Dar­lehns­til­gung durch Bar­ein­la­ge in die GmbH

Wenn mit der Bar­ein­la­ge ein Dar­le­hen abge­löst wird, für des­sen Rück­zah­lung sich der Infe­rent ver­bürgt hat, leis­tet er nicht ver­deckt eine Sach­ein­la­ge.

Dar­lehns­til­gung durch Bar­ein­la­ge in die GmbH

In der Til­gung eines vom Ehe­gat­ten des Infe­ren­ten gewähr­ten Dar­le­hens mit der Bar­ein­la­ge liegt eine ver­deck­te Sach­ein­la­ge, wenn das Dar­le­hen wirt­schaft­lich vom Infe­ren­ten gewährt wur­de oder die Ein­la­ge mit Mit­teln bewirkt wird, die dem Infe­ren­ten vom Ehe­gat­ten zur Ver­fü­gung gestellt wor­den sind. Das Nähe­ver­hält­nis des Infe­ren­ten zum Dar­le­hens­ge­ber genügt nicht.

Kei­ne Direkt­zah­lung zur Dar­lehns­til­gung
Die Leis­tung der Ein­la­ge an die Gesell­schaft und die abspra­che­ge­mä­ße Wei­ter­lei­tung an Gläu­bi­ger der Gesell­schaft steht einer Direkt­zah­lung des Ein­la­ge­be­trags an Gesell­schafts­gläu­bi­ger nicht gleich.

Bei der unmit­tel­ba­ren Leis­tung der Ein­la­ge an Drit­te liegt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kei­ne Leis­tung der Min­dest­ein­la­ge zur frei­en Ver­fü­gung der Geschäfts­füh­rung (§ 8 Abs. 2 Satz 1 GmbHG) vor 1. Die Ein­la­ge­schuld wird selbst bei Ein­ver­ständ­nis des Geschäfts­füh­rers mit dem abge­kürz­ten Leis­tungs­weg jeden­falls dann nicht getilgt, wenn die For­de­rung des Drit­ten gegen die Gesell­schaft, mit der die Zah­lung des Infe­ren­ten ver­rech­net wird, nicht voll­wer­tig ist 2. Dage­gen geschieht die Befrie­di­gung des Gesell­schafts­gläu­bi­gers bei der Wei­ter­lei­tung der an die Gesell­schaft geleis­te­ten Ein­la­ge­zah­lung in Aus­übung der frei­en Ver­fü­gungs­macht der Geschäfts­füh­rung 3. Ver­wen­dungs­ab­spra­chen sind in die­sem Fall unschäd­lich, soweit die Ein­la­ge nicht unmit­tel­bar oder mit­tel­bar an den Gesell­schaf­ter zurück­fließt 4.

Danach steht die abspra­che­ge­mä­ße Wei­ter­über­wei­sung der ein­ge­zahl­ten Beträ­ge der wirk­sa­men Leis­tung der Ein­la­ge nicht ent­ge­gen. Nach den Fest­stel­lun­gen haben die beklag­ten Gesell­schaf­ter die geschul­de­te Ein­la­ge auf ein Geschäfts­kon­to der Schuld­ne­rin ein­ge­zahlt. Die Dar­le­hen ihrer Ehe­frau­en und die Bank­dar­le­hen wur­den durch Über­wei­sung von die­sem Kon­to getilgt. Selbst wenn – wozu das Beru­fungs­ge­richt kei­ne Fest­stel­lun­gen getrof­fen hat – das Geschäfts­kon­to der Schuld­ne­rin im Soll gestan­den hät­te, wur­de die Ein­la­ge mit der Über­wei­sung auf die­ses Kon­to wirk­sam geleis­tet. Bei der Leis­tung der Ein­la­ge auf ein debi­to­ri­sches Bank­kon­to liegt eine Leis­tung zur frei­en Ver­fü­gung der Geschäfts­füh­rung vor, wenn die Bank eine neue Ver­fü­gung über den gut­ge­schrie­be­nen Betrag zulässt 5. Wie die Über­wei­sun­gen an die Ehe­frau­en der Beklag­ten, an die Spar­kas­se N. und die H. bank zei­gen, konn­te die Geschäfts­füh­rung der Schuld­ne­rin über die gut­ge­schrie­be­nen Beträ­ge ver­fü­gen.

Kei­ne ver­deck­te Sach­ein­la­ge

Die Erfül­lung der Ein­la­ge­schuld schei­tert auch nicht dar­an, dass die Beklag­ten statt der Bar­ein­la­ge infol­ge der Ablö­sung der Bank­dar­le­hen ver­deckt eine Sach­ein­la­ge ein­brach­ten. Die Beklag­ten haben nicht ver­deckt ihre Bür­gen­re­gress­for­de­rung als Sach­ein­la­ge ein­ge­bracht. Wenn mit der Bar­ein­la­ge ein Dar­le­hen abge­löst wird, für des­sen Rück­zah­lung sich der Infe­rent ver­bürgt hat, leis­tet er nicht ver­deckt eine Sach­ein­la­ge 6. Der künf­ti­ge Regress­an­spruch des Bür­gen ist nicht sach­ein­la­ge­fä­hig. Es han­delt sich nicht um eine bereits ent­stan­de­ne „Alt­for­de­rung“, son­dern um eine For­de­rung, die erst wert­hal­tig ent­steht, wenn der Bür­ge an den Gläu­bi­ger zahlt, und die damit auf­schie­bend bedingt ist 7. Auf­schie­bend beding­te For­de­run­gen sind, jeden­falls solan­ge die Bedin­gung nicht ein­ge­tre­ten ist und der Bedin­gungs­ein­tritt auch nicht über­wie­gend wahr­schein­lich ist, kei­ne taug­li­chen Sach­ein­la­ge­ge­gen­stän­de, weil ihre Ent­ste­hung unge­wiss ist und dem Anspruch kein wirt­schaft­li­cher Wert zukommt 8. Mit der Ablö­sung der gesi­cher­ten Dar­le­hen steht viel­mehr fest, dass der Regress­an­spruch nicht mehr zur Ent­ste­hung gelan­gen kann.

Til­gung des Ehe­gat­ten-Dar­lehns

Die Til­gung der von den Ehe­frau­en der beklag­ten Gesell­schaf­ter gewähr­ten Dar­le­hen ist nicht allein wegen des Nähe­ver­hält­nis­ses eine ver­deck­te Sach­ein­la­ge. In der Til­gung eines vom Ehe­gat­ten des Infe­ren­ten gewähr­ten Dar­le­hens mit der Bar­ein­la­ge liegt eine ver­deck­te Sach­ein­la­ge durch Ein­brin­gung eines (Gesellschafter)Darlehens, wenn es wirt­schaft­lich vom Infe­ren­ten gewährt wur­de oder die Ein­la­ge mit Mit­teln bewirkt wird, die dem Infe­ren­ten vom Ehe­gat­ten zur Ver­fü­gung gestellt wor­den sind 9. Ein Nähe­ver­hält­nis des Infe­ren­ten zum Dar­le­hens­ge­ber allein genügt nicht.

Die Ein­la­ge wur­de im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall aber nicht mit Mit­teln bewirkt, die den beklag­ten Gesell­schaf­tern von ihren Ehe­frau­en zur Ver­fü­gung gestellt wur­den, son­dern mit Mit­teln aus dem Kauf­ver­trag. Dass die Dar­le­hen der Ehe­frau­en aus Mit­teln der Beklag­ten gewährt wor­den sind, hat das Beru­fungs­ge­richt nicht fest­ge­stellt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. April 2011 – II ZR 17/​10

  1. BGH, Urteil vom 18.03.2002 – II ZR 363/​00, BGHZ 150, 197, 200[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 25.11.1985 – II ZR 48/​85, ZIP 1986, 161, 162[]
  3. BGH, Urteil vom 29.01.2001 – II ZR 183/​00, ZIP 2001, 513, 515[]
  4. BGH, Urtei­le vom 02.12.2002 – II ZR 101/​02, BGHZ 153, 107, 110; vom 12.02.2007 – II ZR 272/​05, BGHZ 171, 113 Rn. 10; und vom 22.03.2010 – II ZR 12/​08, BGHZ 185, 44 Rn. 14 – ADCOCOM[]
  5. BGH, Urteil vom 08.11.2004 – II ZR 362/​02, ZIP 2005, 121, 122[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 18.03.2002 – II ZR 363/​00, ZIP 2002, 799, 801, inso­weit nicht in BGHZ 150, 197 abge­druckt; offen­ge­las­sen bei BGH, Urteil vom 24.09. 1990 – II ZR 203/​89, ZIP 1990, 1400, 1401[]
  7. Münch­Komm-BGB/Ha­ber­sack, 05. Aufl., § 774 Rn. 20[]
  8. Ulmer, GmbHG, § 5 Rn. 55; Scholz/​H.Win­ter/​Westermann, GmbHG, 10. Aufl., § 5 Rn. 47; Münch­Komm-GmbH­G/­Mär­tens, § 5 Rn. 117[]
  9. vgl. BGH, Urtei­le vom 18.02.1991 – II ZR 104/​90, BGHZ 113, 335, 345 f.; und vom 15.01.1990 – II ZR 164/​88, BGHZ 110, 47, 67; Münch­Komm-GmbH­G/­Mär­tens, § 19 Rn. 212; Pentz in Rowedder/​SchmidtLeithoff, GmbHG, 05. Aufl., § 19 Rn. 152[]