Ansprü­che zwi­schen GmbH-Gesell­schaf­tern wegen ver­deck­ter Gewinn­aus­schüt­tung

Ansprü­che zwi­schen Gesell­schaf­tern einer GmbH wegen ver­deck­ter Gewinn­aus­schüt­tung erge­ben sich nicht aus einer ana­lo­gen Anwen­dung von § 31 Abs. 1 GmbHG.

Ansprü­che zwi­schen GmbH-Gesell­schaf­tern wegen ver­deck­ter Gewinn­aus­schüt­tung

Die Auf­fas­sung, auf ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tun­gen sei ohne Rück­sicht auf das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen des § 30 GmbHG, ins­be­son­de­re einer Unter­bi­lanz, die Vor­schrift des § 31 Abs. 1 GmbHG ana­log anwend­bar, wird auch in der – meist älte­ren – Lite­ra­tur ver­tre­ten [1].

Das Ober­lan­des­ge­richt Stut­gart folgt die­ser Auf­fas­sung jedoch im Ein­klang mit der – soweit ersicht­lich – ein­hel­li­gen Auf­fas­sung in der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung [2] sowie der ganz herr­schen­den Mei­nung in der Lite­ra­tur [3] nicht. Die Gegen­mei­nung geht ins­be­son­de­re auf die Über­le­gun­gen Flu­mes [4] zurück, die wie­der­um maß­ge­bend davon geprägt waren, mit der befür­wor­te­ten Ana­lo­gie ver­jäh­rungs­recht­li­che Frik­tio­nen zu ver­mei­den, kon­kret die dama­li­ge fünf­jäh­ri­ge objek­ti­ve Ver­jäh­rung, die § 31 Abs. 5 GmbHG bis zum Jahr 2004 vor­sah [5], nicht durch Anwen­dung der bis zur Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rung im Jahr 2002 gel­ten­den drei­ßig­jäh­ri­gen objek­ti­ven Ver­jäh­rung für Berei­che­rungs­an­sprü­che zu kon­ter­ka­rie­ren, also die Begüns­ti­gung durch die kur­ze spe­zi­al­ge­setz­li­che Ver­jäh­rung nicht leer­lau­fen zu las­sen [6].

Unter dem jetzt gel­ten­den § 31 Abs. 5 GmbHG sowie der für Berei­che­rungs­an­sprü­che anwend­ba­ren §§ 195, 199 BGB ist die ver­jäh­rungs­recht­li­che Lage hin­ge­gen eine ganz ande­re, für die frü­her befür­wor­te­te Ana­lo­gie besteht schon des­halb weder Raum noch Bedürf­nis (vgl. Ekken­ga, in: Mün­che­ner Kom­men­tar zum GmbHG, 1. Aufl., § 29 Rn. 268). Aus der Diver­genz beim Schutz des gut­gläu­bi­gen Emp­fän­gers nach § 31 Abs. 2 GmbHG einer­seits und nach § 818 Abs. 3 BGB ande­rer­seits ergibt sich nichts ande­res [7].

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 15. Febru­ar 2013 – 14 U 5/​13

  1. etwa Flu­me, All­ge­mei­ner Teil des Bür­ger­li­chen Rechts, Ers­ter Band, Zwei­ter Teil, Die juris­ti­sche Per­son, 1983, S. 295; Win­ter, ZHR 148 [1984], 579, 589; Stengel/​Scholderer, ZGR 1997, 41, 43; Hom­mel­hoff, in Lutter/​Hommelhoff, GmbHG, 18. Aufl., § 29 Rn. 54; frü­her auch Goerdeler/​Müller, in: Hach­en­burg, GmbHG, 8. Aufl., § 29 Rn. 134 m. w. N. in Fn. 244, doch mitt­ler­wei­le auf­ge­ge­ben [Mül­ler, in: Groß­kom­men­tar zum GmbH, GmbHG, 1. Aufl., § 29 Rn. 169][]
  2. OLG Bran­den­burg, GmbHR 1997, 750; OLG Frank­furt, GmbHR 2005, 550, 558[]
  3. s. nur etwa Ver­se, in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl., § 29 Rn. 123 ff. m. w. N.; Ekken­ga, in: Mün­che­ner Kom­men­tar zum GmbHG, 1. Aufl., § 29 Rn. 268; Fas­trich, in: Baumbach/​Hueck, GmbHG, 20. Aufl., § 29 Rn. 76; Mül­ler, in: Groß­kom­men­tar zum GmbH, GmbHG, 1. Aufl., § 29 Rn. 169; Pentz, in: Rowed­der/­Schmidt-Leit­hoff, GmbHG, § 29 Rn. 169[]
  4. Flu­me, a.a.O., S. 295[]
  5. s. dazu etwa OLG Stutt­gart, Urteil vom 27.09.2006 – 14 U 11/​06, Tz. 60[]
  6. eben­so etwa Win­ter, ZHR 148 [1984], 579, 589; Stengel/​Scholderer, ZGR 1997, 41, 43[]
  7. vgl. nur Münch­Komm-GmbHG/Ek­ken­ga, 1. Aufl., § 29 Rn. 268; gegen die Her­an­zie­hung von § 31 Abs. 2 GmbHG im Übri­gen auch Hom­mel­hoff, in Lutter/​Hommelhoff, GmbHG, 18. Aufl., § 29 Rn. 54[]