Der Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch des sich selbst ver­tre­ten­den Rechts­an­walts

Ein Antrag­stel­ler, der sich als Rechts­an­walt im Spruch­ver­fah­ren selbst ver­tritt, hat regel­mä­ßig kei­nen Erstat­tungs­an­spruch in Höhe der Gebüh­ren und Aus­la­gen eines Rechts­an­walts 1.

Der Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch des sich selbst ver­tre­ten­den Rechts­an­walts

Für die Kos­ten­er­stat­tung ist § 15 Abs. 4 SpruchG in der bis zum Inkraft­tre­ten des Zwei­ten Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung des Kos­ten­rechts vom 23.07.2013 (2. KostRMoG) 2 gel­ten­den Fas­sung maß­geb­lich, die § 15 Abs. 2 SpruchG in der seit­her gel­ten­den Fas­sung ent­spricht. Auf Ver­fah­ren, die vor dem Inkraft­tre­ten des 2. KostRMoG ein­ge­lei­tet wor­den sind, ist § 15 SpruchG in der bis­he­ri­gen Fas­sung wei­ter anzu­wen­den, § 136 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 5 Nr. 2 GNot­KG. Das Spruch­ver­fah­ren, in dem der Antrag­stel­ler Kos­ten­er­stat­tung ver­langt, wur­de spä­tes­tens mit sei­nem Antrag im Jahr 2005 und damit vor Inkraft­tre­ten des GNot­KG ein­ge­lei­tet.

Nach § 15 Abs. 4 SpruchG sind die Kos­ten der Antrag­stel­ler erstat­tungs­fä­hig, die zur zweck­ent­spre­chen­den Erle­di­gung der Ange­le­gen­heit not­wen­dig waren. Sol­che Kos­ten sind dem Rechts­be­schwer­de­füh­rer, der Rechts­an­walt ist, in der Höhe der Gebüh­ren und Aus­la­gen, die ein Rechts­an­walt ver­lan­gen kann, schon des­halb nicht ent­stan­den, weil er kei­nen ande­ren Rechts­an­walt beauf­tragt hat. Eine § 91 Abs. 2 Satz 3 ZPO ent­spre­chen­de Vor­schrift, wonach dem Rechts­an­walt in eige­ner Sache die Gebüh­ren und Aus­la­gen zu erstat­ten sind, die er als Gebüh­ren und Aus­la­gen eines bevoll­mäch­tig­ten Rechts­an­walts erstat­tet ver­lan­gen könn­te, fehlt im Spruch­ver­fah­rens­ge­setz. Auch die nach § 17 Abs. 1 SpruchG a.F. ergän­zend zu § 15 Abs. 4 SpruchG a.F. anwend­ba­ren Vor­schrif­ten des FGG ver­wei­sen nicht auf § 91 Abs. 2 Satz 3 ZPO. § 13a Abs. 3 FGG (inso­weit jetzt § 80 Satz 2 FamFG) erklärt nur § 91 Abs. 1 Satz 2 ZPO für ent­spre­chend anwend­bar. Die Vor­schrif­ten der Zivil­pro­zess­ord­nung sind auch nicht des­halb ent­spre­chend anzu­wen­den, weil das Spruch­ver­fah­ren ein Streit­ver­fah­ren der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit und damit einem strei­ti­gen Zivil­pro­zess ange­nä­hert ist 3. § 15 Abs. 4 SpruchG ent­hält für das Spruch­ver­fah­ren gera­de eine Vor­schrift, die die Kos­ten­er­stat­tung regelt, und die über § 17 Abs. 1 SpruchG ergän­zend her­an­zu­zie­hen­den Rege­lun­gen in § 13a Abs. 3 FGG betra­fen auch die Kos­ten­er­stat­tung in Streit­ver­fah­ren der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit, ohne dass dazu wei­te­re Vor­schrif­ten der Zivil­pro­zess­ord­nung ergän­zend her­an­zu­zie­hen waren.

Dem sich selbst ver­tre­ten­den Rechts­an­walt sind die Aus­la­gen und Gebüh­ren eines Rechts­an­walts auch nicht zu erstat­ten, weil er so behan­delt wer­den müss­te, als hät­te er einen ande­ren Rechts­an­walt beauf­tragt. Denn nach § 15 Abs. 4 SpruchG sind nur zur zweck­ent­spre­chen­den Erle­di­gung der Ange­le­gen­heit not­wen­di­ge Kos­ten erstat­tungs­fä­hig. Auch Rechts­an­walts­kos­ten sind anders als nach § 91 Abs. 2 Satz 1 ZPO nicht stets, son­dern nur dann erstat­tungs­fä­hig, wenn die Hin­zu­zie­hung eines Rechts­an­walts im Ein­zel­fall gebo­ten war. Dass eine Rechts­be­ra­tung und eine Ver­tre­tung durch einen Rechts­an­walt erfor­der­lich ist, wird man für ein Spruch­ver­fah­ren zwar für eine rechts­un­kun­di­ge, in Ange­le­gen­hei­ten des Spruch­ver­fah­rens uner­fah­re­ne Per­son regel­mä­ßig anneh­men kön­nen. Ein Rechts­an­walt muss in der Regel in einem Spruch­ver­fah­ren aber nicht einen (ande­ren) Rechts­an­walt mit sei­ner Ver­tre­tung beauf­tra­gen, weil er selbst über die zur Rechts­ver­fol­gung erfor­der­li­che Rechts- und Sach­kun­de ver­fügt. Jeder Betei­lig­te ist ver­pflich­tet, die Kos­ten sei­ner Ver­fah­rens­füh­rung, die er im Fal­le sei­nes Sie­ges vom Geg­ner erstat­tet ver­lan­gen will, so nied­rig zu hal­ten, wie sich dies mit der Wah­rung sei­ner berech­tig­ten Belan­ge ver­ein­ba­ren lässt 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Janu­ar 2014 – II ZB 13/​13

  1. vgl. OLG Mün­chen, AG 2007, 411, 415; BayO­bLG, NJW-RR 2007, 773[]
  2. BGBl. I S. 2586[]
  3. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 13.03.2006 – II ZB 26/​04, BGHZ 166, 329 Rn. 12[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 02.05.2007 XII ZB 156/​06, NJW 2007, 2257 Rn. 11 f.; Beschluss vom 06.12 2007 – IX ZB 223/​06, NJW 2008, 1087 Rn. 9; Urteil vom 12.09.2013 – I ZR 208/​12, GRUR 2013, 1259 Rn. 30[]