Der Aus­kunfts­an­spruch eines treu­hän­de­risch betei­lig­ten Gesell­schaf­ters

Einem mit­tel­bar über einen Treu­hän­der betei­lig­ten Gesell­schaf­ter, der auf­grund der Rege­lun­gen im Gesell­schafts- und Treu­hand­ver­trag im Innen­ver­hält­nis einem unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ter gleich­ge­stellt ist, steht nicht nur gegen die Gesell­schaft, son­dern gegen jeden Mit­ge­sell­schaf­ter, der die Aus­kunft unschwer ertei­len kann (hier: den das Anle­ger­re­gis­ter füh­ren­den Treu­hän­der), ein Anspruch auf Aus­kunft über Namen und Anschrif­ten der ande­ren Anle­ger (Treu­ge­ber und unmit­tel­ba­re Gesell­schaf­ter) zu.

Der Aus­kunfts­an­spruch eines treu­hän­de­risch betei­lig­ten Gesell­schaf­ters

Zwar besteht zwi­schen den Treu­ge­bern der Fonds­ge­sell­schaft kei­ne Innen­ge­sell­schaft, aller­dings ist der mit­tel­bar über einen Treu­hän­der betei­lig­ten Gesell­schaf­ter im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall nach den Bestim­mun­gen des Gesell­schafts­ver­trags im Innen­ver­hält­nis zur Gesell­schaft und den mit­tel­ba­ren und unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­tern einem unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ter gleich­ge­stellt. Einem der­art gleich­ge­stell­ten Gesell­schaf­ter steht nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ein Anspruch auf Aus­kunft über die Namen und Anschrif­ten der ande­ren (mit­tel­ba­ren und unmit­tel­ba­ren) Gesell­schaf­ter zu. Die­sen Anspruch kann der Treu­hand­ge­sell­schaf­ter (auch) gegen die regis­ter­füh­ren­de Mit­ge­sell­schaf­te­rin als regis­ter­füh­ren­de Treu­hand­kom­man­di­tis­tin gel­tend machen.

Aus­kunfts­an­spruch des mit­tel­bar betei­lig­ten Gesell­schaf­ters[↑]

Dem Treu­hand­ge­sell­schaf­ter steht ein Anspruch auf Aus­kunft über Namen und Anschrif­ten sei­ner Ver­trags­part­ner, den unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­tern und den die­sen im Innen­ver­hält­nis gleich­ge­stell­ten (ande­ren) Treu­ge­bern, zu.

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits mit Beschluss vom 21.09.2009 [1] und mit Urteil vom 11.01.2011 [2] ent­schie­den hat, ist bei einem Gesell­schafts­ver­trag einer Per­so­nen- bzw. Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft das Recht, sei­nen Ver­trags­part­ner zu ken­nen, selbst­ver­ständ­lich. Es folgt als unent­zieh­ba­res mit­glied­schaft­li­ches Recht aus dem durch den Gesell­schafts­ver­trag begrün­de­ten Ver­trags­ver­hält­nis als sol­chem [3]. Das auf Kennt­nis sei­ner Mit­ge­sell­schaf­ter gerich­te­te Aus­kunfts­be­geh­ren des Gesell­schaf­ters ist ledig­lich durch das Ver­bot der unzu­läs­si­gen Rechts­aus­übung (§ 242 BGB) und das Schi­ka­ne­ver­bot gemäß § 226 BGB begrenzt [4]. Die­ses Aus­kunfts­recht steht auch einem Treu­ge­ber zu, der im Innen­ver­hält­nis der Gesell­schaf­ter unter­ein­an­der und der Gesell­schaf­ter zu den Treu­ge­bern einem unmit­tel­bar betei­lig­ten Gesell­schaf­ter gleich­ge­stellt ist [5].

Zwi­schen dem Treu­hand­ge­sell­schaf­ter als Treu­ge­ber, den übri­gen Treu­ge­bern und den unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­tern besteht ein durch den Gesell­schafts­ver­trag und den Treu­hand­ver­trag begrün­de­tes Rechts­ver­hält­nis, das infol­ge der Ver­zah­nung von Gesell­schafts- und Treu­hand­ver­hält­nis dadurch gekenn­zeich­net ist, dass der Treu­hand­ge­sell­schaf­ter über sei­ne schuld­recht­li­che Bezie­hung zu der Treu­hän­de­rin hin­aus ent­spre­chend einem unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ter in den Gesell­schafts­ver­band ein­be­zo­gen ist. Durch die­se Ein­be­zie­hung in den Gesell­schafts­ver­band unter­schei­det sich die vor­lie­gen­de Gestal­tung von dem klas­si­schen Treu­hand­ver­hält­nis mit bloß schuld­recht­li­chen Bezie­hun­gen [6].

Es ent­spricht seit der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 13.05.1953 [7] der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass im Fal­le einer soge­nann­ten offe­nen oder qua­li­fi­zier­ten Treu­hand, gera­de bei der treu­hän­de­ri­schen Zusam­men­fas­sung zahl­rei­cher Geld­ge­ber, die an der Gesell­schaft Betei­lig­ten ihr gesell­schafter­li­ches Innen­ver­hält­nis so gestal­ten kön­nen, als ob die Treu­ge­ber selbst Gesell­schaf­ter wären [8]. Durch eine sol­che Rege­lung besteht für die Betei­lig­ten die Mög­lich­keit, ihre Rechts­be­zie­hun­gen unter­ein­an­der der wirk­li­chen Sach­la­ge anzu­pas­sen; in die­ser Hin­sicht, d.h. bezo­gen auf die Ein­be­zie­hung der Treu­ge­ber als Trä­ger der gesell­schafts­recht­li­chen Befug­nis­se und Pflich­ten in das Innen­ver­hält­nis als sol­ches, sind sie durch zwin­gen­des Recht nicht ein­ge­schränkt, da die Gestal­tung ihrer inter­nen Rechts­be­zie­hun­gen unter Beach­tung der sich aus dem Gesell­schafts­ver­hält­nis erge­ben­den Bin­dun­gen im All­ge­mei­nen einer frei­en ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung zugäng­lich ist [9]. Ein sol­ches Ver­trags­ver­hält­nis mit den Gesell­schaf­tern ist regel­mä­ßig anzu­neh­men, wenn – wie bei Publi­kums­ge­sell­schaf­ten häu­fig – die mit­tel­ba­re Betei­li­gung erst noch zu wer­ben­der Anle­ger und damit eine Ver­zah­nung von Gesell­schaft und Treu­hand im Gesell­schafts­ver­trag von vorn­her­ein vor­ge­se­hen ist und im Hin­blick dar­auf bestimm­te Rech­te und Pflich­ten der Anle­ger schon im Gesell­schafts­ver­trag gere­gelt sind [10].

Eine sol­che Rege­lung ist recht­lich unbe­denk­lich. Sol­len im Ein­zel­fall die Treu­ge­ber Rech­te aus­üben dür­fen, die, wie zum Bei­spiel das Stimm­recht, von der Mit­glied­schaft des Treu­hän­ders grund­sätz­lich nicht abge­spal­ten wer­den kön­nen, ist das aus­nahms­wei­se zuläs­sig, weil dem alle Gesell­schaf­ter im Gesell­schafts­ver­trag zuge­stimmt haben. Der Anle­ger muss die ihn betref­fen­den Rege­lun­gen des Gesell­schafts­ver­tra­ges, auf den er bei sei­nem Bei­tritt Bezug nimmt, regel­mä­ßig so ver­ste­hen, dass die Gesell­schaf­ter damit schlüs­sig den Treu­hand­ge­sell­schaf­ter, mit dem er unmit­tel­bar abschließt, bevoll­mäch­tigt haben, ihn wie einen Gesell­schaf­ter in das Gesell­schafts­ver­hält­nis (den Gesell­schafts­ver­band) ein­zu­be­zie­hen, soweit sei­ne Rechts­stel­lung im Gesell­schafts­ver­trag ange­spro­chen ist [11].

Auf­grund der ver­trag­li­chen Bestim­mun­gen, ins­be­son­de­re der Ver­zah­nung des Gesell­schafts- und des Treu­hand­ver­trags, hat der Treu­hand­ge­sell­schaf­ter im Innen­ver­hält­nis zu den ande­ren Treu­ge­bern, den Kom­man­di­tis­ten, der Kom­ple­men­tä­rin und der beklag­ten Fonds­ge­sell­schaft eine sol­che einem unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ter ent­spre­chen­de Rechts­stel­lung erlangt.

Nach dem Inhalt des Gesell­schafts­ver­trags, den der Bun­des­ge­richts­hof selbst aus­le­gen kann [12], und unter Berück­sich­ti­gung des Treu­hand­ver­trags han­delt es sich bei dem Ver­hält­nis zwi­schen der Gesell­schaft und den unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­tern einer­seits und den Treu­ge­bern ande­rer­seits nicht um ein­fa­che – zwei­sei­ti­ge – Treu­hand­ver­hält­nis­se. Der Gesell­schafts­ver­trag bestimmt, dass die Treu­ge­ber im Ver­hält­nis zur Gesell­schaft und zu den Gesell­schaf­tern unmit­tel­bar berech­tigt und ver­pflich­tet, sie daher inso­weit Gesell­schaf­ter im Sin­ne des Gesell­schafts­ver­trags sind und die Kon­troll­rech­te und das Stimm­recht wie unmit­tel­ba­re Kom­man­di­tis­ten aus­üben (§ 4 Nr. 7 Abs. 3, § 8 Nr. 1, § 9 Nr. 10 des Gesell­schafts­ver­trags).

Der Treu­hand­ver­trag bestimmt in Nr. 6 der Prä­am­bel, dass die Bestim­mun­gen des Gesell­schafts­ver­trags Bestand­teil des Treu­hand­ver­trags sind.

Bei die­sem durch den Bei­tritt bzw. den Anteils­er­werb zustan­de gekom­me­nen Rechts­ver­hält­nis zwi­schen dem Treu­hand­ge­sell­schaf­ter und den unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­tern han­delt es sich nicht um eine bloß schuld­recht­li­che Rechts­be­zie­hung, son­dern um ein von gesell­schafts­recht­li­chen Bin­dun­gen über­la­ger­tes Ver­trags­ver­hält­nis [13].

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs beruht in Fall­ge­stal­tun­gen wie der vor­lie­gen­den die Aus­ge­stal­tung der Rechts­stel­lung des Treu­ge­bers auf dem Gesell­schafts­ver­trag und nicht auf einer (bloß) schuld­recht­li­chen Abre­de mit der Gesell­schaft. Nur die Gesell­schaf­ter, nicht die Gesell­schaft, kön­nen dem Treu­ge­ber die einem unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ter ent­spre­chen­de Stel­lung ver­schaf­fen [14]. Ins­be­son­de­re die Rege­lung, dass der Treu­ge­ber das Stimm­recht in der Gesell­schaft als ori­gi­nä­res eige­nes Recht aus­üben soll und damit unmit­tel­bar an der inter­nen Wil­lens­bil­dung der Gesell­schaft im Wege der Beschluss­fas­sung, mit­hin an der kol­lek­ti­ven rechts­ver­bind­li­chen Wil­lens­bil­dung des Ver­ban­des mit­wirkt, belegt eine einer unmit­tel­ba­ren Mit­glied­schaft ent­spre­chen­de Berech­ti­gung (und Ver­pflich­tung) des Treu­ge­bers. Durch sein Stimm­recht hat er die Rechts­macht, unmit­tel­bar auf die Ver­wirk­li­chung und die För­de­rung des Gesell­schafts­zwecks und den wirt­schaft­li­chen Erfolg der Gesell­schaft ein­zu­wir­ken [15]. Durch einen (bloß) schuld­recht­li­chen Ver­trag kön­nen kei­ne sol­chen einer Mit­glied­schaft gleich kom­men­den Herr­schafts­rech­te in einer Gesell­schaft begrün­det wer­den [16].

Durch den Gesell­schafts­ver­trag ist der Treu­ge­ber ent­spre­chend einem unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ter sta­tu­ta­risch in das Innen­ver­hält­nis der Gesell­schaft ein­be­zo­gen. Er ist wie ein Gesell­schaf­ter ver­pflich­tet, den Gesell­schafts­zweck zu för­dern; eben­so trifft ihn die gesell­schafter­li­che Treue­pflicht [17]. Durch sei­ne Haf­tung im Innen­ver­hält­nis nach § 735 BGB (bei der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts und bei der offe­nen Han­dels­ge­sell­schaft) und durch den Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch aus §§ 675, 670 BGB bzw. auf­grund der ent­spre­chen­den Rege­lun­gen in den Treu­hand­ver­trä­gen (bei der Kom­man­dit­ge­sell­schaft) ist der Treu­ge­ber zudem von dem, von ihm durch sein Stimm­recht (mit-)beeinflussten Erfolg oder Miss­erfolg der Gesell­schaft im Ergeb­nis wirt­schaft­lich genau­so betrof­fen, als wäre er (Voll)Gesellschafter [18]. Ange­sichts des­sen begeg­net die Annah­me einer einer unmit­tel­ba­ren Mit­glied­schaft ent­spre­chen­den Rechts­stel­lung des qua­li­fi­zier­ten Treu­ge­bers auch kei­nen Beden­ken im Hin­blick dar­auf, dass die Mit­glied­schaft in einer Gesell­schaft nach der Rechts­ord­nung all­ge­mein auf eine in sich abge­stimm­te "Ein­heit von Rech­ten, Pflich­ten und Ver­ant­wor­tung" hin ange­legt ist [19]. Der qua­li­fi­zier­te Treu­ge­ber unter­schei­det sich von einem Voll­ge­sell­schaf­ter ledig­lich dadurch, dass beim (qua­li­fi­zier­ten) Treu­ge­ber die ding­li­che Berech­ti­gung am Gesamt­hand­s­ver­mö­gen und die mit der for­ma­len Gesell­schaf­ter­stel­lung ver­bun­de­ne Außen­haf­tung feh­len [20].

Die­se einem unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ter ent­spre­chen­de Rechts­stel­lung der Treu­ge­ber ist durch pri­vat­au­to­no­me rechts­ge­schäft­li­che Wil­lens­er­klä­run­gen der Anle­ger begrün­det wor­den [21]. Die Anle­ger haben in ihrer Bei­tritts­er­klä­rung bzw. Anteils­über­nah­me­er­klä­rung ihren Bei­tritt zu der Gesell­schaft erklärt und den ihnen bekann­ten Gesell­schafts­ver­trag als für sich ver­bind­lich aner­kannt. Der Treu­hän­der hat nach den Regeln in der Bei­tritts- und Anteils­über­nah­me­er­klä­rung und im Gesell­schafts­ver­trag die­se Bei­tritts­er­klä­rung für die ande­ren Gesell­schaf­ter ange­nom­men. Eben­so war den Treu­ge­bern auf­grund der ent­spre­chen­den Rege­lung des Gesell­schafts­ver­tra­ges bekannt, dass die Gesell­schaft auf die Anwer­bung einer Viel­zahl von wei­te­ren Anle­gern als Treu­ge­ber und Kom­man­di­tis­ten ange­legt war. Jeder bei­tre­ten­de Treu­ge­ber ist durch den Ver­trags­schluss Ver­trags­part­ner der bereits in der Gesell­schaft befind­li­chen "ande­ren Gesell­schaf­ter", d.h. der ande­ren Treu­ge­ber, Kom­man­di­tis­ten und der Kom­ple­men­tä­re gewor­den [22].

Die regis­ter­füh­ren­de Mit­ge­sell­schaf­te­rin hat kein Recht, dem Treu­hand­ge­sell­schaf­ter die Aus­kunft auf­grund der Rege­lun­gen zum "Daten­schutz" in § 20 des Gesell­schafts­ver­trags bzw. § 14 Nr. 3 des Treu­hand­ver­trags zu ver­wei­gern.

Das Recht, die Ver­trags­part­ner des Gesell­schafts­ver­tra­ges, das heißt alle ande­ren zu den Bedin­gun­gen des Gesell­schafts­ver­trags der Fonds­ge­sell­schaft Bei­getre­te­nen, zu ken­nen, kann im Gesell­schafts­ver­trag, auch einer Publi­kums­kom­man­dit­ge­sell­schaft, nicht aus­ge­schlos­sen wer­den [23]. Soweit die Rege­lun­gen in § 20 des Gesell­schafts­ver­tra­ges und in § 14 Nr. 3 des Treu­hand­ver­trags das Aus­kunfts­recht der Kom­man­di­tis­ten und der Treu­ge­ber aus­schlie­ßen, ver­sto­ßen sie gegen § 242 BGB und sind unwirk­sam, wie der Bun­des­ge­richts­hof in sei­nen Urtei­len vom 05.02.2013 [24] für ver­gleich­ba­re Rege­lun­gen aus­führ­lich begrün­det hat.

Dem Aus­kunfts­an­spruch des Treu­hand­ge­sell­schaf­ters steht kein schüt­zens­wer­tes Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se der Mit­treu­ge­ber und Kom­man­di­tis­ten aus daten­schutz­recht­li­chen Grün­den ent­ge­gen [25]. Im Rah­men des zwi­schen den Treu­ge­bern einer­seits und den unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­tern und der Gesell­schaft ande­rer­seits bestehen­den Ver­trags­ver­hält­nis­ses sind die Treu­ge­ber – nicht zuletzt im Hin­blick auf das Min­der­hei­ten­recht in § 9 Nr. 3 des Gesell­schafts­ver­trags [26] – bei ver­nünf­ti­ger Betrach­tung auf die Daten­ver­wen­dung zur Wahr­neh­mung ihrer Rech­te in der Gesell­schaft ange­wie­sen.

Dem Aus­kunfts­an­spruch des Treu­hand­ge­sell­schaf­ters steht auch nicht eine kon­kre­te Gefahr des Miss­brauchs der Daten ent­ge­gen.

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, ist das Aus­kunfts­be­geh­ren des Gesell­schaf­ters, gerich­tet auf Mit­tei­lung der Namen und Anschrif­ten der Mit­ge­sell­schaf­ter, nur durch das Ver­bot der unzu­läs­si­gen Rechts­aus­übung (§ 242 BGB) und das Schi­ka­ne­ver­bot gemäß § 226 BGB begrenzt [27]. Eine abs­trak­te Miss­brauchs­ge­fahr allein recht­fer­tigt es nicht, einem Ver­trags­part­ner das Recht zuzu­ge­ste­hen, gegen­über dem ande­ren sei­nen Namen und sei­ne Anschrift zu ver­heim­li­chen [28]. Das Beru­fungs­ge­richt hat kei­ne kon­kre­te Miss­brauchs­ge­fahr fest­ge­stellt. Die Revi­si­ons­er­wi­de­rung hat inso­weit kei­ne Gegen­rü­ge erho­ben.

Aus­kunfts­an­spruch gegen den das Anle­ger­re­gis­ter füh­ren­den Treu­hand­ge­sell­schaf­ter[↑]

Dem treu­ge­ben­den Gesell­schaf­ter steht das Aus­kunfts­recht auch gegen die regis­ter­füh­ren­de Mit­ge­sell­schaf­te­rin zu.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs und der herr­schen­den Ansicht in der Lite­ra­tur rich­tet sich der Aus­kunfts­an­spruch des Gesell­schaf­ters – jeden­falls – gegen die Gesell­schaft [29].

Der Bun­des­ge­richts­hof hat jedoch bereits mit Urteil vom 28.05.1962 [30] ent­schie­den, dass sich der Aus­kunfts­an­spruch des einen Gesell­schaf­ters – und damit hier der Aus­kunfts­an­spruch des die­sem gleich­ge­stell­ten, eben­falls gesell­schafts­ver­trag­lich ver­bun­de­nen Treu­ge­bers – (auch) gegen die Mit­ge­sell­schaf­ter rich­tet, soweit dafür im Ein­zel­fall sach­lich berech­tig­te Grün­de spre­chen [31].

So liegt der Fall hier: Die beklag­te Treu­hand­kom­man­di­tis­tin führt das Regis­ter über alle Treu­ge­ber und Kom­man­di­tis­ten der Fonds­ge­sell­schaft (§ 20 Nr. 1 des Gesell­schafts­ver­trags, § 14 Nr. 1 des Treu­hand­ver­trags). Sie ist in der Fonds­ge­sell­schaft die­je­ni­ge Gesell­schaf­te­rin, die die begehr­te Aus­kunft unschwer ertei­len kann. Dem steht auch nicht der Umstand ent­ge­gen, dass die Treu­hän­de­rin, die anstel­le der – jeden­falls – aus­kunfts­pflich­ti­gen Gesell­schaft ver­klagt wird, mit Pro­zess­kos­ten belas­tet wer­den kann. Die­se kann sie von der Gesell­schaft ersetzt ver­lan­gen, wenn sie die Pro­zess­füh­rung für im Inter­es­se der Gesell­schaft erfor­der­lich hal­ten durf­te [32].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Dezem­ber 2014 – II ZR 277/​1

  1. BGH, Beschluss vom 21.09.2009 – II ZR 264/​08, ZIP 2010, 27 Rn. 8, 10[]
  2. BGH, Urteil vom 11.01.2011 – II ZR 187/​09, ZIP 2011, 322 Rn. 11[]
  3. inso­weit zustim­mend Alt­mep­pen, NZG 2010, 1321, 1322; ders., ZIP 2011, 326, 328[]
  4. BGH, Urteil vom 11.01.2011 – II ZR 187/​09, ZIP 2011, 322 Rn. 22[]
  5. BGH, Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, BGHZ 196, 131 Rn. 12[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 11.11.2008 – XI ZR 468/​07, BGHZ 178, 271 Rn.20[]
  7. BGH, Urteil vom 13.05.1953 – II ZR 157/​52, BGHZ 10, 44, 49 f.[]
  8. sie­he nur BGH, Urteil vom 30.03.1987 – II ZR 163/​86, ZIP 1987, 912, 913; Urteil vom 23.06.2003 – II ZR 46/​02, ZIP 2003, 1702, 1703; Urteil vom 13.07.2006 – III ZR 361/​04, ZIP 2006, 1631 Rn. 10; Urteil vom 11.11.2008 – XI ZR 468/​07, BGHZ 178, 271 Rn.20; Urteil vom 11.10.2011 – II ZR 242/​09, ZIP 2011, 2299 Rn. 16 ff.; Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, BGHZ 196, 131 Rn. 14[]
  9. BGH, Urteil vom 13.05.1953 – II ZR 157/​52, BGHZ 10, 44, 49 f. mwN[]
  10. BGH, Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, BGHZ 196, 131 Rn. 14[]
  11. BGH, Urteil vom 30.03.1987 – II ZR 163/​86, ZIP 1987, 912, 913; Urteil vom 11.11.2008 – XI ZR 468/​07, BGHZ 178, 271 Rn.20; Urteil vom 11.10.2011 – II ZR 242/​09, ZIP 2011, 2299 Rn. 16; Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, BGHZ 196, 131 Rn. 15; Teb­ben, ZGR 2001, 586, 612 f.; Staub/​Schäfer, HGB, 5. Aufl., § 105 Rn. 107; Münch­Komm-BGB/Ul­mer/­Schä­fer, 6. Aufl., § 705 Rn. 92 ff.[]
  12. st. Rspr., sie­he nur BGH, Urteil vom 11.10.2011 – II ZR 242/​09, ZIP 2011, 2299 Rn. 18 mwN[]
  13. vgl. BGH, Urteil vom 23.06.2003 – II ZR 46/​02, ZIP 2003, 1702, 1703[]
  14. BGH, Urteil vom 30.03.1987 – II ZR 163/​86, ZIP 1987, 912, 913; Urteil vom 11.10.2011 – II ZR 242/​09, ZIP 2011, 2299 Rn. 16[]
  15. so zutref­fend Teb­ben, ZGR 2001, 586, 600 f.; sie­he hier­zu auch K. Schmidt, NZG 2011, 361, 366 f.; zwei­felnd an einer gesell­schafts­ver­trag­li­chen Ver­bin­dung Wie­de­mann, ZIP 2012, 1786, 1788; kri­tisch Arm­brüs­ter, Die treu­hän­de­ri­sche Betei­li­gung an Gesell­schaf­ten, 2001, S. 175 ff.; ableh­nend Alt­mep­pen, NZG 2010, 1321, 1326[]
  16. BGH, Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, BGHZ 196, 131 Rn.20[]
  17. so auch Hopt in Baumbach/​Hopt, HGB, 36. Aufl., § 105 Rn. 34; ähn­lich Arm­brüs­ter, Die treu­hän­de­ri­sche Betei­li­gung an Gesell­schaf­ten, 2001, S. 341, 355 ff.; Teb­ben, ZGR 2001, 586, 610; für die qua­li­fi­zier­te Treu­hand am GmbH-Anteil: Ulmer, Fest­schrift Oders­ky, 1996, S. 873, 890[]
  18. vgl. BGH, Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, BGHZ 196, 131 Rn 21; Urteil vom 11.10.2011 – II ZR 242/​09, ZIP 2011, 2299 Rn. 40; Urteil vom 05.05.2010 – III ZR 209/​09, BGHZ 185, 310 Rn. 11 mwN; Urteil vom 11.11.2008 – XI ZR 468/​07, BGHZ 178, 271 Rn. 24[]
  19. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 11.10.1976 – II ZR 119/​75, WM 1976, 1247, 1250 unter Bezug­nah­me auf Wie­de­mann, Die Über­tra­gung und Ver­er­bung von Mit­glied­schafts­rech­ten bei Han­dels­ge­sell­schaf­ten, 1965, S. 276, 283 ff.; sie­he auch Teb­ben, ZGR 2001, 586, 611 f.; Arm­brüs­ter, Die treu­hän­de­ri­sche Betei­li­gung an Gesell­schaf­ten, 2001, S.199 ff.[]
  20. vgl. Teb­ben, ZGR 2001, 586, 610; zur feh­len­den Außen­haf­tung BGH, Urteil vom 11.11.2008 – XI ZR 468/​07, BGHZ 178, 271 Rn. 21 ff.; Urteil vom 21.03.2011 – II ZR 271/​08, BGHZ 189, 45 Rn. 10; Urteil vom 19.07.2011 – II ZR 300/​08, ZIP 2011, 1657 Rn. 36 mwN[]
  21. ent­ge­gen Wag­ner, NZG 2012, 58, 61[]
  22. noch wei­ter gehend K. Schmidt, NZG 2011, 361, 365 ff.[]
  23. vgl. BGH, Urteil vom 11.01.2011 – II ZR 187/​09, ZIP 2011, 322 Rn.20 mwN; die gegen die­ses Urteil ein­ge­leg­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men wor­den: BVerfG, Beschluss vom 08.02.2012 1 BvR 623/​11[]
  24. BGH, Urtei­le vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, BGHZ 196, 131 Rn. 24 ff.; und II ZR 136/​11, ZIP 2013, 619 Rn. 25 ff.[]
  25. st. Rspr., sie­he nur BGH, Urteil vom 11.01.2011 – II ZR 187/​09, ZIP 2011, 322 Rn. 17; Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, BGHZ 196, 131 Rn. 41 jew. mwN[]
  26. s. hier­zu auch BGH, Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, BGHZ 196, 131 Rn. 29 ff.[]
  27. BGH, Urteil vom 11.01.2011 – II ZR 187/​09, ZIP 2011, 322 Rn. 22 mwN[]
  28. BGH, Beschluss vom 21.09.2009 – II ZR 264/​08, ZIP 2010, 27 Rn. 13; Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, BGHZ 196, 131 Rn. 43[]
  29. BGH, Urteil vom 08.07.1957 – II ZR 54/​56, BGHZ 25, 115, 118; Urteil vom 28.05.1962 – II ZR 156/​61, WM 1962, 883; Beschluss vom 21.09.2009 – II ZR 264/​08, ZIP 2010, 27 Rn. 3; Münch­Komm-HGB/­Gru­ne­wald, 3. Aufl., § 166 Rn. 27; Oetker/​Oetker, HGB, 3. Aufl., § 166 Rn. 28 jew. mwN[]
  30. BGH, Urteil vom 28.05.1962 – II ZR 156/​61, WM 1962, 883; eben­so Urteil vom 11.01.2011 – II ZR 187/​09, ZIP 2011, 322 Rn. 18; Urtei­le vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, BGHZ 196, 131 Rn. 48 und – II ZR 136/​11, ZIP 2013, 619 Rn. 44[]
  31. zustim­mend Staub/​Schäfer, HGB, 5. Aufl., § 118 Rn. 10 mwN[]
  32. vgl. BGH, Urtei­le vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, BGHZ 196, 131 Rn. 48 und – II ZR 136/​11, ZIP 2013, 619 Rn. 44; Staub/​Schäfer, HGB, 5. Aufl., § 118 Rn. 10 mwN[]