Der Fremd­ge­schäfts­füh­rer von der Bera­tungs­ge­sell­schaft

Der Kom­pe­tenz der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung zur Rege­lung der Geschäfts­füh­rer­ver­gü­tung unter­fällt auch eine Abspra­che der GmbH mit einem Drit­ten, nach der der Drit­te die Kos­ten, die bei ihm des­halb ohne Gegen­leis­tung anfal­len, weil sei­ne von ihm bezahl­ten Mit­ar­bei­ter ihrer Tätig­keit als Geschäfts­füh­rer der GmbH nach­ge­hen, der GmbH wei­ter­be­rech­nen darf.

Der Fremd­ge­schäfts­füh­rer von der Bera­tungs­ge­sell­schaft

Inhalt der Ver­ein­ba­rung war die Rege­lung der Ver­gü­tung der Geschäfts­füh­rer der GmbH. Eine sol­che Rege­lung unter­liegt nach § 46 Nr. 5 GmbHG der Bestim­mung der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung auch dann, wenn sie mit einem Drit­ten geschlos­sen wird.

Die Ver­ein­ba­rung der Ver­gü­tung mit dem Geschäfts­füh­rer einer GmbH fällt in die Zustän­dig­keit der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist das zum Abschluss, zur Ände­rung und Been­di­gung des Dienst­ver­trags eines Geschäfts­füh­rers allein befug­te Organ einer GmbH bei Feh­len abwei­chen­der Sat­zungs­be­stim­mun­gen die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung1. Dies gilt auch bei Ver­ein­ba­run­gen über ein­zel­ne Bestand­tei­le eines Geschäfts­füh­rer­an­stel­lungs­ver­hält­nis­ses, vor allem der Ver­gü­tung der Geschäfts­füh­rer2. Der Grund für die­se Annex­kom­pe­tenz der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung liegt dar­in, dass Ver­ein­ba­run­gen, die das Anstel­lungs­ver­hält­nis der Geschäfts­füh­rer betref­fen, geeig­net sind, in erheb­li­cher Wei­se die Ent­schei­dun­gen der Gesell­schaf­ter über des­sen Organ­stel­lung zu beein­flus­sen3 und durch die­se Kom­pe­tenz­zu­wei­sung auch der Gefahr kol­le­gia­ler Rück­sicht­nah­me durch den (aktu­el­len) Geschäfts­füh­rer begeg­net wer­den soll4.

Der Kom­pe­tenz der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung zur Rege­lung der Geschäfts­füh­rer­ver­gü­tung unter­fällt auch eine Abspra­che der GmbH mit einem Drit­ten, nach der der Drit­te die Kos­ten, die bei ihm des­halb ohne Gegen­leis­tung anfal­len, weil sei­ne von ihm bezahl­ten Mit­ar­bei­ter ihrer Tätig­keit als Geschäfts­füh­rer der GmbH nach­ge­hen, der GmbH wei­ter­be­rech­nen darf.

Für die Akti­en­ge­sell­schaft hat der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den, dass der Abschluss des die Ver­gü­tung eines Vor­stands­mit­glieds betref­fen­den Ver­trags auch dann in die Zustän­dig­keit des Auf­sichts­rats und nicht des Vor­stands fällt, wenn er von der Gesell­schaft nicht mit dem Vor­stands­mit­glied selbst, son­dern mit einem Drit­ten abge­schlos­sen und mit dem Drit­ten eine Ver­gü­tung für die Vor­stands­tä­tig­keit ver­ein­bart wird. Für die Ent­schei­dung über die Ver­gü­tung der Vor­stands­mit­glie­der und für den Abschluss der die Ver­gü­tung betref­fen­den Ver­trä­ge ist nach § 84 Abs. 1 Satz 5 in Ver­bin­dung mit Satz 1, § 87, § 112 AktG der Auf­sichts­rat zustän­dig. Der Abschluss die­ser Ver­trä­ge fällt auch dann in die Zustän­dig­keit des Auf­sichts­rats, wenn sie von der Gesell­schaft nicht mit dem Vor­stands­mit­glied selbst, son­dern einem Drit­ten abge­schlos­sen wer­den und mit die­sem eine Ver­gü­tung für die Vor­stands­tä­tig­keit ver­ein­bart wird. Nur dadurch ist der Gleich­lauf von Bestel­lungs­und Anstel­lungs­kom­pe­tenz gewähr­leis­tet5.

Für die GmbH gilt inso­weit nichts ande­res als für die Akti­en­ge­sell­schaft.

Zwar feh­len im GmbH­Recht die Zustän­dig­keit der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung für die Ver­gü­tung der Geschäfts­füh­rer anord­nen­de Vor­schrif­ten, wie es sie im Akti­en­recht gibt. Indes erstreckt sich, wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits mehr­fach ent­schie­den hat, die Annex­kom­pe­tenz der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung auch ohne aus­drück­li­che nor­ma­ti­ve Zuwei­sung auf die Rege­lung der Ver­gü­tung der Geschäfts­füh­rer6.

Der Gleich­lauf von Bestel­lungs­und Anstel­lungs­kom­pe­tenz erfor­dert es, die in Fra­ge ste­hen­de Ver­trags­ge­stal­tung der mit­tel­ba­ren Ver­gü­tung von Geschäfts­füh­rern einer GmbH durch Leis­tung von Auf­wen­dungs­er­satz an den Drit­ten für die Zur­ver­fü­gung­stel­lung sei­ner von ihm ent­lohn­ten Mit­ar­bei­ter als Geschäfts­füh­rer der Annex­kom­pe­tenz der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung einer GmbH zu unter­stel­len. Dies ist auch gerecht­fer­tigt. Ver­ein­ba­run­gen mit einem Drit­ten, die die Ver­gü­tung eines Geschäfts­füh­rers einer GmbH betref­fen, sind in glei­cher Wei­se wie Ver­ein­ba­run­gen mit dem Geschäfts­füh­rer selbst gene­rell geeig­net, in erheb­li­cher Wei­se die Ent­schei­dun­gen der Gesell­schaf­ter über des­sen Organ­stel­lung zu beein­flus­sen und ber­gen die Gefahr kol­le­gia­ler Rück­sicht­nah­me. Zur Recht­fer­ti­gung die­ser Annex­kom­pe­tenz kommt es allein auf die­se gene­rel­le Eig­nung an.

Ziel der Ver­ein­ba­rung war es aber, der Dritt­fir­ma die Wei­ter­be­rech­nung der Kos­ten zu ermög­li­chen, die bei ihr ohne Gegen­leis­tung des­halb anfie­len, weil die von ihr bezahl­ten Mit­ar­bei­ter nicht mehr unein­ge­schränkt ihr zur Ver­fü­gung stan­den, son­dern ihrer Tätig­keit als Geschäfts­füh­rer der GmbH nach­gin­gen. Die­se Ver­ein­ba­rung ist unwirk­sam, wenn sie auf Sei­ten der GmbH von deren Geschäfts­füh­rer geschlos­sen wur­de. Schließt ein Geschäfts­füh­rer eine auch mit­tel­ba­re Ver­ein­ba­rung über die Ver­gü­tung eines (wei­te­ren) Geschäfts­füh­rers einer GmbH, ist die­se Ver­ein­ba­rung unwirk­sam, weil für deren Abschluss die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung zustän­dig bzw. ein Gesell­schaf­ter­be­schluss erfor­der­lich gewe­sen wäre. Da der Abschluss der­ar­ti­ger Rechts­ge­schäf­te unter die Annex­kom­pe­tenz der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung gem. § 46 Nr. 5 GmbHG fällt, wird er von der gesetz­li­chen Ver­tre­tungs­macht eines ande­ren Geschäfts­füh­rers gem. § 35 Abs. 1 GmbHG nicht erfasst7.

Dass die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung der GmbH den Kom­pe­tenz­ver­stoß durch einen wirk­sa­men Geneh­mi­gungs­be­schluss geheilt hät­ten, war im hier ent­schie­de­nen Fall nicht ersicht­lich und wur­de auch nicht gel­tend gemacht.

Ver­langt die GmbH von der Dritt­fir­ma hier­nach zu Unrecht geleis­te­te Zah­lun­gen nach den Regeln der unge­recht­fer­tig­ten Berei­che­rung zurück, kann ihr im Regel­fall auch nicht § 814 BGB ent­ge­gen gehal­ten wer­den, wonach das zum Zweck der Erfül­lung einer Ver­bind­lich­keit Geleis­te­te dann nicht zurück­ge­for­dert wer­den kann, wenn der Leis­ten­de gewusst hat, dass er zur Leis­tung nicht ver­pflich­tet war. Die­ser Kon­dik­ti­ons­aus­schluss greift erst ein, wenn der Leis­ten­de nicht nur die Tat­um­stän­de kennt, aus denen sich ergibt, dass er nicht ver­pflich­tet ist, son­dern auch weiß, dass er nach der Rechts­la­ge nichts schul­det. Zwei­fel dar­an, dass die­se Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen, gehen zu Las­ten des dar­le­gungs­und beweis­pflich­ti­gen Leis­tungs­emp­fän­gers8.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Mai 2019 – II ZR 299/​17

  1. vgl. BGH, Urteil vom 25.03.1991 – II ZR 169/​90, ZIP 1991, 580, 582; Beschluss vom 26.11.2007 – II ZR 161/​06, ZIP 2008, 117 Rn. 3, 6; Urteil vom 03.07.2018 – II ZR 452/​17, ZIP 2018, 1629 Rn. 10 []
  2. BGH, Urteil vom 25.03.1991 – II ZR 169/​90, ZIP 1991, 580, 582; Beschluss vom 26.11.2007 – II ZR 161/​06, ZIP 2008, 117 Rn. 3; Urteil vom 03.07.2018 – II ZR 452/​17, ZIP 2018, 1629 Rn. 9, 10 []
  3. BGH, Urteil vom 25.03.1991 – II ZR 169/​90, ZIP 1991, 580, 582; Urteil vom 03.07.2018 – II ZR 452/​17, ZIP 2018, 1629 Rn. 10 []
  4. BGH, Urteil vom 25.03.1991 – II ZR 169/​90, ZIP 1991, 580, 582; Urteil vom 08.12 1997 – II ZR 236/​96, ZIP 1998, 332, 333; Urteil vom 03.07.2018 – II ZR 452/​17, ZIP 2018, 1629 Rn. 10 []
  5. BGH, Urteil vom 28.04.2015 – II ZR 63/​14, ZIP 2015, 1220 Rn. 24 []
  6. BGH, Urteil vom 25.03.1991 – II ZR 169/​90, ZIP 1991, 580, 582; Beschluss vom 26.11.2007 – II ZR 161/​06, ZIP 2008, 117 Rn. 3; Urteil vom 03.07.2018 – II ZR 452/​17, ZIP 2018, 1629 Rn. 9, 10 []
  7. vgl. BGH, Urteil vom 25.03.1991 – II ZR 169/​90, ZIP 1991, 580, 582; Urteil vom 08.12 1997 – II ZR 236/​96, ZIP 1998, 332, 333; Urteil vom 03.07.2000 – II ZR 282/​98, ZIP 2000, 1442, 1443; fer­ner BGH, Urteil vom 28.04.2015 – II ZR 63/​14, ZIP 2015, 1220 Rn. 24 []
  8. st. Rspr., vgl. BGH, Urteil vom 17.10.2002 – III ZR 58/​02, NJW 2002, 3772, 3773 mwN []