Der Geschäfts­füh­rer bei der Han­dels­re­gis­ter­an­mel­dung

Die vom Geschäfts­füh­rer in der Anmel­dung zum Han­dels­re­gis­ter gemäß § 8 Abs. 3 GmbHG abge­ge­be­ne Ver­si­che­rung, er sei "noch nie, weder im Inland noch im Aus­land, wegen einer Straf­tat ver­ur­teilt wor­den", genügt den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen. Es ist weder erfor­der­lich, die in § 6 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 GmbHG genann­ten Straf­tat­be­stän­de noch die in Rede ste­hen­den ver­gleich­ba­ren Bestim­mun­gen des aus­län­di­schen Rechts in der Ver­si­che­rung im Ein­zel­nen auf­zu­füh­ren.

Der Geschäfts­füh­rer bei der Han­dels­re­gis­ter­an­mel­dung

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof in dem Fal­le einer schwei­ze­ri­schen GmbH, die ihre deut­sche Nie­der­las­sung zur Ein­tra­gung in das (deut­sche) Han­dels­re­gis­ter ange­mel­det hat­te.

Gemäß § 13 e Abs. 2 HGB ist die Errich­tung einer Zweig­nie­der­las­sung einer Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung mit Sitz im Aus­land zur Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter anzu­mel­den. In der Anmel­dung sind die Per­so­nen anzu­ge­ben, die befugt sind, als stän­di­ger Ver­tre­ter für die Tätig­keit der Zweig­nie­der­las­sung die Gesell­schaft gericht­lich und außer­ge­richt­lich zu ver­tre­ten. Nach Abs. 3 die­ser Vor­schrift gilt für die gesetz­li­chen Ver­tre­ter der Gesell­schaft in Bezug auf die Zweig­nie­der­las­sung § 6 Abs. 2 Satz 2 und 3 GmbHG ent­spre­chend. Gemäß § 13 g Abs. 2 HGB ist auf die Anmel­dung die Vor­schrift des § 8 Abs. 3 GmbHG anzu­wen­den, wonach die Geschäfts­füh­rer in der Anmel­dung zu ver­si­chern haben, dass kei­ne Umstän­de vor­lie­gen, die ihrer Bestel­lung nach § 6 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 und Satz 3 GmbHG ent­ge­gen­ste­hen. Danach wie­der­um kann Geschäfts­füh­rer nicht sein, wer inner­halb der letz­ten fünf Jah­re wegen einer oder meh­re­rer vor­sätz­lich began­ge­ner Straf­ta­ten

zu einer Frei­heits­stra­fe von min­des­tens einem Jahr ver­ur­teilt wor­den ist. Dies gilt ent­spre­chend bei einer Ver­ur­tei­lung im Aus­land wegen einer Tat, die mit den genann­ten Taten ver­gleich­bar ist.

Die in dem vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall vom Geschäfts­füh­rer der Betei­lig­ten in der Anmel­dung abge­ge­be­ne Ver­si­che­rung, er sei "noch nie, weder im Inland noch im Aus­land, wegen einer Straf­tat ver­ur­teilt wor­den", genügt die­sen gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen. Es ist weder erfor­der­lich, die in § 6 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 GmbHG genann­ten Straf­tat­be­stän­de noch die in Rede ste­hen­den ver­gleich­ba­ren Bestim­mun­gen des aus­län­di­schen Rechts in der Ver­si­che­rung im Ein­zel­nen auf­zu­füh­ren.

Der Wort­laut des § 8 Abs. 3 GmbHG ver­langt die aus­drück­li­che Benen­nung der ein­zel­nen Straf­tat­be­stän­de des Kata­logs gemäß § 6 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 GmbHG in der Ver­si­che­rung des Geschäfts­füh­rers nicht. Auch der Sinn und Zweck die­ser Vor­schrift gebie­ten dies nicht. Die Vor­schrift dient der Erleich­te­rung des Anmel­dungs- und Prüf­ver­fah­rens. Mit der Ein­füh­rung der Ver­si­che­rung gemäß § 8 Abs. 3 GmbHG woll­te der Gesetz­ge­ber ver­hin­dern, dass das Regis­ter­ge­richt zur Über­prü­fung der Umstän­de, die gemäß § 6 Abs. 2 Satz 2 und 3 GmbHG einer Stel­lung als Geschäfts­füh­rer ent­ge­gen­ste­hen, selbst Aus­kunft aus dem Zen­tral­re­gis­ter ein­ho­len muss. Die Ver­si­che­rung des Geschäfts­füh­rers hat mit­hin den Zweck, dem Regis­ter­ge­richt auf schnel­le und ein­fa­che Art die­je­ni­gen Infor­ma­tio­nen zu ver­mit­teln, die es sich ansons­ten – unter erhöh­tem Ver­wal­tungs­auf­wand – durch ein Aus­kunfts­er­su­chen gemäß § 41 Abs. 1 Nr. 1 BZRG selbst ver­schaf­fen müss­te 1. Eine Ver­si­che­rung, in der ein Geschäfts­füh­rer – wie hier – wei­ter­ge­hend erklärt, er sei "noch nie, weder im Inland noch im Aus­land, wegen einer Straf­tat ver­ur­teilt wor­den", beinhal­tet selbst­ver­ständ­lich die Infor­ma­ti­on, dass er (auch) nicht wegen einer vor­sätz­lich began­ge­nen Straf­tat im Sin­ne des Kata­logs des § 6 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 GmbHG bzw. einer ver­gleich­ba­ren Aus­land­s­tat ver­ur­teilt wur­de. Damit hat das Regis­ter­ge­richt die für die Ein­tra­gungs­ent­schei­dung erfor­der­li­che tat­säch­li­che Infor­ma­ti­on erhal­ten, der Geset­zes­zweck ist voll­stän­dig erreicht.

Soweit im Anschluss an die herr­schen­de Mei­nung, wonach die Erklä­rung des Geschäfts­füh­rers im Sin­ne des § 8 Abs. 3 Satz 1 GmbHG jedes ein­zel­ne Bestel­lungs­hin­der­nis auf­füh­ren und des­sen Feh­len ver­si­chern müs­se 2, ver­tre­ten wird, dass auch die Straf­tat­be­stän­de, die ein Bestel­lungs­hin­der­nis bil­den kön­nen, im Ein­zel­nen auf­ge­führt wer­den müs­sen 3 folgt dem der Bun­des­ge­richts­hof nicht 4.

Begrün­det wird die­se Auf­fas­sung damit, dass die Ver­si­che­rung nur dann die Grund­la­ge für die Prü­fung des Regis­ter­ge­richts dar­stel­len kön­ne, wenn auf Grund ihres Inhalts mit hin­rei­chen­der Sicher­heit beur­teilt wer­den kön­ne, ob dem Erklä­ren­den die Bestel­lungs­hin­der­nis­se im Ein­zel­nen bekannt sei­en 5. Der Ver­si­che­rung wird also eine dop­pel­te Funk­ti­on zuge­wie­sen: Sie soll dem Regis­ter­ge­richt nicht nur die für die Ein­tra­gungs­ent­schei­dung not­wen­di­gen Infor­ma­tio­nen über­mit­teln, son­dern auch erken­nen las­sen, dass dem Erklä­ren­den Inhalt und Umfang sei­ner Erklä­rungs­pflicht bewusst sind.

Dies ent­spricht nicht der Sys­te­ma­tik und dem Zweck des Geset­zes. Wie aus­ge­führt, dient die Ver­si­che­rung dazu, dem Regis­ter­ge­richt die zur Prü­fung von Bestel­lungs­hin­der­nis­sen erfor­der­li­chen Infor­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung zu stel­len, um eine ansons­ten erfor­der­lich wer­den­de eige­ne Recher­che über­flüs­sig zu machen. Ob die Ver­si­che­rung rich­tig und voll­stän­dig ist, ist eine davon zu tren­nen­de Fra­ge. Dies wird nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers sys­te­ma­tisch zum einen dadurch sicher­ge­stellt, dass der Geschäfts­füh­rer einer straf­recht­li­chen Ver­ant­wor­tung (§ 82 Abs. 1 Nr. 5 GmbHG) unter­wor­fen ist 6. Zum ande­ren ist der Erklä­ren­de gemäß § 8 Abs. 3 Satz 1 GmbHG über sei­ne unbe­schränk­te Aus­kunfts­pflicht vom Gericht oder den in Satz 2 die­ser Vor­schrift genann­ten rechts­kun­di­gen Per­so­nen zu beleh­ren, was er wie­der­um zu ver­si­chern hat. Even­tu­ell ver­blei­ben­de Unklar­hei­ten über Umfang und Bedeu­tung der zu ver­si­chern­den Umstän­de, etwa zu der Fra­ge, ob eine Aus­land­s­tat im Sin­ne des § 6 Abs. 2 Satz 3 GmbHG "ver­gleich­bar" ist, hat der Geschäfts­füh­rer zur Ver­mei­dung von Haf­tungs­ri­si­ken vor Abga­be der Ver­si­che­rung durch Inan­spruch­nah­me recht­li­cher Bera­tung zu klä­ren.

Inso­weit gilt für die Ver­si­che­rung nach § 8 Abs. 3 Satz 1 GmbHG nichts ande­res als etwa für die – nicht sel­ten von der Klä­rung schwie­ri­ger recht­li­cher Vor­fra­gen abhän­gen­den – Ver­si­che­run­gen gemäß § 8 Abs. 2 Satz 1 GmbHG.

Nicht über­zeu­gend ist es des­halb, wenn die Pflicht zur Benen­nung der ein­zel­nen Kata­logs­traf­tat­be­stän­de damit begrün­det wird, einem juris­ti­schen Lai­en sei mög­li­cher­wei­se nicht bewusst, dass nicht nur sol­che Straf­ta­ten die Bestel­lung als Geschäfts­füh­rer hin­dern, die im Straf­ge­setz­buch gere­gelt sei­en, son­dern auch Straf­tat­be­stän­de, die im Han­dels- und Gesell­schafts­recht gere­gelt sind 5. Gera­de der juris­ti­sche Laie wird nicht zwi­schen dem gesetz­li­chen Rege­lungs­ort des Straf­tat­be­stan­des dif­fe­ren­zie­ren und so zu einem Rechts­irr­tum gelan­gen. Er wird aller­dings tat­säch­lich wis­sen, ob er über­haupt jemals wegen einer Straf­tat ver­ur­teilt wor­den ist oder ob dies – wie hier ver­si­chert – nie­mals gesche­hen ist.

Es ist zudem inkon­se­quent, wenn hin­sicht­lich der eben­falls zur Inha­bi­li­tät des Geschäfts­füh­rers füh­ren­den Bestra­fung wegen einer ver­gleich­ba­ren Straf­tat im Aus­land nicht die­sel­ben for­mel­len – aller­dings prak­tisch nicht erfüll­ba­ren – Anfor­de­run­gen gestellt wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Mai 2010 – II ZB 5/​10

  1. BT-Drs. 8/​1347, Sei­te 34[]
  2. vgl. auch BayO­bLGZ 1981, 396, 398 f.; BayO­bLG, DB 1983, 2408 f.; H. Win­ter/​Veil in Scholz, GmbHG 10. Aufl. § 8 Rdn. 26; Hueck/​Fastrich in Baumbach/​Hueck, GmbHG 19. Aufl. § 8 Rdn. 16; Roth in Roth/​Altmeppen, GmbHG 6. Aufl. § 8 Rdn. 17; Lutter/​Hommelhoff/​Bayer, GmbHG 17. Aufl. § 8 Rdn. 16; Schmidt-Leit­hoff in Rowed­der/­Schmidt-Leit­hoff, GmbHG 4. Aufl. § 8 Rdn. 23; Michalski/​Heyder, GmbHG § 8 Rdn. 36; Wicke, GmbHG § 8 Rdn. 15; Beck­OK GmbHG/​C. Jae­ger, Stand 15.10.2009 § 8 Rdn. 19; Schaal in Erbs/​Kohlhaas, Straf­recht­li­che Neben­ge­set­ze 176. Aufl. § 8 GmbHG Rdn. 5; Sudhoff/​Sudhoff, Der Gesell­schafts­ver­trag der GmbH, 1992 S. 34; MünchHdbGesR III/​Riemenschneider/​Freitag 3. Aufl. § 8 Rdn. 11; Kars­ten, GmbH-Recht § 1 Rdn. 75[]
  3. OLG Mün­chen, Beschluss vom 27.04.2009 – 31 Wx 42/​09, NZG 2009, 717; vgl. auch Wach­ter, GmbHR 2009, 785, 786 f.; Leit­zen, GmbHR 2009, 1289, 1291; Kili­an, Notar 2010, 13, 19[]
  4. eben­so Teb­ben, RNotZ 2008, 441, 449; Keidel/​Krafka/​Willer, Regis­ter­recht 8. Aufl. Rdn. 956 Fn. 4; vgl. auch Groß, Rpfle­ger 1982, 151 f.[]
  5. OLG Mün­chen aaO[][]
  6. vgl. BT-Drs. 8/​1347, Sei­te 34[]