li­chen Tat­sa­chen von Amts wegen ermit­teln. Die blo­ße Über­zeu­gung des Gerichts von der Ver­mö­gens­lo­sig­keit genügt nicht; die Über­zeu­gung muss viel­mehr auf aus­rei­chen­den Ermitt­lun­gen beru­hen 4. Eine unter­las­se­ne Dar­le­gung des Geschäfts­füh­rers ist in die­sem Zusam­men­hang kein hin­rei­chen­des Indiz 5.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 21. August 2014 – 11 Wx 92/​13

  1. OLG Düs­sel­dorf, FGPrax 2006, 226 f.; OLG Karls­ru­he, NJW-RR 2000, 630; BayO­bLG, ZIP 1984, 175 f.[]
  2. Altmeppen/​Roth, GmbHG 7. Aufl. § 75 Rn. 53; Haußleiter/​Schemmann, FamFG § 394 Rn. 4; Scholz/​Schmidt/​Bitter, GmbHG 10. Aufl. § 60 Rn. 49; vgl. auch KG, FGPrax 2007, 237[]
  3. Scholz/​Schmidt/​Bitter aaO[]
  4. OLG Düs­sel­dorf, FGPrax 2013, 33 f; OLG Karls­ru­he, NJW-RR 2000, 630; Baumbach/​Hueck/​Haas, GmbHG 20. Aufl. Anh. § 77 Rn. 9[]
  5. OLG Düs­sel­dorf, FGPrax 2011, 134; BayO­bLG, ZIP 1984, 175 f.[]