Dar­lehn von der Schwes­ter­ge­sell­schaft

Ist ein Gesell­schaf­ter an der Dar­le­hen neh­men­den und an der Dar­le­hen geben­den Gesell­schaft betei­ligt, fin­den auf eine Finan­zie­rungs­hil­fe des Dar­le­hen geben­den Unter­neh­mens die Eigen­ka­pi­ta­ler­satz­vor­schrif­ten Anwen­dung, wenn der Gesell­schaf­ter auf die Gewäh­rung der Kre­dit­hil­fe an das ande­re Unter­neh­men oder auf deren Abzug einen bestim­men­den Ein­fluss aus­üben kann. Hier­von ist grund­sätz­lich dann aus­zu­ge­hen, wenn der Gesell­schaf­ter der hil­fe­neh­men­den GmbH zwar „nur“ zu 50% an der hil­fe­leis­ten­den GmbH betei­ligt, aber zugleich deren allein­ver­tre­tungs­be­rech­tig­ter Geschäfts­füh­rer ist.

Dar­lehn von der Schwes­ter­ge­sell­schaft

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof in einem Fall, in dem das Eigen­ka­pi­ta­ler­satz­recht in Gestalt der Recht­spre­chungs­re­geln (§§ 30, 31 GmbHG aF ana­log) noch anwend­bar ist, weil das Insol­venz­ver­fah­ren vor dem Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung des GmbH-Rechts und zur Bekämp­fung von Miss­bräu­chen (MoMiG) am 1. Novem­ber 2008 eröff­net wor­den ist 1.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gel­ten die Eigen­ka­pi­ta­ler­satz­re­geln aus­nahms­wei­se auch für Finan­zie­rungs­hil­fen Drit­ter, wenn der Drit­te bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tung einem Gesell­schaf­ter gleich­steht. Dies kann ins­be­son­de­re zutref­fen, wenn der Drit­te mit einem Gesell­schaf­ter hori­zon­tal oder ver­ti­kal ver­bun­den ist.

Die Ver­bin­dung kann in der Wei­se bestehen, dass der Drit­te an einem Gesell­schaf­ter der GmbH betei­ligt ist (Gesell­schaf­ter-Gesell­schaf­ter), und führt jeden­falls dann zur Anwen­dung der Eigen­ka­pi­ta­ler­satz­vor­schrif­ten, wenn der Drit­te auf­grund einer qua­li­fi­zier­ten Mehr­heit der Antei­le oder Stimm­rech­te einen bestim­men­den Ein­fluss auf den Gesell­schaf­ter aus­üben kann 2.

Die Ver­bin­dung kann aber auch so aus­ge­stal­tet sein, dass eine Betei­li­gung in die­sem Sinn dadurch begrün­det wird, dass ein Gesell­schaf­ter an bei­den Gesell­schaf­ten, der Dar­le­hen neh­men­den und der Dar­le­hen geben­den Gesell­schaft, und zwar an der letzt­ge­nann­ten „maß­geb­lich“ betei­ligt ist 3. Eine maß­geb­li­che Betei­li­gung in die­sem Sinn ist gege­ben, wenn der Gesell­schaf­ter auf die Ent­schei­dun­gen der Kre­dit geben­den Gesell­schaft, näm­lich auf die Gewäh­rung oder auf den Abzug der Kre­dit­hil­fe, einen bestim­men­den Ein­fluss aus­üben, ins­be­son­de­re dem Geschäfts­füh­rungs­or­gan der Hil­fe gewäh­ren­den Gesell­schaft durch Gesell­schaf­ter­be­schlüs­se gem. § 46 Nr. 6 GmbHG ent­spre­chen­de Wei­sun­gen ertei­len kann 4. Dazu genügt bei einer GmbH – vor­be­halt­lich einer abwei­chen­den Rege­lung der Stimm­macht in der Sat­zung – eine Betei­li­gung von mehr als 50% 5.

Eine maß­geb­li­che Betei­li­gung im Sin­ne der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist aber auch dann anzu­neh­men, wenn – wie hier – der Gesell­schaf­ter einer hil­fe­neh­men­den GmbH zwar „nur“ zu 50% an der hil­fe­leis­ten­den GmbH betei­ligt, aber zugleich deren allein­ver­tre­tungs­be­rech­tig­ter Geschäfts­füh­rer ist.

Der Grund für die Ein­be­zie­hung eines Drit­ten liegt im Schutz vor Umge­hun­gen. Der Gesell­schaf­ter soll sich nicht dadurch sei­ner Finan­zie­rungs­fol­gen­ver­ant­wor­tung ent­zie­hen kön­nen, dass er eine ande­re Gesell­schaft dazu ver­an­lasst, statt sei­ner die GmbH zu finan­zie­ren. Die­ser Gedan­ke ist bei der Beant­wor­tung der Fra­ge zu berück­sich­ti­gen, wann der Ein­fluss des Gesell­schaf­ters auf die Kre­dit gewäh­ren­de Gesell­schaft so groß ist, dass es gerecht­fer­tigt erscheint, die­se einem Gesell­schaf­ter der kre­dit­neh­men­den Gesell­schaft gleich­zu­stel­len. Da der Allein­ge­sell­schaf­ter der Schuld­ne­rin Inha­ber eines Geschäfts­an­teils von 50% an der Beklag­ten ist, kön­nen ohne sei­ne Zustim­mung kei­ne Gesell­schaf­ter­be­schlüs­se gefasst wer­den. Dass auch er kei­ne Stim­men­mehr­heit hat, ist ohne Bedeu­tung. Als allei­ni­ger Geschäfts­füh­rer der Beklag­ten kann er deren Geschäf­te nach sei­nen Vor­stel­lun­gen füh­ren, ins­be­son­de­re über den Abzug der Hil­fe­leis­tung ent­schei­den und gegen­tei­li­ge Wei­sun­gen der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung durch sei­ne Sperr­mi­no­ri­tät ver­hin­dern. Sein bestim­men­der Ein­fluss auf den Abzug der Kre­dit­hil­fe ist in glei­cher Wei­se gege­ben, wie wenn er auf­grund sei­ner Stimm­macht den Geschäfts­füh­rer ent­spre­chend anwei­sen könn­te 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Ver­säum­nis­ur­teil vom 28. Febru­ar 2012 – II ZR 115/​11

  1. BGH, Urteil vom 26.01.2009 – II ZR 260/​07, BGHZ 179, 249 Rn. 15 ff. – Gut Buschow[]
  2. BGH, Urteil vom 05.05.2008 – II ZR 108/​07, ZIP 2008, 1230 Rn. 9 m.w.N.[]
  3. BGH, Urteil vom 05.05.2008 – II ZR 108/​07, ZIP 2008, 1230 Rn. 10; Urteil vom 11.10.2011 – II ZR 18/​10, ZIP 2011, 2253 Rn. 11[]
  4. BGH, Urteil vom 05.05.2008 – II ZR 108/​07, ZIP 2008, 1230 Rn. 9 f.[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 21.06.1999 – II ZR 70/​98, ZIP 1999, 1314, 1315; Urteil vom 27.11.2000 – II ZR 179/​99, ZIP 2001, 115; Urteil vom 28.02.2005 – II ZR 103/​02, ZIP 2005, 660, 661; Urteil vom 05.05.2008 – II ZR 108/​07, ZIP 2008, 1230 Rn. 10[]
  6. vgl. bereits zum exis­tenz­ver­nich­ten­den Ein­griff BGH, Urteil vom 13.12.2004 – II ZR 206/​02, ZIP 2005, 117, 118[]