Bei­tritt zu einer Publi­kums­kom­man­dit­ge­sell­schaft

Wird die Bei­tritts­er­klä­rung eines Kom­man­di­tis­ten zu einer Publi­kums­kom­man­dit­ge­sell­schaft von der per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­te­rin zwar im Namen der Gesell­schaft ange­nom­men, ist die per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­te­rin in dem im Pro­spekt abge­druck­ten Gesell­schafts­ver­trag aber nur bevoll­mäch­tigt wor­den, Auf­nah­me­ver­trä­ge im Namen der Mit­ge­sell­schaf­ter abzu­schlie­ßen, spricht das für eine Aus­le­gung der Annah­me­er­klä­rung dahin, dass sie im Namen der Mit­ge­sell­schaf­ter abge­ge­ben wird.

Bei­tritt zu einer Publi­kums­kom­man­dit­ge­sell­schaft

Der Ein­tritt in eine Per­so­nen­ge­sell­schaft bedarf grund­sätz­lich eines Ver­trags­schlus­ses mit allen bis­he­ri­gen Gesell­schaf­tern. Der Gesell­schafts­ver­trag kann jedoch die Auf­nah­me neu­er Gesell­schaf­ter erleich­tern. Bei Publi­kums­ge­sell­schaf­ten wird regel­mä­ßig die per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­te­rin bevoll­mäch­tigt, nach ihrer Wahl mit wei­te­ren Kom­man­di­tis­ten deren Bei­tritt zur Gesell­schaft zu ver­ein­ba­ren. Das erfor­der­li­che Ein­ver­ständ­nis der übri­gen Gesell­schaf­ter mit dem Ein­tritt neu­er Gesell­schaf­ter kann in einem sol­chen Fall im Vor­aus in dem Gesell­schafts­ver­trag erteilt wer­den. Der Abschluss des Auf­nah­me­ver­trags mit den übri­gen Gesell­schaf­tern kommt dann im Regel­fall dadurch zustan­de, dass sich die per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­te­rin im Rah­men der gesell­schafts­ver­trag­li­chen Bestim­mun­gen mit dem neu ein­tre­ten­den Gesell­schaf­ter auch im Namen der übri­gen Gesell­schaf­ter über die Auf­nah­me einigt 1.

So war es auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall. Die Annah­me der Bei­tritts­er­klä­run­gen der Klä­ger durch die Kom­ple­men­tä­rin erfolg­te im Zeich­nungs­schein zwar durch Leis­tung der Unter­schrift räum­lich über der Fir­ma der Fonds­ge­sell­schaft nebst dem Zusatz "ver­tre­ten durch die E. GmbH". Dar­aus ergibt sich jedoch nicht, dass der unter­zeich­nen­de Ver­tre­ter die Bei­tritts­er­klä­rung im Namen der Kom­man­dit­ge­sell­schaft ange­nom­men hat. Das Beru­fungs­ge­richt haf­tet mit sei­ner gegen­tei­li­gen Auf­fas­sung an dem buch­stäb­li­chen Sinn der Erklä­rung und ver­letzt damit die §§ 133, 164 Abs. 1 Satz 2 BGB. Die zuletzt genann­te Norm ist nicht nur bei der Beur­tei­lung der Fra­ge her­an­zu­zie­hen, ob im Namen eines ande­ren gehan­delt wur­de, son­dern auch bei der Beant­wor­tung der Fra­ge, für wen gehan­delt wor­den ist.

Schließt der Kom­ple­men­tär den Auf­nah­me­ver­trag „namens der Publi­kums­kom­man­dit­ge­sell­schaft“ ab, kann das nach dem objek­ti­ven Erklä­rungs­wert als ein Han­deln sowohl im Namen der Kom­man­dit­ge­sell­schaft als auch im Namen der Alt­ge­sell­schaf­ter ver­stan­den wer­den 2. Bei der Beur­tei­lung der Fra­ge, in wel­chem Namen der Ver­tre­ter einen Ver­trag abschließt, kommt es – wie stets im Rechts­ver­kehr bei der Aus­le­gung von Wil­lens­er­klä­run­gen – auf den objek­ti­ven Inhalt der Erklä­rung des Ver­tre­ters an, also dar­auf, wie sich die Erklä­rung nach Treu und Glau­ben mit Rück­sicht auf die Ver­kehrs­sit­te für einen objek­ti­ven Betrach­ter in der Lage des Erklä­rungs­geg­ners dar­stellt (§§ 133, 157 BGB). Hier­bei sind die gesam­ten Umstän­de des Ein­zel­fal­les zu berück­sich­ti­gen, ins­be­son­de­re auch die dem Rechts­ver­hält­nis zugrun­de lie­gen­den Lebens­ver­hält­nis­se, die Inter­es­sen­la­ge, der Geschäfts­be­reich, dem der Erklä­rungs­ge­gen­stand zuge­hört, und die typi­schen Ver­hal­tens­wei­sen. Der Inhalt des vor­lie­gen­den Bei­tritts­ver­tra­ges 3, vor allem die aus­drück­li­che Bezug­nah­me auf den Gesell­schafts­ver­trag und der zum Aus­druck kom­men­de über­ein­stim­men­de Wil­le der Ver­trag­schlie­ßen­den, auf die­ser Grund­la­ge die Kom­man­di­tis­ten­stel­lung begrün­den zu wol­len, las­sen erken­nen, dass der jewei­li­ge Bei­tritts­an­trag der Klä­ger nach sei­nem objek­ti­ven Erklä­rungs­in­halt gegen­über den Gesell­schaf­tern der Fonds­ge­sell­schaft als den rich­ti­gen Adres­sa­ten abge­ge­ben wer­den soll­te und der Ver­tre­ter den Antrag im Namen der Gesell­schaf­ter für die­se ange­nom­men hat 4. Hier­für spricht vor allem, dass nur die­se Vor­ge­hens­wei­se durch die der per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­te­rin im Gesell­schafts­ver­trag erteil­te Voll­macht gedeckt ist. Der in dem Pro­spekt abge­druck­te Gesell­schafts­ver­trag bestimmt in dem vom Beru­fungs­ge­richt nur unvoll­stän­dig wie­der­ge­ge­be­nen § 5 Abs. 3 Satz 2: "Die per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­te­rin ist zur Annah­me der Bei­tritts­er­klä­run­gen namens aller Gesell­schaf­ter unter Befrei­ung von den Beschrän­kun­gen des § 181 BGB bevoll­mäch­tigt." Zu einer Annah­me der Bei­tritts­er­klä­run­gen im Namen der Fonds­ge­sell­schaft war die Kom­ple­men­tä­rin gera­de nicht befugt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 1. März 2011 – II ZR 16/​10

  1. BGH, Urteil vom 17.11.1975 – II ZR 120/​74, WM 1976, 15, 16; Urteil vom 14.11.1977 – II ZR 95/​76, WM 1978, 136, 137[]
  2. Hen­ze in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 02. Aufl., § 177 a Anh. B Rn. 11 f.[]
  3. Zeich­nungs­scheins[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 17.11.1975 – II ZR 120/​74, WM 1976, 15, 16[]