Der Aus­kunfts­an­spruch des aus­schei­den­den Kom­man­di­tis­ten – und die Beschwer

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs bemisst sich der gemäß §§ 2, 3 ZPO nach frei­em Ermes­sen fest­zu­set­zen­de Beschwer­de­wert für das Rechts­mit­tel der zur Aus­kunfts­er­tei­lung ver­ur­teil­ten Per­son nach ihrem Inter­es­se, die Aus­kunft nicht ertei­len zu müs­sen. Dabei ist im Wesent­li­chen dar­auf abzu­stel­len, wel­chen Auf­wand an Zeit und Kos­ten die Ertei­lung der Aus­kunft erfor­dert und ob die ver­ur­teil­te Per­son ein schüt­zens­wer­tes Inter­es­se dar­an hat, bestimm­te Tat­sa­chen vor dem Geg­ner geheim zu hal­ten 1.

Der Aus­kunfts­an­spruch des aus­schei­den­den Kom­man­di­tis­ten – und die Beschwer

Die­se zur Aus­kunfts­er­tei­lung ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze gel­ten auch für die Ver­ur­tei­lung zur Ein­sichts­ge­wäh­rung in Unter­la­gen 2.

Soweit das Beru­fungs­ge­richt den gel­tend gemach­ten Auf­wand für die Beschaf­fung von Unter­la­gen und die Zuzie­hung eines Steu­er­be­ra­ters außer Ansatz gelas­sen hat, lässt dies für den Bun­des­ge­richts­hof Ermes­sens­feh­ler nicht erken­nen. Fer­ner ist es jeden­falls nicht von Nach­teil für die Gesell­schaft, wenn das Beru­fungs­ge­richt bei der Sich­tung und Bereit­stel­lung der Unter­la­gen von einer berufs­ty­pi­schen Leis­tung aus­ge­gan­gen ist und des­we­gen die höhe­re Stun­den­ver­gü­tung nach § 22 JVEG ange­setzt hat 3.

Eine zusätz­li­che Beschwer der Gesell­schaft ergibt sich auch nicht aus einer ver­meint­li­chen Unbe­stimmt­heit der Ver­ur­tei­lung zur Ein­sichts­ge­wäh­rung in die Geschäfts­un­ter­la­gen, womit die Rechts­be­schwer­de Kos­ten für die Hin­zu­zie­hung eines Rechts­an­walts zur Abwehr unbe­rech­tig­ter Voll­stre­ckungs­ver­su­che zu begrün­den sucht.

Hat die vom Rechts­mit­tel­füh­rer ange­grif­fe­ne Aus­kunfts­ver­pflich­tung kei­nen voll­streck­ba­ren Inhalt, wird die Beschwer inso­weit zwar durch die mit der Abwehr einer unge­recht­fer­tig­ten Zwangs­voll­stre­ckung ver­bun­de­nen Kos­ten bestimmt 4. Das Land­ge­richt hat die Gesell­schaft indes umfas­send zur Ein­sichts­ge­wäh­rung ("in sämt­li­che Geschäfts­un­ter­la­gen") ver­ur­tei­len wol­len. Es kann auf sich beru­hen, ob sich den Urteils­grün­den, in denen der Ein­sichts­an­spruch "für den Zeit­raum ihrer (treu­hand­ver­mit­tel­ten) Stel­lung als Gesell­schaf­te­rin" begrün­det wird, eine zeit­li­che Ein­schrän­kung des Titels ent­neh­men lässt. Denn die Gesell­schaft hat mit ihrer Stel­lung­nah­me zur ange­kün­dig­ten Ver­wer­fung der Beru­fung kei­nen aus einer ver­meint­li­chen Unbe­stimmt­heit des Titels abzu­lei­ten­den Mehr­auf­wand gel­tend gemacht.

Ein der­ar­ti­ger Mehr­auf­wand ist auch nicht erkenn­bar. Kos­ten für die Hin­zu­zie­hung von sach­kun­di­gen Hilfs­per­so­nen kön­nen nur berück­sich­tigt wer­den, wenn sie zwangs­läu­fig ent­ste­hen, weil der zur Aus­kunft und Gewäh­rung der Ein­sicht­nah­me Ver­pflich­te­te zu einer sach­ge­rech­ten Erfül­lung des Anspruchs allein nicht in der Lage ist 5. Beson­de­re Umstän­de, die einen sol­chen Aus­nah­me­fall nahe­le­gen, sind weder vor­ge­tra­gen noch sonst ersicht­lich.

Eine unzu­mut­ba­re Erschwe­rung des Zugangs zu der an sich gege­be­nen Beru­fung liegt auch nicht dar­in, dass das Beru­fungs­ge­richt die gebo­te­ne Ent­schei­dung über die Zulas­sung der Beru­fung nicht nach­ge­holt hat und ein Grund für die Zulas­sung der Beru­fung auch tat­säch­lich vor­liegt.

Das Beru­fungs­ge­richt ist zwar gesetz­lich ver­pflich­tet, die Ent­schei­dung über die Zulas­sung der Beru­fung nach­zu­ho­len, wenn fest­steht, dass das erst­in­stanz­li­che Gericht kei­ne Ver­an­las­sung gese­hen hat, die Beru­fung nach § 511 Abs. 4 ZPO zuzu­las­sen, weil es von einer über 600 € hin­aus­ge­hen­den Beschwer aus­ge­gan­gen ist, und das Beru­fungs­ge­richt die­sen Wert für nicht erreicht hält 6. Hier steht jedoch nicht fest, dass das Land­ge­richt von der Rechts­mit­tel­fä­hig­keit sei­ner Ent­schei­dung aus­ge­gan­gen ist. Der Umstand allein, dass das Land­ge­richt die vor­läu­fi­ge Voll­streck­bar­keit gegen Sicher­heits­leis­tung in Höhe von 3.000 € gemäß § 709 ZPO ange­ord­net hat, lässt die­sen Schluss nicht zu 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Mai 2019 – II ZB 17/​18

  1. BGH, Beschluss vom 15.06.2011 – II ZB 20/​10, NJW 2011, 2974 Rn. 3; Beschluss vom 24.09.2013 – II ZB 6/​12, NZG 2013, 1258 Rn. 9; Beschluss vom 14.07.2015 – II ZB 1/​15 9; jeweils mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 15.06.2011 – II ZB 20/​10, NJW 2011, 2974 Rn. 3; Beschluss vom 19.04.2016 – II ZB 29/​14, ZOV 2017, 201 Rn. 7[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 10.01.2018 XII ZB 451/​17, MDR 2018, 357 Rn. 8; Beschluss vom 03.07.2018 – II ZB 13/​17, ZD 2019, 31 Rn. 12 mwN[]
  4. BGH, Beschluss vom 27.03.2019 XII ZB 564/​18 5 mwN[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 24.09.2013 – II ZB 6/​12, NZG 2013, 1258 Rn. 15 mwN; Beschluss vom 19.04.2016 – II ZB 29/​14, ZOV 2017, 201 Rn. 12[]
  6. st. Rspr., sie­he nur BGH, Beschluss vom 24.09.2013 – II ZB 6/​12, NZG 2013, 1258 Rn.20 mwN[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 07.03.2012 – IV ZR 277/​10, NJW-RR 2012, 633; Beschluss vom 24.09.2013 – II ZB 6/​12, NZG 2013, 1258 Rn. 21[]