Dau­er­tes­ta­ments­voll­stre­ckung für eine Kom­man­di­tis­ten

Ist über den Nach­lass eines Kom­man­di­tis­ten Dau­er­tes­ta­ments­voll­stre­ckung ange-ord­net, so ist auf Antrag des Tes­ta­ments­voll­stre­ckers ein Tes­ta­ments­voll­stre­cker­ver­merk in das Han­dels­re­gis­ter ein­zu­tra­gen.

Dau­er­tes­ta­ments­voll­stre­ckung für eine Kom­man­di­tis­ten

Eine Tes­ta­ments­voll­stre­ckung kann sich auf einen Kom­man­dit­an­teil bezie­hen. Das ent­spricht, sofern die übri­gen Gesell­schaf­ter ein­ver­stan­den sind oder der Gesell­schafts­ver­trag es vor­sieht, der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 1.

Unzu­tref­fend ist aber, so der Bun­des­ge­richts­hof, die Annah­me etwa des Hanea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts Ham­burgs 2, eine der­ar­ti­ge Tes­ta­ments­voll­stre­ckung kön­ne nicht im Han­dels­re­gis­ter ver­merkt wer­den. Jeden­falls wenn eine Dau­er­voll­stre­ckung im Sin­ne des § 2209 BGB ange­ord­net ist, kann ein ent­spre­chen­der Tes­ta­ments­voll­stre­cker­ver­merk im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wer­den 3.

Grund­sätz­lich wer­den in das Han­dels­re­gis­ter aller­dings nur die Tat­sa­chen und Rechts­ver­hält­nis­se ein­ge­tra­gen, deren Ein­tra­gung gesetz­lich vor­ge­se­hen ist. Auf­grund der Funk­ti­on des Han­dels­re­gis­ters, Umstän­de zu ver­laut­ba­ren, die für den Rechts­ver­kehr von wesent­li­cher Bedeu­tung sind, lässt die Recht­spre­chung aber auch dar­über hin­aus­ge­hen­de Ein­tra­gun­gen zu, wenn ein erheb­li­ches Bedürf­nis des Rechts­ver­kehrs an der ent­spre­chen­den Infor­ma­ti­on besteht 4. Die dem Han­dels­re­gis­ter zukom­men­de Publi­zi­täts­funk­ti­on soll es der Öffent­lich­keit – wie den Arbeit­neh­mern, den künf­ti­gen oder gegen­wär­ti­gen Gläu­bi­gern, den Gesell­schaf­tern und den poten­ti­el­len Anteils­er­wer­bern – ermög­li­chen, sich über die Rechts­ver­hält­nis­se von Kauf­leu­ten und Gesell­schaf­ten zu unter­rich­ten 5.

Im vor­lie­gen­den Fall besteht ein schutz­wür­di­ges Bedürf­nis des Rechts­ver­kehrs, durch das Han­dels­re­gis­ter über die ange­ord­ne­te Dau­er­tes­ta­ments­voll­stre­ckung infor­miert zu wer­den.

Nach § 177 HGB wird die Kom­man­dit­ge­sell­schaft beim Tod eines Kom­man­di­tis­ten mit den Erben fort­ge­setzt. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs geht der Kom­man­dit­an­teil dabei nicht im Wege der Gesamt­rechts­nach­fol­ge auf die Erben­ge­mein­schaft über. Viel­mehr erwer­ben die zur Nach­fol­ge des Kom­man­di­tis­ten bestimm­ten Erben im Wege der Son­der­rechts­nach­fol­ge jeweils eigen­stän­di­ge Gesell­schafts­an­tei­le im Umfang ihrer Erb­quo­ten 6. Ist an dem Nach­lass eine Tes­ta­ments­voll­stre­ckung ange­ord­net, erfasst sie auch die­se im Wege der Son­der­rechts­nach­fol­ge über­ge­gan­ge­nen Gesell­schafts­an­tei­le, sofern das im Gesell­schafts­ver­trag vor­ge­se­hen ist oder die übri­gen Gesell­schaf­ter zustim­men 1. Allein der Tes­ta­ments­voll­stre­cker ist – soweit der Erb­las­ser ihm nicht nur beschränk­te Rech­te ein­ge­räumt hat – nach §§ 2205, 2211 BGB befugt, die Rech­te und Pflich­ten der Erben hin­sicht­lich des Kom­man­dit­an­teils aus­zu­üben und über den Anteil zu ver­fü­gen. Eine sich aus dem Gesell­schafts­recht erge­ben­de Ein­schrän­kung besteht ledig­lich inso­weit, als er die per­sön­li­che und nicht auf den Nach­lass beschränk­ba­re 7Haf­tung der Kom­man­di­tis­ten-Erben nach §§ 128, 171, 172 Abs. 4 HGB nicht erwei­tern darf.

Dar­aus erge­ben sich Fol­ge­run­gen für die Haf­tungs­ver­hält­nis­se. Durch die Tes­ta­ments­voll­stre­ckung wer­den die Gesell­schaf­ter­Er­ben zwar nicht davor geschützt, für die Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft in den Gren­zen der §§ 171 ff. HGB per­sön­lich in Anspruch genom­men zu wer­den. Eine Beschrän­kung der Haf­tung auf den Nach­lass wür­de den gesell­schafts­recht­li­chen Grund­sät­zen wider­spre­chen. Die Eigen­gläu­bi­ger des Gesell­schaf­ter­Er­ben kön­nen aber nach § 2214 BGB nicht auf das Nach­lass­ver­mö­gen Zugriff neh­men 8. Das der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung unter­lie­gen­de Nach­lass­ver­mö­gen und damit auch der Kom­man­dit­an­teil die­nen wäh­rend der Dau­er der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung nur den Nach­lass­gläu­bi­gern, nicht auch den Eigen­gläu­bi­gern der Gesell­schaf­ter­Er­ben als Haf­tungs­mas­se. Inso­weit ent­fal­tet die Ter­s­ta­ments­voll­stre­ckung eine unmit­tel­ba­re haf­tungs­recht­li­che Außen­wir­kung.

Ein Inter­es­se des Rechts­ver­kehrs an der Ver­laut­ba­rung der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung besteht auch inso­fern, als der Tes­ta­ments­voll­stre­cker nicht berech­tigt ist, die Haft­sum­me des Kom­man­di­tis­ten-Erben zu erhö­hen, jeden­falls ohne des­sen dadurch aus­ge­lös­te per­sön­li­che Haf­tung mit­tels einer Leis­tung aus dem Nach­lass sogleich aus­zu­schlie­ßen 9. Tut er das den­noch, über­schrei­tet er damit sei­ne Ver­tre­tungs­be­fug­nis oder miss­braucht sie 10. Das Regis­ter­ge­richt wird einen sol­chen Gesell­schaf­ter­be­schluss nicht ein­tra­gen. Den­noch kann ein ent­spre­chen­des Ver­trau­en der Gesell­schafts­gläu­bi­ger auf die Wirk­sam­keit der Haft­sum­men­er­hö­hung begrün­det wer­den, wenn ihnen die Erhö­hung von der Gesell­schaft nach § 172 Abs. 2 HGB mit­ge­teilt wird. Besteht eine Tes­ta­ments­voll­stre­ckung, ist die­se Mit­tei­lung indes für den Nach­lass ohne Fol­gen, sofern ihr nicht sowohl der Tes­ta­ments­voll­stre­cker als auch der Gesell­schaf­ter­Er­be zuge­stimmt haben.

Die Ver­tre­ter der Gegen­mei­nung, nach der die Ein­tra­gung der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung unzu­läs­sig sein soll, beru­fen sich zu Unrecht dar­auf, dass die Publi­zi­täts­funk­ti­on des Han­dels­re­gis­ters das Ver­hält­nis der Gesell­schaft zu Drit­ten betref­fe, die Tes­ta­ments­voll­stre­ckung aber allein das Ver­hält­nis des Gesell­schaf­ters zu Drit­ten 11. Das Han­dels­re­gis­ter soll nach § 106 Abs. 2 Nr. 1, §§ 107, 162 HGB auch Aus­kunft über die Per­so­nen geben, die an der Gesell­schaft betei­ligt sind. Sie haben ent­schei­den­den Ein­fluss auf die Geschi­cke der Gesell­schaft. Des­halb hat der Rechts­ver­kehr ein berech­tig­tes Inter­es­se, über die­se Per­so­nen infor­miert zu wer­den. Das gilt im Grund­satz auch für die Kom­man­di­tis­ten. Die­se sind zwar im gesetz­li­chen Regel­fall von der Geschäfts­füh­rung aus­ge­schlos­sen (§ 164 Satz 1 Halb­satz 1 HGB). Sie haben aber an etwai­gen Ände­run­gen des Gesell­schafts­ver­tra­ges mit­zu­wir­ken und ihnen steht gemäß § 164 Satz 1 Halb­satz 2 HGB ein Wider­spruchs­recht bei Hand­lun­gen zu, die über den gewöhn­li­chen Geschäfts­be­trieb hin­aus­ge­hen. Da die­se Rech­te gemäß §§ 2205, 2211 BGB, jeden­falls soweit nicht in die unent­zieh­ba­re Rechts­stel­lung des Gesell­schaf­ters ein­ge­grif­fen wird 12, allein der Tes­ta­ments­voll­stre­cker aus­üben kann, hat der Rechts­ver­kehr ein berech­tig­tes Inter­es­se, nicht nur die Namen der Kom­man­di­tis­ten zu erfah­ren, son­dern auch über die ange­ord­ne­te Tes­ta­ments­voll­stre­ckung unter­rich­tet zu wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Febru­ar 2012 – II ZB 15/​11

  1. BGH, Beschluss vom 03.07.1989 – II ZB 1/​89, BGHZ 108, 187, 191 ff.[][]
  2. OLG Ham­burg, Beschluss vom 14.06.2011 – 11 W 31/​11[]
  3. eben­so Ulmer, NJW 1990, 73, 82; D. May­er in Hand­buch der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung, 4. Aufl., Rn.05.212; ders., ZIP 1990, 976, 978; Plank, ZEV 1998, 325, 327 ff.; Schaub, ZEV 1996, 68 f.; Weid­lich, Die Tes­ta­ments­voll­stre­ckung im Recht der Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten, 1992, S. 90 f.; Wink­ler, Der Tes­ta­ments­voll­stre­cker nach bür­ger­li­chem, Han­dels- und Steu­er­recht, 20. Aufl., Rn. 373; Ader­hold in Wes­ter­mann, Hand­buch Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten, Stand: Sep­tem­ber 2008, Rn. 2448; Münch­Komm-HGB/K. Schmidt, 2. Aufl., § 177 Rn. 37; Staudinger/​Reimann, BGB (2003), Vor­bem. zu §§ 21972228 Rn. 102; Lorz in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 2. Aufl., § 139 Rn. 89; von Gerkan/​Haas in Röhricht/​Graf von West­pha­len, HGB, 3. Aufl., § 177 Rn. 18; Oet­ker, HGB, 2. Aufl., § 177 Rn. 15; Strohn in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 2. Aufl., § 177 Rn. 22; Kol­ler in Koller/​Roth/​Morck, HGB, 7. Aufl., § 177 Rn. 7; aA KG, WM 1995, 1890 ff.; Rein­ke, Rpfle­ger 1994, 1, 5 f.; Soergel/​Damrau, BGB, 13. Aufl., § 2205 Rn. 44; Krafka/​Kühn, Regis­ter­recht, 8. Aufl., Rn. 769; Münch­Komm-BGB/Zim­mer­mann, 5. Aufl., § 2205 Rn. 46; anders auch für eine Tes­ta­ments­voll­stre­ckung an einem Han­dels­ge­schäft RGZ 132, 138; offen gelas­sen von BGH, Beschluss vom 03.07.1989 – II ZB 1/​89, BGHZ 108, 187, 190[]
  4. BGH, Beschluss vom 28.02.1983 – II ZB 8/​82, BGHZ 87, 59, 62; Beschluss vom 30.01.1992 – II ZB 15/​91, ZIP 1992, 395, 397; Beschluss vom 10.11.1997 – II ZB 6/​97, ZIP 1998, 152[]
  5. BGH, Beschluss vom 24.10.1988 – II ZB 7/​88, BGHZ 105, 324, 344[]
  6. BGH, Urteil vom 22.11.1956 – II ZR 222/​55, BGHZ 22, 186, 191 ff.; Urteil vom 10.02.1977 – II ZR 120/​75, BGHZ 68, 225, 229 ff.; Urteil vom 04.05.1983 – IVa ZR 229/​81, NJW 1983, 2376; Urteil vom 14.05.1986 IV ZR 155/​84, BGHZ 98, 48, 50 ff.[]
  7. BGH, Beschluss vom 03.07.1989 – II ZB 1/​89, BGHZ 108, 187, 191 ff., 197 f.[]
  8. Lange/​Kuchinke, Erbrecht, 5. Aufl., S. 697[]
  9. Münch­Komm-BGB/Zim­mer­mann, 5. Aufl., § 2205 Rn. 44[]
  10. BGH, Beschluss vom 03.07.1989 II ZB 1/​89, BGHZ 108, 187, 197 f.[]
  11. KG, WM 1995, 1890 ff.[]
  12. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 03.07.1989 – II ZB 1/​89, BGHZ 108, 187, 198 f.[]