Aus­ein­an­der­set­zung einer ver­mö­gens­lo­sen GbR

Ist in einer zwei­glied­ri­gen Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts kein zu liqui­die­ren­des Gesell­schafts­ver­mö­gen mehr vor­han­den, kann der Gesell­schaf­ter, der für sich ein Gut­ha­ben bean­sprucht, die­ses auf­grund einer ver­ein­fach­ten Aus­ein­an­der­set­zungs­rech­nung unmit­tel­bar gegen den aus­gleichs­pflich­ti­gen Gesell­schaf­ter gel­tend machen; Streit­punk­te über die Rich­tig­keit der Schluss­rech­nung sind in die­sem Pro­zess zu ent­schei­den; einer – von den Gesell­schaf­tern fest­ge­stell­ten – Aus­ein­an­der­set­zungs­bi­lanz bedarf es nicht 1.

Aus­ein­an­der­set­zung einer ver­mö­gens­lo­sen GbR

Mit der ver­ein­fach­ten Aus­ein­an­der­set­zungs­rech­nung ist der gel­tend gemach­te Aus­gleichs­an­spruch als Ergeb­nis einer Gesamt­ab­rech­nung unter Ein­be­zie­hung der für die Berech­nung wesent­li­chen Para­me­ter nach­voll­zieh­bar und schlüs­sig dar­zu­le­gen. Wei­ter­ge­hen­de Anfor­de­run­gen sind an eine ver­ein­fach­te Aus­ein­an­der­set­zungs­rech­nung nicht zu stel­len.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs bedarf es zur Gel­tend­ma­chung des Aus­ein­an­der­set­zungs­gut­ha­bens nach Auf­lö­sung einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts kei­ner – von den Gesell­schaf­tern fest­ge­stell­ten – Aus­ein­an­der­set­zungs­bi­lanz, wenn kein zu liqui­die­ren­des Gesell­schafts­ver­mö­gen mehr vor­han­den ist. In die­sem Fall kann der Gesell­schaf­ter, der für sich ein Gut­ha­ben bean­sprucht, die­ses auf­grund einer ver­ein­fach­ten Aus­ein­an­der­set­zungs­rech­nung unmit­tel­bar gegen den aus­gleichs­pflich­ti­gen Gesell­schaf­ter gel­tend machen; Streit­punk­te über die Rich­tig­keit der Schluss­rech­nung sind in die­sem Pro­zess zu ent­schei­den 2. Ent­spre­chen­des gilt für den Aus­gleich der Kapi­tal­kon­ten nach Been­di­gung der Liqui­da­ti­on einer OHG oder Part­ner­schafts­ge­sell­schaft 3.

Die durch die­se Recht­spre­chung ermög­lich­te Erleich­te­rung des nach­ge­la­ger­ten Innen­aus­gleichs ist von der Fra­ge zu tren­nen, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen bei noch vor­han­de­nem Gesell­schafts­ver­mö­gen inter­ne Aus­gleichs­an­sprü­che der Gesell­schaf­ter in eine zum Zweck der Liqui­da­ti­on zu erstel­len­de Aus­ein­an­der­set­zungs­bi­lanz auf­zu­neh­men sind. Inso­weit hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass jeden­falls bei einer Publi­kums­ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts und zumin­dest auf der Grund­la­ge eines ent­spre­chen­den Gesell­schaf­ter­be­schlus­ses auch die auf dem Gesell­schafts­ver­hält­nis beru­hen­den Ansprü­che der Gesell­schaf­ter unter­ein­an­der in die Aus­ein­an­der­set­zungs­bi­lanz ein­zu­stel­len sind 4. Hier­durch wird eine sach­wid­ri­ge Tren­nung zwi­schen der Aus­ein­an­der­set­zung des Gesell­schafts­ver­mö­gens einer­seits und dem inter­nen Gesell­schaf­ter­aus­gleich ande­rer­seits ver­mie­den und dem Umstand Rech­nung getra­gen, dass andern­falls der erfor­der­li­che Aus­gleich unter den Gesell­schaf­tern bei der für Publi­kums­ge­sell­schaf­ten typi­schen Viel­zahl von Gesell­schaf­tern, die unter­ein­an­der nicht per­sön­lich ver­bun­den sind, nicht gewähr­leis­tet oder jeden­falls in unzu­mut­ba­rer Wei­se erschwert wäre 5. Davon unbe­rührt bleibt die in der zuvor zitier­ten Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung aner­kann­te Mög­lich­keit, bei Über­schau­bar­keit der Ver­hält­nis­se, nament­lich bei einer Zwei­per­so­nen­ge­sell­schaft, den inter­nen Aus­gleich auf der Grund­la­ge einer ver­ein­fach­ten Aus­ein­an­der­set­zungs­rech­nung unmit­tel­bar unter den Gesell­schaf­tern vor­zu­neh­men, sofern das Gesell­schafts­ver­mö­gen – mit Aus­nah­me zum inter­nen Aus­gleich benö­tig­ter Ver­lust­aus­gleichs­an­sprü­che – bereits abge­wi­ckelt ist 6.

Eine ver­ein­fach­te Aus­ein­an­der­set­zungs­rech­nung muss den gel­tend gemach­ten Aus­gleichs­an­spruch nach­voll­zieh­bar und schlüs­sig dar­le­gen. Zu die­sem Zweck sind die für die Berech­nung wesent­li­chen Para­me­ter ein­zu­be­zie­hen. Außer­dem gilt auch für die an die Liqui­da­ti­on anschlie­ßen­den Aus­gleichs­an­sprü­che der Gesell­schaf­ter unter­ein­an­der zur Ver­mei­dung eines Hin- und Her­zah­lens der Grund­satz der Gesamt­ab­rech­nung und es besteht grund­sätz­lich eine Durch­set­zungs­sper­re hin­sicht­lich ein­zel­ner Rech­nungs­pos­ten 7. Wei­ter­ge­hen­de Anfor­de­run­gen sind an eine ver­ein­fach­te Aus­ein­an­der­set­zungs­rech­nung nicht zu stel­len.

Es ist unschäd­lich, dass der die Aus­gleichs­zah­lung begeh­ren­de Gesell­schaf­ter die Abrech­nung nicht in einem Schrift­stück zusam­men­ge­fasst hat, das einen abschlie­ßen­den Sal­do aus­weist. Im hier ent­schie­de­nen Fall schlie­ßen die in den Auf­stel­lun­gen erfass­ten Zeit­ab­schnit­te naht­los anein­an­der an, so dass der Grund­satz der Gesamt­ab­rech­nung in zeit­li­cher Hin­sicht beach­tet wird. Der Umstand, dass die Ermitt­lung des Gesamt­ergeb­nis­ses auf der Grund­la­ge der vor­ge­leg­ten Auf­stel­lun­gen noch eine ein­fa­che Addi­ti­on erfor­dert, beein­träch­tigt die Nach­voll­zieh­bar­keit und Schlüs­sig­keit der Abrech­nung nicht. Eben­falls unschäd­lich ist die geson­der­te Dar­stel­lung der Zins­be­rech­nung, durch die einer zum Zins­aus­gleich getrof­fe­nen gesell­schafts­ver­trag­li­chen Rege­lung Rech­nung getra­gen wer­den soll.

Auch die unbe­rech­tig­te Ein­be­zie­hung ein­zel­ner Posi­tio­nen führt nicht zur Unschlüs­sig­keit der Abrech­nung. Viel­mehr ist über die Rich­tig­keit ein­zel­ner Posi­tio­nen der Aus­ein­an­der­set­zungs­rech­nung im Pro­zess zu ent­schei­den 8. Das Gericht hat die Posi­tio­nen, die es für unbe­rech­tigt hält, abzu­zie­hen.

Nach der schon erwähn­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 9 kann der Gesell­schaf­ter, der nach der Auf­lö­sung einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts, für sich ein Gut­ha­ben bean­sprucht, die­ses unmit­tel­bar gegen den aus­gleichs­pflich­ti­gen Gesell­schaf­ter gel­tend machen, wenn kein (sons­ti­ges) zu liqui­die­ren­des Gesell­schafts­ver­mö­gen mehr vor­han­den ist 10. Bei die­ser ver­ein­fach­ten Abwick­lung macht der Gesell­schaf­ter einen eige­nen Anspruch gel­tend, kei­nen Anspruch der Gesell­schaft, der auf Leis­tung an die­se zu rich­ten wäre.

Da der Aus­gleichs­an­spruch unter den genann­ten Vor­aus­set­zun­gen dem Aus­gleichs­be­rech­tig­ten unmit­tel­bar gegen den aus­gleichs­pflich­ti­gen Mit­ge­sell­schaf­ter zusteht, kann er ihn auch abtre­ten 11.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Okto­ber 2015 – II ZR 214/​13

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 23.10.2006 – II ZR 192/​05, ZIP 2006, 2271[]
  2. BGH, Urteil vom 05.07.1993 – II ZR 234/​92, ZIP 1993, 1307, 1309; Urteil vom 21.11.2005 – II ZR 17/​04, ZIP 2006, 232 Rn. 10 f.; Urteil vom 23.10.2006 – II ZR 192/​05, ZIP 2006, 2271 Rn. 9 f.; Beschluss vom 25.01.2011 – II ZR 280/​09, juris; vgl. auch Münch­Komm-BGB/C. Schä­fer, 6. Aufl., § 730 Rn. 2 f.[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 28.11.1957 – II ZR 55/​57, BGHZ 26, 126, 128 f.; Urteil vom 14.04.1966 – II ZR 34/​64, WM 1966, 706 f.; Beschluss vom 11.05.2009 – II ZR 210/​08, ZIP 2009, 1376 Rn. 3 f.[]
  4. BGH, Urteil vom 15.11.2011 – II ZR 266/​09, BGHZ 191, 293 Rn. 34; Urteil vom 20.11.2012 – II ZR 148/​10 34; vgl. auch Münch­Komm-BGB/C. Schä­fer, 6. Aufl., § 730 Rn. 4[]
  5. BGH, Urteil vom 15.11.2011 – II ZR 266/​09, BGHZ 191, 293 Rn. 34[]
  6. vgl. auch Münch­Komm-BGB/C. Schä­fer, 6. Aufl., § 735 Rn. 6[]
  7. BGH, Urteil vom 02.07.1962 – II ZR 204/​60, BGHZ 37, 299, 304 f.; Haas in Röhricht/​Graf von Westphalen/​Haas, HGB, 4. Aufl., § 155 Rn. 18[]
  8. BGH, Urteil vom 05.07.1993 – II ZR 234/​92, ZIP 1993, 1307, 1309; Urteil vom 23.10.2006 – II ZR 192/​05, ZIP 2006, 2271 Rn. 10; Beschluss vom 25.01.2011 – II ZR 280/​09[]
  9. BGH, Urteil vom 05.07.1993 – II ZR 234/​92, ZIP 1993, 1307, 1309; Urteil vom 21.11.2005 – II ZR 17/​04, ZIP 2006, 232 Rn. 10 f.; Urteil vom 23.10.2006 – II ZR 192/​05, ZIP 2006, 2271 Rn. 9 f.; Beschluss vom 25.01.2011 – II ZR 280/​09[]
  10. vgl. auch Münch­Komm-BGB/C. Schä­fer, 6. Aufl., § 730 Rn. 35 und § 735 Rn. 6[]
  11. vgl. BGH, Urteil vom 14.04.1966 – II ZR 34/​64, WM 1966, 706[]