Aus­schluss der Kom­ple­men­tär-GmbH aus der GmbH & Co. KG – und die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen

Wird ein mit der Geschäfts­füh­rung beauf­trag­ter, am Gesell­schafts­ver­mö­gen aber nicht betei­lig­ter Gesell­schaf­ter einer Per­so­nen- oder Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft (hier: eine Kom­ple­men­tär-GmbH) aus der Gesell­schaft aus­ge­schlos­sen, rich­tet sich das der Bewer­tung nach §§ 3 ff. ZPO zugrun­de zu legen­de wirt­schaft­li­che Inter­es­se die­ses Gesell­schaf­ters an der Nich­tig­erklä­rung des Aus­schlie­ßungs­be­schlus­ses der Gesell­schaft nach dem Wert der ihm nach den ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen zuste­hen­den Ver­gü­tun­gen (hier: Geschäfts­füh­rungs- und Haf­tungs­ver­gü­tung).

Aus­schluss der Kom­ple­men­tär-GmbH aus der GmbH <span class="amp">&</span> Co. KG – und die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen

Zwar rich­tet sich der Wert der Kla­ge eines Gesell­schaf­ters gegen einen Aus­schlie­ßungs­be­schluss nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs in der Regel nach dem Wert sei­ner Betei­li­gung an der Gesell­schaft, also nach dem Wert des Geschäfts­bzw. Gesell­schafts­an­teils des aus­ge­schlos­se­nen Gesell­schaf­ters 1. Dabei wird das Inter­es­se eines Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rers, wei­ter­hin Geschäfts­füh­rer der Gesell­schaft zu sein und damit die Len­kungs­und Lei­tungs­macht in der Hand zu behal­ten, durch den Wert sei­nes Gesell­schafts­an­teils begrenzt, mit ande­ren Wor­ten, das Inter­es­se des sich gegen sei­nen Aus­schluss weh­ren­den Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rers liegt nicht des­halb über dem Wert sei­nes Geschäfts­an­teils, weil er gleich­zei­tig die Geschäfts­füh­rer­funk­ti­on aus­übt bzw. aus­ge­übt hat 2.

Jedoch ist es rechts­ir­rig davon aus­zu­ge­hen, dass der Betei­li­gung der Kom­ple­men­tär-GmbH an der GmbH & Co. KG des­halb kein den Betrag von 600 € über­stei­gen­der Wert zukommt, weil sie kei­ne Ein­la­ge zu erbrin­gen hat und nicht am Gesell­schafts­ver­mö­gen betei­ligt ist. Das der Bewer­tung nach § 3 ZPO zugrun­de zu legen­de Inter­es­se des Gesell­schaf­ters am Erhalt sei­ner Gesell­schaf­ter­stel­lung kann sich nur dann nach dem Wert sei­ner Betei­li­gung am Gesell­schafts­ver­mö­gen bestim­men, wenn der Gesell­schaf­ter nach den sei­ner Betei­li­gung an der Gesell­schaft zugrun­de­lie­gen­den Ver­ein­ba­run­gen über­haupt an dem Gesell­schafts­ver­mö­gen betei­ligt sein soll. Dies ist zwar in der Regel der Fall, erfor­der­lich ist eine sol­che ver­mö­gens­mä­ßi­ge Betei­li­gung eines Gesell­schaf­ters aber nicht. Mit der Gesell­schaf­ter­stel­lung ist es ohne wei­te­res ver­ein­bar, dass ein Gesell­schaf­ter kei­ne Ein­la­ge erbringt, am Gewinn und Ver­lust sowie am Gesell­schafts­ver­mö­gen nicht betei­ligt ist, sich sein Bei­trag viel­mehr auf die Geschäfts­füh­rung und sei­ne Betei­li­gung am Geschäfts­er­geb­nis auf einen bestimm­ten Betrag beschränkt 3, wie es hier bei der Betei­li­gung der Kom­ple­men­tär-GmbH an der GmbH & Co. KG der Fall ist.

Die Kom­ple­men­tär-GmbH ist nicht am Gesell­schafts­ver­mö­gen der GmbH & Co. KG betei­ligt. Ihre Gesell­schaf­ter­stel­lung hat sie nur des­halb inne, weil es der im Per­so­nen­ge­sell­schafts­recht gel­ten­de Grund­satz der Selbst­or­gan­schaft erfor­dert, dass die organ­schaft­li­che Geschäfts­füh­rung der Gesell­schaft durch einen Gesell­schaf­ter aus­ge­übt wird. Nach der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung kann die gesell­schafter­li­che Geschäfts­füh­rungs­be­fug­nis nicht ohne Gesell­schafts­an­teil einem Drit­ten über­tra­gen wer­den 4. Wird einem sol­chen mit der Geschäfts­füh­rung beauf­trag­ten, am Gesell­schafts­ver­mö­gen aber nicht betei­lig­ten Gesell­schaf­ter wie hier der Kom­ple­men­tär-GmbH die Gesell­schaf­ter- und Geschäfts­füh­rer­stel­lung ent­zo­gen, rich­tet sich das der Bewer­tung nach §§ 3 ff. ZPO zugrun­de zu legen­de wirt­schaft­li­che Inter­es­se die­ses Gesell­schaf­ters an der Nich­tig­erklä­rung des Aus­schlie­ßungs­be­schlus­ses der Gesell­schaft nach dem Wert sei­ner Geschäfts­füh­rer- und Haf­tungs­ver­gü­tung. Die­se ver­liert er mit dem Ent­zug der Gesell­schaf­ter­stel­lung und in deren Höhe ist er daher durch die Abwei­sung der Kla­ge gegen den Aus­schlie­ßungs­be­schluss im Sinn des § 511 ZPO beschwert.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall ste­hen der Kom­ple­men­tär-GmbH nach dem Gesell­schafts­ver­trag als Ver­gü­tung 0, 3 % zzgl. Umsatz­steu­er auf die Sum­me der Kapi­tal­kon­ten – I zum 31.12. eines jeden Geschäfts­jah­res und (jeden­falls) 12.000 € monat­lich zu. Die Sum­me der Kapi­tal­kon­ten – I betrug zum 31.12 2011 unstrei­tig 11.512.615, 33 €. 0, 3% hier­von sind 34.537, 85 € net­to. Hin­zu kommt gemäß § 9 ZPO der 3, 5fache Wert eines Jah­res­ge­halts. Damit über­steigt das wirt­schaft­li­che Inter­es­se der Kom­ple­men­tär-GmbH den Beru­fungs­streit­wert von 600 € um ein Viel­fa­ches. Die Beru­fung ist zuläs­sig.

Ange­sichts des­sen kommt es nicht mehr dar­auf an, dass das Beru­fungs­ge­richt es von sei­nem Rechts­stand­punkt aus ver­fah­rens­feh­ler­haft unter­las­sen hat, die Ent­schei­dung nach § 511 Abs. 4 ZPO nach­zu­ho­len 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. Novem­ber 2014 – II ZB 15/​13

  1. vgl. nur BGH, Beschluss vom 08.12 2008 – II ZR 39/​08, NZG 2009, 518 Rn. 2; Beschluss vom 24.06.2014 – II ZR 29/​13 4[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 28.06.2011 – II ZR 127/​10, NZG 2011, 911; Beschluss vom 02.03.2009 – II ZR 59/​08, GmbHR 2009, 995 Rn. 3, 4[]
  3. vgl. nur BGH, Urteil vom 06.04.1987 – II ZR 101/​86, ZIP 1987, 909, 910 f.; K. Schmidt, Gesell­schafts­recht, 4. Aufl., § 47 – III 1 b, S. 1381 f.; Roth in Baumbach/​Hopt, HGB, 36. Aufl., § 120 Rn. 23[]
  4. vgl. nur BGH, Urteil vom 08.02.2011 – II ZR 263/​09, BGHZ 188, 233 Rn. 21 mwN[]
  5. st. Rspr. seit BGH, Urteil vom 14.11.2007 – VIII ZR 340/​06, NJW 2008, 218 Rn. 12[]