Bericht des Auf­sichts­rats

Der Bericht des Auf­sichts­rats im Sin­ne des § 171 Abs. 2 AktG, wel­cher von der Ein­be­ru­fung der Haupt­ver­samm­lung an in dem Geschäfts­raum der Gesell­schaft zur Ein­sicht der Aktio­nä­re aus­zu­le­gen ist (§ 175 Abs. 2 AktG), muss vom Auf­sichts­rat durch förm­li­chen Beschluss fest­ge­stellt und des­sen Urschrift zumin­dest durch den Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den unter­schrie­ben wer­den.

Bericht des Auf­sichts­rats

Förm­li­che Fest­stel­lung des Berichts Auf­sichts­rats

Der Bericht des Auf­sichts­rats im Sin­ne des § 171 Abs. 2 AktG, wel­cher von der Ein­be­ru­fung der Haupt­ver­samm­lung an in dem Geschäfts­raum der Gesell­schaft zur Ein­sicht der Aktio­nä­re aus­zu­le­gen ist (§ 175 Abs. 2 AktG), muss vom Auf­sichts­rat durch Beschluss fest­ge­stellt wer­den (§ 108 Abs. 1 AktG) [1]. Erst durch die Fest­stel­lung des Berichts durch einen förm­li­chen Beschluss über­nimmt der Auf­sichts­rat die Ver­ant­wor­tung für sei­nen Inhalt und gibt ihm sei­ne Funk­ti­on als wesent­li­che Infor­ma­ti­ons­grund­la­ge für die Aktio­nä­re im Hin­blick auf die Vor­be­rei­tung und Aus­übung ihrer Rech­te in der Haupt­ver­samm­lung.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs und der all­ge­mei­nen Mei­nung in der Lite­ra­tur kön­nen Beschlüs­se des Auf­sichts­rats nicht still­schwei­gend gefasst wer­den. Es muss aus Grün­den der Rechts­si­cher­heit gewähr­leis­tet sein, dass das Zustan­de­kom­men eines Beschlus­ses fest­ge­stellt wer­den kann. Dies ist bei still­schwei­gend gefass­ten Beschlüs­sen nicht mög­lich, weil bei die­sen nicht die für eine Abstim­mung uner­läss­li­chen Fest­stel­lun­gen dar­über getrof­fen wer­den kön­nen, inwie­weit Beschluss­fä­hig­keit, Zustim­mung, Ableh­nung und Stimm­ent­hal­tun­gen gege­ben sind [2]. Bringt der Auf­sichts­rat ledig­lich still­schwei­gend oder kon­klu­dent sei­ne Zustim­mung zum Aus­druck oder tut sei­ne Mei­nung kund, ent­fal­ten der­lei Äuße­run­gen kei­ner­lei Rechts­wir­kun­gen [3]. In Betracht kommt allen­falls eine nach­träg­li­che Geneh­mi­gung durch einen wei­te­ren Beschluss des Auf­sichts­rats, dem im Wege der Aus­le­gung ein ent­spre­chen­der Inhalt zuge­bil­ligt wer­den kann [4].

Unter­schrift des Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den

Ein wei­te­rer Geset­zes­ver­stoß liegt dar­in, dass die Urschrift des aus­ge­leg­ten Berichts nicht eigen­hän­dig vom amtie­ren­den Vor­sit­zen­den des Auf­sichts­rats unter­schrie­ben wur­de.

Das Gesetz ver­langt in § 171 Abs. 2 Satz 1 AktG, dass der Auf­sichts­rat über das Ergeb­nis der Prü­fung schrift­lich an die Haupt­ver­samm­lung zu berich­ten hat. § 126 Abs. 1 BGB, der für alle Fäl­le gilt, in denen das BGB oder eine sons­ti­ge Vor­schrift des Pri­vat­rechts die Schrift­form vor­schreibt (vgl. Palandt/​Ellenberger, BGB 69. Aufl. § 126 Rdn. 1; MünchKommBGB/​Einsele 5. Aufl. § 126 Rdn. 3; zum „schrift­li­chen Bericht“ i.S. des § 293 a Abs. 1 AktG vgl. Hüffer, AktG 9. Aufl. § 293 a Rdn. 10)), ver­langt zur Ein­hal­tung einer durch Gesetz vor­ge­schrie­be­nen schrift­li­chen Form eine eigen­hän­di­ge Namens­un­ter­schrift. Dem ent­spre­chend wird in der akti­en­recht­li­chen Lite­ra­tur für den Bericht im Sin­ne des § 171 Abs. 2 AktG zu Recht eine Unter­schrift des Vor­sit­zen­den des Auf­sichts­rats als Reprä­sen­tan­ten des Auf­sichts­rats [5] als not­wen­dig, aber auch als aus­rei­chend ange­se­hen [6].

Eine Unter­zeich­nung ist auch nicht des­halb ent­behr­lich, weil die „Schrift­lich­keit“ des Berichts in § 171 Abs. 2 Satz 2 AktG nur im Gegen­satz zur „Münd­lich­keit“ der Erläu­te­rung des Berichts in der Haupt­ver­samm­lung gemäß § 176 Abs. 1 Satz 2 AktG ste­he. Bereits aus sys­te­ma­ti­schen Grün­den muss die von § 171 Abs. 2 AktG ver­lang­te Schrift­lich­keit des Berichts über eine blo­ße – in Abgren­zung zur Münd­lich­keit zu sehen­de – schrift­li­che Ver­kör­pe­rung hin­aus­ge­hen. Denn dass der Bericht schrift­lich ver­kör­pert sein muss, ergibt sich bereits aus dem Umstand, dass der Bericht dem Vor­stand zuge­lei­tet (§ 171 Abs. 3 AktG) und in den Geschäfts­räu­men der Gesell­schaft aus­ge­legt bzw. auf Ver­lan­gen den Aktio­nä­ren in Form von Abschrif­ten zuge­lei­tet wer­den muss (§ 175 Abs. 2 AktG). Ver­langt das Gesetz aus­drück­lich dar­über hin­aus die „Schrift­lich­keit“ des Berichts, dann kann damit nur ein wei­ter­ge­hen­des, eben im Sin­ne des § 126 Abs. 1 BGB zu ver­ste­hen­des Erfor­der­nis der Gewährs­über­nah­me mit­tels Unter­schrift gemeint sein. Geht es um einen Bericht, der im Gegen­satz zum münd­li­chen Bericht dau­er­haft schrift­lich ver­kör­pert, nicht aber eigen­hän­dig unter­schrie­ben sein muss, dann spricht das AktG – wie § 90 Abs. 5 AktG zeigt – von einem Bericht in „Text­form“ (§ 126 b BGB).

Auch teleo­lo­gi­sche Grün­de erfor­dern, dass der Bericht nach § 171 Abs. 2 AktG im Sin­ne des § 126 BGB unter­zeich­net wird. Die Unter­schrift hat im Rah­men der Klar­stel­lungs- und Beweis­funk­ti­on den Zweck, die Iden­ti­tät des Aus­stel­lers erkenn­bar zu machen, die Echt­heit der Urkun­de zu gewähr­leis­ten und dem Emp­fän­ger die Prü­fung zu ermög­li­chen, wer die Erklä­rung abge­ge­ben hat [7]. Die­se Gesichts­punk­te sind sämt­lich auch für die Fra­ge von Belang, ob sich der amtie­ren­de Auf­sichts­rat als zustän­di­ges Organ zu dem unter sei­nem Namen den Aktio­nä­ren bekannt­zu­ma­chen­den Bericht bekennt und damit die Gewähr für des­sen Inhalt über­nimmt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Juni 2010 – II ZR 24/​09

  1. vgl. Hüffer, AktG 9. Aufl. § 171 Rdn. 12; Brön­ner in Großkomm.z.AktG 4. Aufl. § 171 Rdn. 22; Schulz in Bürgers/​Körber, AktG § 171 Rdn. 8; Euler/​Müller in Spindler/​Stilz, AktG § 171 Rdn. 71; MünchKommAktG/​Kropff 2. Aufl. § 171 Rdn. 170; Lut­ter, AG 2008, 1, 10; Vet­ter, ZIP 2006, 257, 263[]
  2. BGH, Urteil vom 19.12.1988 – II ZR 74/​88, NJW 1989, 1928, 1929 m.w.Nachw.; Hüffer, AktG 9. Aufl. § 108 Rdn. 4; MünchKommAktG/​Habersack 3. Aufl. § 108 Rdn. 12, jeweils m.w.Nachw.[]
  3. Hüffer aaO Rdn. 4; Haber­sack aaO Rdn. 12[]
  4. Haber­sack aaO Rdn. 13 m.w.Nachw.[]
  5. Hüffer, AktG 9. Aufl. § 107 Rdn. 5[]
  6. Hüffer, AktG 9. Aufl. § 171 Rdn. 12; Brön­ner in Großkomm.z.AktG 4. Aufl. § 171 Rdn. 23; Schulz in Bürgers/​Körber, AktG § 171 Rdn. 8; Euler/​Müller in Spindler/​Stilz, AktG § 171 Rdn. 71; MünchKommAktG/​Kropff 2. Aufl. § 171 Rdn. 169; Lut­ter, AG 2008, 1, 10; Vet­ter, ZIP 2006, 257, 263[]
  7. Palandt/​Ellenberger, BGB 69. Aufl. § 126 Rdn. 6[]