Der Streit um die Gesell­schafter­lis­te beim Han­dels­re­gis­ter – und die Gerichts­ge­büh­ren

Im Ver­fah­ren über eine Rechts­be­schwer­de, die die Auf­nah­me einer Gesell­schafter­lis­te in den Regis­ter­ord­ner zum Gegen­stand hat, fällt die Gerichts­ge­bühr nach Nr.19123 KV GNotKG an.

Der Streit um die Gesell­schafter­lis­te beim Han­dels­re­gis­ter – und die Gerichts­ge­büh­ren

Dage­gen ist die Gebühr nach Nr. 13620 KV GNotKG nicht zu erhe­ben.

Die Gebühr nach Nr. 13620 KV GNotKG fällt an für das Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren im All­ge­mei­nen in den Ver­fah­ren, die in Teil 1, Haupt­ab­schnitt 3, Abschnit­te 4 und 5 KV GNotKG genannt sind. Zu die­sen Ver­fah­ren zäh­len nach der Vor­be­mer­kung 1.3.5 des Abschnitts 5 auch Ver­fah­ren vor dem Regis­ter­ge­richt. Von die­ser Zuord­nung aus­ge­nom­men sind aber gemäß der Vor­be­mer­kung 1.3 Abs. 1 Nr. 1 des über­ge­ord­ne­ten Haupt­ab­schnitts 3 Regis­ter­sa­chen, in denen die Gebüh­ren auf­grund einer Rechts­ver­ord­nung nach § 58 Abs. 1 GNotKG erho­ben wer­den.

Um eine unter die­se Aus­nah­me fal­len­de Regis­ter­sa­che han­delt es sich bei einem Ver­fah­ren, das die Ein­rei­chung einer Gesell­schafter­lis­te betrifft. Nach § 58 Abs. 1 Satz 1 GNotKG wer­den Gebüh­ren für unter ande­rem Ein­tra­gun­gen in das Han­dels­re­gis­ter, die Zurück­wei­sung von Anmel­dun­gen zum Han­dels­re­gis­ter und die Ent­ge­gen­nah­me, Prü­fung und Auf­be­wah­rung der zum Han­dels­re­gis­ter ein­zu­rei­chen­den Unter­la­gen (§ 58 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 GNotKG) nur auf­grund der Han­dels­re­gis­ter­ge­büh­ren­ver­ord­nung (HReg­GebV) erho­ben. Zu den nach Maß­ga­be von § 40 GmbHG zum Han­dels­re­gis­ter ein­zu­rei­chen­den Unter­la­gen gehört die Lis­te der Gesell­schaf­ter. Dem­entspre­chend sieht die Han­dels­re­gis­ter­ge­büh­ren­ver­ord­nung für die Ent­ge­gen­nah­me der Gesell­schafter­lis­te in Nr. 5002 des Gebüh­ren­ver­zeich­nis­ses einen Gebüh­ren­be­trag von 30 € vor. Mit die­ser Gebühr wird gemäß der Vor­be­mer­kung 5 auch der Auf­wand für die Prü­fung und Auf­be­wah­rung der Gesell­schafter­lis­te abge­gol­ten.

Anstel­le des danach nicht anwend­ba­ren Haupt­ab­schnitts 3 ist Haupt­ab­schnitt 9 des Kos­ten­ver­zeich­nis­ses (Teil 1) zum GNotKG ein­schlä­gig, der unter ande­rem die in den vor­an­ste­hen­den Haupt­ab­schnit­ten nicht erfass­ten „Rechts­mit­tel im Übri­gen“ betrifft und deren gericht­li­che Gebüh­ren in Abschnitt 1 regelt. Im Streit­fall fin­det die zu die­sem Abschnitt gehö­ren­de Nr.19123 KV GNotKG Anwen­dung [1].

Nr. 19123 KV GNotKG erfasst nach der Beschrei­bung des Gebüh­ren­tat­be­stan­des Ver­fah­ren über die Rechts­be­schwer­de gegen Ent­schei­dun­gen, die sich auf Tätig­kei­ten des Regis­ter­ge­richts bezie­hen, für die Gebüh­ren nach der Han­dels­re­gis­ter­ge­büh­ren­ver­ord­nung zu erhe­ben sind, wenn die Rechts­be­schwer­de ver­wor­fen oder zurück­ge­wie­sen wird. Die­ser Tat­be­stand ist hier erfüllt. Denn die mit der Rechts­be­schwer­de ange­grif­fe­ne Ent­schei­dung des Beschwer­de­ge­richts bezog sich auf die von den Betei­lig­ten erstreb­te Auf­nah­me der Gesell­schafter­lis­te in den Regis­ter­ord­ner nach Ent­ge­gen­nah­me die­ser Lis­te durch das Regis­ter­ge­richt.

Die im vor­lie­gen­den Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren ange­fal­le­ne Gebühr beträgt 150 €.

In der Gebüh­ren­spal­te zu Nr.19123 KV GNotKG ist die Gebühr für das Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren mit „5,0 der Gebühr für die Ein­tra­gung nach der HReg­GebV“ aus­ge­wie­sen. Eine Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter fin­det bei Ein­rei­chung der Gesell­schafter­lis­te aller­dings nicht statt. Die zum Han­dels­re­gis­ter ein­zu­rei­chen­de Gesell­schafter­lis­te wird viel­mehr, sofern das Regis­ter­ge­richt kei­ne durch­grei­fen­den Bean­stan­dun­gen erhebt, in den Regis­ter­ord­ner auf­ge­nom­men. Die Ein­rei­chung der Gesell­schafter­lis­te ist mit­hin nicht auf ihre Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter, son­dern auf ihre Auf­nah­me in den Regis­ter­ord­ner gerich­tet.

Dies hin­dert die Anwen­dung von Nr.19123 KV GNotKG indes­sen nicht. Denn die Beschrei­bung des Gebüh­ren­tat­be­stan­des erfasst mit ihrer Bezug­nah­me auf nach der Han­dels­re­gis­ter­ge­büh­ren­ver­ord­nung gebüh­ren­pflich­ti­ge Tätig­kei­ten des Regis­ter­ge­richts zwar über­wie­gend, aber eben nicht aus­schließ­lich Ein­tra­gun­gen in das Han­dels­re­gis­ter. Um eine nach der Han­dels­re­gis­ter­ge­büh­ren­ver­ord­nung gebüh­ren­pflich­ti­ge Tätig­keit han­delt es sich auch bei der Ent­ge­gen­nah­me, Prü­fung und Auf­be­wah­rung ein­zu­rei­chen­der Unter­la­gen. Hier­von aus­ge­hend ist die Anga­be der Gebüh­ren­hö­he zu Nr.19123 KV GNotKG, die nur den Haupt­an­wen­dungs­fall der Ein­tra­gung aus­drück­lich benennt, ver­all­ge­mei­nernd auf den jeweils ein­schlä­gi­gen Grund­ge­büh­ren­tat­be­stand der Han­dels­re­gis­ter­ge­büh­ren­ver­ord­nung zu bezie­hen. Hier­in liegt kei­ne grund­sätz­lich unzu­läs­si­ge [2] ana­lo­ge Anwen­dung eines Gebüh­ren­tat­be­stan­des, da der Anwen­dungs­fall als sol­cher von der Beschrei­bung des Gebüh­ren­tat­be­stan­des erfasst wird.

Der zur Bestim­mung der Gebüh­ren­hö­he her­an­zu­zie­hen­de Grund­ge­büh­ren­tat­be­stand nach der Han­dels­re­gis­ter­ge­büh­ren­ver­ord­nung ist bei einem Streit über die Auf­nah­me einer Gesell­schafter­lis­te in den Regis­ter­ord­ner die Ent­ge­gen­nah­me der Gesell­schafter­lis­te. Hier­für beträgt die Gebühr 30 € (Nr. 5002 GebV HReg­GebV). Für das dies­be­züg­li­che Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren fällt eine Gebühr in Höhe des Fünf­fa­chen an, also in Höhe von 150 €. Da hier eine Gebühr nach Nr.19123 KV GNotKG zu erhe­ben ist, kommt es auf den in Nr.19128 KV GNotKG gere­gel­ten Auf­fang­tat­be­stand, der eine Gebühr in Höhe von 120 € vor­sieht, nicht mehr an.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Mai 2019 – II ZB 12/​16

  1. im Ergeb­nis eben­so für die das Beschwer­de­ver­fah­ren betref­fen­de Par­al­lel­be­stim­mung Nr.19112 KV GNotKG: OLG Köln, Beschluss vom 21.07.2014 – 2 WX 191/​14 16[]
  2. vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 12.03.2007 – II ZR 19/​05, NJW-RR 2007, 1148[]