Aus­kunfts­an­spruch des GmbH-Gesell­schaf­ters

Gegen einen Vor­rats­be­schluss der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung einer GmbH, mit dem einem Gesell­schaf­ter über ein kon­kre­tes Infor­ma­ti­ons­be­geh­ren hin­aus Ein­sicht oder Aus­kunft für eine bestimm­te Zeit, unter bestimm­ten Umstän­den oder in bestimm­te Unter­la­gen ver­wei­gert wird, ist, wie der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den hat, die Anfech­tungs­kla­ge zuläs­sig.

Aus­kunfts­an­spruch des GmbH-Gesell­schaf­ters

Das Rechts­schutz­be­dürf­nis für die Anfech­tungs­kla­ge gegen einen Beschluss, in dem die Gesell­schaf­ter die Infor­ma­ti­ons­rech­te eines Mit­ge­sell­schaf­ters über die Zurück­wei­sung eines kon­kre­ten Infor­ma­ti­ons­be­geh­rens hin­aus ein­schrän­ken, fehlt, so der BGH, nicht. Ein beson­de­res Rechts­schutz­in­ter­es­se an der Ver­nich­tung eines Beschlus­ses ist grund­sätz­lich nicht erfor­der­lich. Die Anfech­tungs­kla­ge dient der Kon­trol­le der Recht­mä­ßig­keit der Beschlüs­se der Gesell­schaft. Sie ist ein aus der Mit­glied­schaft selbst fol­gen­des Recht und bedarf kei­ner beson­de­ren Recht­fer­ti­gung durch eine per­sön­li­che Betrof­fen­heit des anfech­tungs­be­fug­ten Klä­gers [1].

Dem GmbH-Gesell­schaf­ter steht auch kein ein­fa­che­res und vor­ran­gi­ges Ver­fah­ren zur Ver­fü­gung, um die Rechts­gül­tig­keit des Beschlus­ses zu klä­ren, ihn nicht mehr über bestimm­te Umstän­de zu infor­mie­ren. Die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, nach der eine selb­stän­di­ge Anfecht­bar­keit des Infor­ma­ti­ons­ver­wei­ge­rungs­be­schlus­ses nach § 51 a Abs. 2 Satz 2 GmbHG zu ver­nei­nen ist [2], lässt sich nicht auf Beschlüs­se über­tra­gen, mit denen einem Gesell­schaf­ter Infor­ma­tio­nen über ein kon­kre­tes Aus­kunfts­er­su­chen hin­aus auf Vor­rat ver­wei­gert wer­den [3]. Das Infor­ma­ti­ons­er­zwin­gungs­ver­fah­ren setzt ein kon­kre­tes Aus­kunfts- oder Ein­sichts­be­geh­ren vor­aus (§ 51 a Abs. 1 GmbHG). Gegen einen Vor­rats­be­schluss, mit dem einem Gesell­schaf­ter ohne ein kon­kre­tes Infor­ma­ti­ons­be­geh­ren Ein­sicht und Aus­kunft für eine bestimm­te Zeit, unter bestimm­ten Umstän­den oder in bestimm­te Unter­la­gen ver­wei­gert wird, ist ein sol­ches Ver­fah­ren nicht vor­ge­se­hen.

Der Gesell­schaf­ter kann auch nicht dar­auf ver­wie­sen wer­den, den Vor­rats­be­schluss hin­zu­neh­men und erst gegen die Ver­wei­ge­rung der Infor­ma­ti­on auf kon­kre­te Aus­kunfts­er­su­chen das Infor­ma­ti­ons­er­zwin­gungs­ver­fah­ren zu betrei­ben. Er hat ein recht­li­ches Inter­es­se dar­an, bereits die Gül­tig­keit des Vor­rats­be­schlus­ses klä­ren zu las­sen. Mit der Über­prü­fung der im Vor­rats­be­schluss auf­ge­stell­ten Richt­li­nie im Wege der Anfech­tungs­kla­ge kann ihre Gül­tig­keit über das ein­zel­ne Infor­ma­ti­ons­be­geh­ren hin­aus geklärt wer­den. Der Vor­rats­be­schluss erspart spä­te­re Gesell­schaf­ter­be­schlüs­se nach einem kon­kre­ten Infor­ma­ti­ons­er­su­chen nach § 51 a Abs. 2 Satz 2 GmbHG nicht, weil er nur eine all­ge­mei­ne Richt­li­nie auf­stellt [4]. Dem Gesell­schaf­ter wird durch den Vor­rats­be­schluss die Chan­ce genom­men, ohne Betei­li­gung der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung und zügig die begehr­ten Infor­ma­tio­nen zu erhal­ten. Der Beschluss ent­hält eine Wei-sung an den Geschäfts­füh­rer und ver­hin­dert, dass der Geschäfts­füh­rer zunächst in eige­ner Kom­pe­tenz prüft, ob ein Infor­ma­ti­ons­an­spruch besteht. Jedes kon­kre­te Infor­ma­ti­ons­be­geh­ren führt, wenn die Wei­sung bestehen bleibt, min­des­tens zur Befas­sung der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung und – bei unver­än­der­ter Hal­tung der Mit­ge­sell­schaf­ter – zu einem gericht­li­chen Ver­fah­ren.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil v. 27. April 2009 – II ZR 167/​07

  1. BGHZ 43, 261, 266; 70, 117, 118; 107, 296, 308; BGH, Urteil vom 14. Okto­ber 1991 – II ZR 249/​90, ZIP 1991, 1577[]
  2. BGH, Urteil vom 7. Dezem­ber 1987 – II ZR 86/​87, ZIP 1988, 87[]
  3. Scholz/​K. Schmidt, GmbHG 10. Aufl. § 51 a Rdn. 42; Michalski/​Römer­mann, GmbHG § 51 a Rdn. 196[]
  4. Scholz/​K. Schmidt, GmbHG 10. Aufl. § 51 a Rdn. 42; Ulmer/​Hüffer, GmbHG § 51 a Rdn. 52; Michalski/​Römermann, GmbHG § 51 a Rdn. 196; a.A. Ivens, GmbHR 1989, 273, 275; B. Schnei­der, GmbHR 2008, 638, 643[]