Auf­klä­rungs­pflich­ten bei der Publi­kums-KG – und die Haf­tung des Treu­hand­kom­man­di­tis­ten

Bei einer Publi­kums­per­so­nen­ge­sell­schaft haf­tet ein mit einer eige­nen Kapi­tal­ein­la­ge betei­lig­ter Treu­hand­kom­man­di­tist wegen der Ver­let­zung von Auf­klä­rungs­pflich­ten bei der Anbah­nung des Auf­nah­me­ver­trags nicht nur gegen­über nach ihm ein­tre­ten­den Treu­ge­bern, son­dern auch gegen­über nach ihm ein­tre­ten­den Direkt­kom­man­di­tis­ten.

Auf­klä­rungs­pflich­ten bei der Publi­kums-KG – und die Haf­tung des Treu­hand­kom­man­di­tis­ten

Die Treu­hand­kom­man­di­tis­tin ist aller­dings als Betei­li­gungs­ver­wal­te­rin oder als Ein­zah­lungs­treu­hän­de­rin nicht ver­pflich­tet, einem Anle­ger für sei­ne Bei­tritts­ent­schei­dung ein rich­ti­ges Bild über das Betei­li­gungs­ob­jekt zu ver­mit­teln1. Jedoch kommt eine Haf­tung der Treu­hand­kom­man­di­tis­tin aus Pro­spekt­haf­tung im wei­te­ren Sin­ne für die von der Anle­ge­rin behaup­te­ten Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zun­gen in Betracht, soweit sie der GmbH & Co. KG bereits vor der Anle­ge­rin mit einer eige­nen Kapi­tal­ein­la­ge (hier:) von 100 € bei­getre­ten war.

Die Pro­spekt­haf­tung im wei­te­ren Sin­ne ist ein Anwen­dungs­fall der Haf­tung für Ver­schul­den bei Ver­trags­schluss nach § 280 Abs. 1, 3, §§ 282, 241 Abs. 2, § 311 Abs. 2 BGB2. Danach oblie­gen dem, der selbst oder durch einen Ver­hand­lungs­ge­hil­fen einen Ver­trags­schluss anbahnt, Schutz- und Auf­klä­rungs­pflich­ten gegen­über sei­nem Ver­hand­lungs­part­ner, bei deren Ver­let­zung er auf Scha­dens­er­satz haf­tet. Abge­se­hen etwa von dem Son­der­fall des § 311 Abs. 3 BGB, in dem auch ein Drit­ter haf­ten kann, wenn er in beson­de­rem Maße Ver­trau­en für sich in Anspruch genom­men hat, trifft die Haf­tung aus Ver­schul­den bei Ver­trags­schluss den­je­ni­gen, der den Ver­trag im eige­nen Namen abschlie­ßen will3. Das sind bei einem Bei­tritt zu einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft grund­sätz­lich die schon zuvor bei­getre­te­nen Gesell­schaf­ter. Denn der Auf­nah­me­ver­trag wird bei einer Per­so­nen­ge­sell­schaft zwi­schen dem neu ein­tre­ten­den Gesell­schaf­ter und den Alt­ge­sell­schaf­tern geschlos­sen4.

Da Anknüp­fungs­punkt für die Auf­klä­rungs­pflich­ten die Anbah­nung des Auf­nah­me­ver­trags ist, haf­tet ein mit einer eige­nen Kapi­tal­ein­la­ge betei­lig­ter Treu­hand­kom­man­di­tist ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts nicht nur gegen­über den neu ein­tre­ten­den Treu­ge­bern, son­dern auch gegen­über den neu ein­tre­ten­den Direkt­kom­man­di­tis­ten, mit denen der Treu­hand­kom­man­di­tist den Auf­nah­me­ver­trag schließt. Die an die Anbah­nung eines Ver­trags­schlus­ses anknüp­fen­den Schutz- und Auf­klä­rungs­pflich­ten tref­fen grund­sätz­lich den­je­ni­gen, der den Ver­trag im eige­nen Namen abschlie­ßen will. Gegen­über einem bei­tritts­wil­li­gen Neu­ge­sell­schaf­ter haf­tet daher nur der bereits vor die­sem bei­getre­te­ne Alt­ge­sell­schaf­ter. Der hier­für maß­geb­li­che, Schutz­pflich­ten begrün­den­de Zeit­punkt ist regel­mä­ßig der Abschluss des Auf­nah­me­ver­trags des Alt­ge­sell­schaf­ters5. Auf die für die Erlan­gung der Gesell­schaf­ter­stel­lung ledig­lich dekla­ra­to­ri­sche Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter kommt es nicht an.

Bei einer Publi­kums­per­so­nen­ge­sell­schaft wie hier ist eine Haf­tung wegen Ver­schul­dens bei Ver­trags­schluss inso­weit aus­ge­schlos­sen, als sie sich gegen Alt­ge­sell­schaf­ter rich­ten wür­de, die nach der Grün­dung der Gesell­schaft rein kapi­ta­lis­tisch als Anle­ger bei­getre­ten sind6.

Die Treu­hand­kom­man­di­tis­tin fällt nicht unter die­se Aus­nah­me. Anders als rein kapi­ta­lis­ti­sche Anle­ger ver­folg­te die Treu­hand­kom­man­di­tis­tin nicht aus­schließ­lich Anla­ge­in­ter­es­sen. Viel­mehr war sie als Treu­hän­de­rin in das Orga­ni­sa­ti­ons­ge­fü­ge der Fonds­ge­sell­schaft ein­ge­bun­den und erhielt für ihre Diens­te eine jähr­li­che Ver­gü­tung in Höhe von maxi­mal 0,1 % des Kom­man­dit­ka­pi­tals.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Mai 2017 – II ZR 10/​16

  1. vgl. BGH, Urteil vom 23.04.2012 – II ZR 211/​09, ZIP 2012, 1231 Rn. 25; Beschluss vom 29.01.2009 – III ZR 74/​08, ZIP 2009, 1577 Rn. 8
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung, sie­he etwa BGH, Urteil vom 21.06.2016 – II ZR 331/​14, ZIP 2016, 1478 Rn. 12; Urteil vom 09.07.2013 – II ZR 9/​12, ZIP 2013, 1616 Rn. 26; Urteil vom 23.04.2012 – II ZR 75/​10, ZIP 2012, 1342 Rn. 9 sowie BGH, Urteil vom 16.03.2017 – III ZR 489/​16, ZIP 2017, 715 Rn. 17
  3. BGH, Urteil vom 16.03.2017 – III ZR 489/​16, ZIP 2017, 715 Rn. 17; Urteil vom 21.06.2016 – II ZR 331/​14, ZIP 2016, 1478 Rn. 12; Urteil vom 09.07.2013 – II ZR 9/​12, ZIP 2013, 1616 Rn. 26 f.; Urteil vom 23.04.2012 – II ZR 211/​09, ZIP 2012, 1231 Rn. 23
  4. BGH, Urteil vom 21.06.2016 – II ZR 331/​14, ZIP 2016, 1478 Rn. 12; Urteil vom 09.07.2013 – II ZR 9/​12, ZIP 2013, 1616 Rn. 27; Urteil vom 23.04.2012 – II ZR 75/​10, ZIP 2012, 1342 Rn. 9; Urteil vom 01.03.2011 – II ZR 16/​10, ZIP 2011, 957 Rn. 7 mwN
  5. vgl. BGH, Urteil vom 01.03.2011 – II ZR 16/​10, ZIP 2011, 957 Rn. 7 mwN
  6. BGH, Urteil vom 21.06.2016 – II ZR 331/​14, ZIP 2016, 1478 Rn. 12; Urteil vom 09.07.2013 – II ZR 9/​12, ZIP 2013, 1616 Rn. 28