Der Streit um die Geschäfts­füh­rer­ab­be­ru­fung – und die Stel­lung des Abbe­ru­fe­nen

Ist in der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung einer GmbH das Zustan­de­kom­men eines bestimm­ten Beschlus­ses vom Ver­samm­lungs­lei­ter fest­ge­stellt wor­den, so ist der Beschluss mit dem fest­ge­stell­ten Inhalt vor­läu­fig ver­bind­lich.

Der Streit um die Geschäfts­füh­rer­ab­be­ru­fung – und die Stel­lung des Abbe­ru­fe­nen

For­mel­le oder mate­ri­el­le Män­gel, die sei­ne Anfecht­bar­keit begrün­den, kön­nen nur durch Erhe­bung der Anfech­tungs­kla­ge gel­tend gemacht wer­den 1.

Das gilt auch, wenn der Ver­samm­lungs­lei­ter fest­ge­stellt hat, dass ein Beschluss­an­trag abge­lehnt wor­den ist 2.

Dem Umstand, dass der Abbe­ru­fe­ne nicht mehr als Geschäfts­füh­rer im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen ist, ist für des­sen Organ­stel­lung und der dar­aus fol­gen­den Ver­tre­tungs­macht kei­ne Bedeu­tung bei­zu­mes­sen, weil die Ein­tra­gung zur Erlan­gung und Auf­recht­erhal­tung der Organ­stel­lung nicht erfor­der­lich ist 3.

Die all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge (§ 256 Abs. 1 ZPO) ist statt­haft, auch soweit sie sich gegen den Abbe­ru­fungs­be­schluss rich­tet. Der Fremd­ge­schäfts­füh­rer einer GmbH kann mit der all­ge­mei­nen Fest­stel­lungs­kla­ge gegen die Gesell­schaft gel­tend machen, der Beschluss, mit dem er von der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung abbe­ru­fen wur­de, sei nich­tig 4. Dies gilt in glei­cher Wei­se für den durch den fakul­ta­ti­ven Auf­sichts­rat abbe­ru­fe­nen Fremd­ge­schäfts­füh­rer 5. Der Klä­ger wird im Hin­blick auf sei­ne Kla­ge­be­fug­nis nicht des­halb einem Gesell­schaf­ter gleich­ge­stellt, weil die von ihm beherrsch­te Dr. J. Ver­mö­gens­ver­wal­tung GmbH Gesell­schaf­te­rin der Klä­ge­rin ist. Denn die Berech­ti­gung zur Erhe­bung einer Nich­tig­keits­o­der Anfech­tungs­kla­ge steht nur dem nach § 16 Abs. 1 GmbHG zu bestim­men­den recht­li­chen, nicht auch dem wirt­schaft­li­chen Gesell­schaf­ter zu 6.

Ist im Gesell­schafts­ver­trag kei­ne abwei­chen­de Bestim­mung getrof­fen, 75 ver­bleibt es bei der Rege­lung des § 38 Abs. 1 GmbHG, wonach der Geschäfts­füh­rer einer GmbH jeder­zeit frei abruf­bar ist. Dabei konn­te im hier ent­schie­de­nen Fall dahin­ste­hen, inwie­weit und mit wel­chem Ergeb­nis Treue­pflich­ten eine Abbe­ru­fungs­ent­schei­dung beein­flus­sen kön­nen. Denn der hier abbe­ru­fe­ne Fremd­ge­schäfts­füh­rer kann gegen sei­ne Abbe­ru­fung die Ver­let­zung gesell­schafter­li­cher Treue­pflich­ten nicht ein­wen­den 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. Juli 2019 – II ZR 406/​17

  1. BGH, Urteil vom 21.03.1988 – II ZR 308/​87, BGHZ 104, 66, 69; Urteil vom 03.05.1999 – II ZR 119/​98, ZIP 1999, 1001, 1002; Urteil vom 11.02.2008 – II ZR 187/​06, ZIP 2008, 757 Rn. 22; Urteil vom 21.06.2010 – II ZR 230/​08, ZIP 2010, 1640 Rn. 16[]
  2. BGH, Urteil vom 21.03.1988 – II ZR 308/​87, BGHZ 104, 66, 69[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 09.05.1960 – II ZB 3/​60, WM 1960, 902; Urteil vom 12.03.2019 – II ZR 299/​17, Urt. Umdr. S. 13, z.V.b. in BGHZ[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 11.02.2008 – II ZR 187/​06, ZIP 2008, 757 Rn. 34[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 13.06.1983 – II ZR 67/​82, ZIP 1983, 1063, 1064; Münch­Komm-GmbH­G/S­te­phan/­Tie­ves, 3. Aufl., § 38 Rn. 134[]
  6. BGH, Urteil vom 26.06.2018 – II ZR 205/​16, ZIP 2018, 1492 Rn.20[]
  7. vgl. Münch­Komm-GmbH­G/S­te­phan/­Tie­ves, 3. Aufl., § 38 Rn. 12; Scholz/​U. H. Schneider/​S. H. Schnei­der, GmbHG, 11. Aufl., § 38 Rn. 18[]