Aus­schluss eines Kom­man­di­tis­ten

Ist im Gesell­schafts­ver­trag einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft bestimmt, dass ein Gesell­schaf­ter aus­schei­det, wenn die übri­gen Gesell­schaf­ter – aus wich­ti­gem Grund – sein Aus­schei­den durch Erklä­rung ihm gegen­über ver­lan­gen, so ist die­se Klau­sel regel­mä­ßig dahin aus­zu­le­gen, dass die Gesell­schaf­ter über die Aus­schlie­ßung eines Mit­ge­sell­schaf­ters einen Beschluss zu fas­sen und dar­auf gegrün­det eine Aus­schlie­ßungs­er­klä­rung ihm gegen­über abzu­ge­ben haben.

Aus­schluss eines Kom­man­di­tis­ten

Im Gesell­schafts­ver­trag einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft kann ver­ein­bart wer­den, dass anstel­le der in § 140 Abs. 1, § 161 Abs. 2 HGB vor­ge­se­he­nen Aus­schlie­ßung aus wich­ti­gem Grund durch gericht­li­che Ent­schei­dung eine Aus­schlie­ßung durch Beschluss der Gesell­schaf­ter erfol­gen kann. Die­ser Beschluss wird mit Zugang der dar­auf gegrün­de­ten Aus­schlie­ßungs­er­klä­rung dem aus­zu­schlie­ßen­den Gesell­schaf­ter gegen­über wirk­sam1. Hält der betrof­fe­ne Gesell­schaf­ter den Beschluss für nich­tig, kann er das mit einer gegen sei­ne Mit­ge­sell­schaf­ter zu rich­ten­den Fest­stel­lungs­kla­ge gel­tend machen. Für die­se Kla­ge kann im Gesell­schafts­ver­trag eine Frist bestimmt wer­den2. Hier ist in § 8 Abs. 5 des Gesell­schafts­ver­trags gere­gelt, dass Gesell­schaf­ter­be­schlüs­se bin­nen zwei Mona­ten ab Kennt­nis von dem jewei­li­gen Beschluss durch Kla­ge anzu­fech­ten sind. Gegen die Län­ge der Frist ist nichts zu erin­nern.

Dies gilt nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs auch, wenn der Gesell­schafts­ver­trag für das Aus­schei­den eines Gesell­schaf­ters einen (schrift­li­chen) Aus­schei­dungs­ver­lan­gens ver­langt.

Ein sol­ches „Aus­schei­dungs­ver­lan­gen” der übri­gen Gesell­schaf­ter setzt nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs not­wen­di­ger­wei­se eine Mei­nungs­bil­dung vor­aus. Zu einem der­ar­ti­gen Ver­lan­gen kann es nur kom­men, wenn die Gesell­schaf­ter zuvor Einig­keit dar­über erzielt haben, dass der Mit­ge­sell­schaf­ter aus­ge­schlos­sen wer­den soll. Das aber ist ein Beschluss der Gesell­schaf­ter und hat nicht nur einen unver­bind­li­chen vor­be­rei­ten­den Cha­rak­ter. Das „Aus­schei­dungs­ver­lan­gen” ist dem­ge­gen­über ledig­lich die Umset­zung die­ses Beschlus­ses, näm­lich die Mit­tei­lung des Beschlus­s­in­halts an den aus­zu­schlie­ßen­den Gesell­schaf­ter. Die­se Aus­le­gung steht im Ein­klang mit dem Wort­laut des Gesell­schafts­ver­trags und ent­spricht der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass das Kla­ge­er­for­der­nis des § 140 HGB durch eine im Gesell­schafts­ver­trag vor­ge­se­he­ne Aus­schlie­ßung durch Gesell­schaf­ter­be­schluss ersetzt wer­den kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Juni 2011 – II ZR 262/​09

  1. BGH, Urteil vom 17.12. 1959 – II ZR 32/​59, BGHZ 31, 295, 301; Urteil vom 05.06.1989 – II ZR 227/​88, BGHZ 107, 351, 356; Urteil vom 09.05.2005 – II ZR 29/​03, ZIP 2005, 1318, 1322; Baumbach/​Hopt, HGB, 34. Aufl., § 140 Rn. 30; Lorz in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 2. Aufl., § 140 Rn. 45
  2. BGH, Urteil vom 15.06.1987 – II ZR 261/​86, ZIP 1987, 1178, 1179 f.; Urteil vom 13.02.1995 – II ZR 15/​94, ZIP 1995, 460; Urteil vom 01.03.2011 – II ZR 83/​09, ZIP 2011, 806 Rn. 19, 21