Der Rechts­streit der GmbH mit ihrem Geschäfts­füh­rer

Im Rechts­streit einer GmbH mit einem ihrer Geschäfts­füh­rer kann die­ser nicht gesetz­li­cher Ver­tre­ter der GmbH sein 1.

Der Rechts­streit der GmbH mit ihrem Geschäfts­füh­rer

Nach § 46 Nr. 8 Alt. 2 GmbHG unter­liegt die Ver­tre­tung der Gesell­schaft in Pro­zes­sen, wel­che sie gegen die Geschäfts­füh­rer zu füh­ren hat, der Bestim­mung der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung.

Die Vor­schrift gilt sowohl für den Akti­vals auch für den vor­lie­gen­den Pas­siv­pro­zess der Gesell­schaft 2 sowie für Pro­zes­se mit aus­ge­schie­de­nen Geschäfts­füh­rern 3.

Solan­ge die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung von ihrer Befug­nis nach § 46 Nr. 8 Alt. 2 GmbHG, einen beson­de­ren Ver­tre­ter zu bestel­len, kei­nen Gebrauch macht, wird die GmbH nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs vor­be­halt­lich einer die Ver­tre­tungs­be­fug­nis anders regeln­den Sat­zungs­be­stim­mung im Pro­zess mit ihren gegen­wär­ti­gen oder aus­ge­schie­de­nen Geschäfts­füh­rern durch einen oder meh­re­re bereits zuvor oder neu bestell­te wei­te­re Geschäfts­füh­rer ver­tre­ten; eines ent­spre­chen­den, zumin­dest still­schwei­gend gefass­ten Beschlus­ses der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung bedarf es für die Fort­dau­er der Ver­tre­tungs­be­fug­nis der ande­ren Geschäfts­füh­rer nicht 4.

Wenn die GmbH einen Auf­sichts­rat hat, wird sie im Pro­zess mit einem auch ehe­ma­li­gen Geschäfts­füh­rer gemäß § 52 Abs. 1 GmbHG, § 112 AktG durch den Auf­sichts­rat ver­tre­ten. Das ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs indes sofern der Auf­sichts­rat nicht nach dem Mit­be­stim­mungs­ge­setz gebil­det wer­den muss­te dann anders, wenn in der Sat­zung etwas ande­res gere­gelt oder von der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung etwas ande­res beschlos­sen wor­den ist 5.

Hat der Gesell­schafts­ver­trag einer GmbH bestimm­te Befug­nis­se dem Auf­sichts­rat über­tra­gen, ist die­ser aber funk­ti­ons­un­fä­hig, dann ist die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung in der Lage, inso­weit die Rech­te des Auf­sichts­rats wahr­zu­neh­men 6.

Solan­ge die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung von ihrer Befug­nis nach § 46 Nr. 8 Alt. 2 GmbHG, einen beson­de­ren Ver­tre­ter zu bestel­len, kei­nen Gebrauch macht, wird die GmbH im Pro­zess mit ihren gegen­wär­ti­gen oder aus­ge­schie­de­nen Geschäfts­füh­rern durch einen oder meh­re­re bereits zuvor oder neu bestell­te (wei­te­re) Geschäfts­füh­rer ver­tre­ten 7.

Nichts ande­res gilt, wenn die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung von ihrer Befug­nis nach § 46 Nr. 8 Alt. 2 GmbHG, einen beson­de­ren Ver­tre­ter zu bestel­len, in unwirk­sa­mer Wei­se Gebrauch macht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. Juli 2019 – II ZR 406/​17

  1. vgl. BGH, Urteil vom 24.02.1992 – II ZR 79/​91, ZIP 1992, 760, 761; Urteil vom 11.12 1995 – II ZR 220/​94, ZIP 1996, 227, 228 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 16.12 1991 – II ZR 31/​91, BGHZ 116, 353, 355; Urteil vom 06.03.2012 – II ZR 76/​11, ZIP 2012, 824 Rn. 12; Beschluss vom 22.03.2016 – II ZR 253/​15, ZIP 2016, 2413 Rn. 9[]
  3. BGH, Urteil vom 06.03.2012 – II ZR 76/​11, ZIP 2012, 824 Rn. 12; Beschluss vom 22.03.2016 – II ZR 253/​15, ZIP 2016, 2413 Rn. 9[]
  4. BGH, Urteil vom 26.10.1981 – II ZR 72/​81, WM 1981, 1353, 1354; Urteil vom 24.02.1992 – II ZR 79/​91, ZIP 1992, 760, 761; Urteil vom 24.10.2005 – II ZR 55/​04, ZIP 2005, 2255 Rn. 10; Urteil vom 06.03.2012 – II ZR 76/​11, ZIP 2012, 824 Rn. 12; Beschluss vom 02.02.2016 – II ZB 2/​15 13; Beschluss vom 22.03.2016 – II ZR 253/​15, ZIP 2016, 2413 Rn. 10[]
  5. BGH, Urteil vom 05.03.1990 – II ZR 86/​89, NJW-RR 1990, 739, 740; Urteil vom 24.11.2003 – II ZR 127/​01, ZIP 2004, 237; Beschluss vom 23.04.2007 – II ZR 149/​06, DStR 2007, 1358 Rn. 7[]
  6. BGH, Urteil vom 24.02.1954 – II ZR 88/​53, NJW 1954, 799, 800; Münch­Komm-GmbH­G/­Spind­ler, 3. Aufl., § 52 Rn. 109; Scholz/​U. H. Schnei­der, GmbHG, 11. Aufl., § 52 Rn. 12[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 26.10.1981 – II ZR 72/​81, WM 1981, 1353, 1354; Urteil vom 24.02.1992 – II ZR 79/​91, ZIP 1992, 760, 761; Urteil vom 24.10.2005 – II ZR 55/​04, ZIP 2005, 2255 Rn. 10; Urteil vom 06.03.2012 – II ZR 76/​11, ZIP 2012, 824 Rn. 12; Beschluss vom 02.02.2016 – II ZB 2/​15 13; Beschluss vom 22.03.2016 – II ZR 253/​15, ZIP 2016, 2413 Rn. 10[]