Beschluss­män­gel­strei­tig­kei­ten – und die Schieds­ver­ein­ba­rung im Gesell­schafts­ver­trag einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft

Die Min­dest­an­for­de­run­gen an die Wirk­sam­keit von Schieds­ver­ein­ba­run­gen in Gesell­schafts­ver­trä­gen, die auch Beschluss­män­gel­strei­tig­kei­ten erfas­sen sol­len, gel­ten jeden­falls im Grund­satz auch für Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten wie Kom­man­dit­ge­sell­schaf­ten 1.

Beschluss­män­gel­strei­tig­kei­ten – und die Schieds­ver­ein­ba­rung im Gesell­schafts­ver­trag einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft

Nach der zu einer Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung ergan­ge­nen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs bestehen für die Wirk­sam­keit von Schieds­ver­ein­ba­run­gen in Gesell­schafts­ver­trä­gen gewis­se inhalt­li­che Min­dest­an­for­de­run­gen, wenn sie auch Beschluss­män­gel­strei­tig­kei­ten erfas­sen sol­len 2.

Zu die­sen Min­dest­an­for­de­run­gen gehört ins­be­son­de­re, dass neben den Gesell­schafts­or­ga­nen jeder Gesell­schaf­ter über die Ein­lei­tung und den Ver­lauf des Schieds­ver­fah­rens infor­miert und dadurch in die Lage ver­setzt wer­den muss, dem Ver­fah­ren zumin­dest als Neben­in­ter­ve­ni­ent bei­zu­tre­ten. Sämt­li­che Gesell­schaf­ter müs­sen an der Aus­wahl und Bestel­lung der Schieds­rich­ter mit­wir­ken kön­nen, sofern nicht die Aus­wahl durch eine neu­tra­le Stel­le erfolgt; dabei kann bei Betei­li­gung meh­re­rer Gesell­schaf­ter auf einer Sei­te des Streit­ver­hält­nis­ses das Mehr­heits­prin­zip Anwen­dung fin­den. Wei­ter muss gewähr­leis­tet sein, dass alle den­sel­ben Streit­ge­gen­stand betref­fen­den Beschluss­män­gel­strei­tig­kei­ten bei einem Schieds­ge­richt kon­zen­triert wer­den 3.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die­se Anfor­de­run­gen zwar im Zusam­men­hang mit der Sat­zung einer Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung for­mu­liert. Sie wur­den jedoch aus den grund­le­gen­den Maß­stä­ben des § 138 BGB und des Rechts­staats­prin­zips ent­wi­ckelt 4. Sie gel­ten des­halb jeden­falls im Grund­satz auch für Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten wie Kom­man­dit­ge­sell­schaf­ten, sofern bei die­sen gegen­über Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten kei­ne Abwei­chun­gen gebo­ten sind. In jedem Fall müs­sen die Kom­man­di­tis­ten einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft eben­so wie die Gesell­schaf­ter einer Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung vor Benach­tei­li­gung und Ent­zie­hung des not­wen­di­gen Rechts­schut­zes bewahrt wer­den 5, so dass auf ent­spre­chen­de Rege­lun­gen in Schieds­ab­re­den für eine Kom­man­dit­ge­sell­schaft grund­sätz­lich nicht ver­zich­tet wer­den kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. April 2017 – I ZB 23/​16

  1. Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 06.04.2009 – II ZR 255/​08, BGHZ 180, 221 Schieds­fä­hig­keit II
  2. BGH, Urteil vom 06.04.2009 – II ZR 255/​08, BGHZ 180, 221 Schieds­fä­hig­keit II
  3. BGHZ 180, 221 Rn.20 Schieds­fä­hig­keit II
  4. BGHZ 180, 221 Rn. 17 Schieds­fä­hig­keit II
  5. vgl. BGHZ 180, 221 Rn. 18 Schieds­fä­hig­keit II