Der Wider­spruch in der Haupt­ver­samm­lung einer Akti­en­ge­sell­schaft

Ein nach § 121 Abs. 6 AktG erheb­li­cher Wider­spruch kann ledig­lich bis spä­tes­tens vor Bekannt­ga­be des Beschluss­ergeb­nis­ses durch den Ver­samm­lungs­lei­ter erho­ben wer­den.

Der Wider­spruch in der Haupt­ver­samm­lung einer Akti­en­ge­sell­schaft

Die­se Auf­fas­sung ent­spricht der in der Lite­ra­tur ein­hel­lig ver­tre­te­nen Mei­nung 1. Hier­von abwei­chen­de Judi­ka­tur ist nicht ersicht­lich. Das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart folgt die­ser Auf­fas­sung. Sie wird ins­be­son­de­re gestützt durch die – höchst­rich­ter­lich bestä­tig­te – Rechts­la­ge im Recht der GmbH, die § 121 Abs. 6 AktG in das Akti­en­recht über­nimmt 2: Um die Hei­lungs­wir­kung nach § 51 Abs. 3 GmbHG aus­zu­schlie­ßen, genügt es nicht, einen behaup­te­ten Ankün­di­gungs­man­gel nicht vor oder bei der Abstim­mung, son­dern erst danach zu rügen 3.

Die hier­ge­gen ange­führ­ten Gegen­ar­gu­men­te über­zeu­gen das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart nicht:

Es mag hier bereits vor der Beschluss­fas­sung fest­ge­stan­den haben bzw. zumin­dest abseh­bar gewe­sen sein, wie das Beschluss­ergeb­nis lau­ten wer­de. Das ent­bin­det den Aktio­när, der sich auf einen Ver­stoß gegen die von § 121 Abs. 6 AktG in Bezug genom­me­nen Bestim­mun­gen beru­fen möch­te, jedoch nicht davon, recht­zei­tig Wider­spruch zu erhe­ben, wid­ri­gen­falls die in § 121 Abs. 6 AktG gere­gel­te Fol­ge ein­tritt. Die Vor­schrift stellt nicht dar­auf ab, ob das Zustan­de­kom­men eines bestimm­ten Beschluss­ergeb­nis­ses schon vor der Stimm­ab­ga­be wahr­schein­lich oder gar sicher erscheint.

Die zu Pro­to­koll gege­be­ne Erklä­rung des Aktio­närs K mag hier zum Aus­druck gebracht haben, der Aktio­när akzep­tie­re die Beschluss­fas­sung aus jedem denk­ba­ren recht­li­chen und tat­säch­li­chen Grund nicht. Das ändert jedoch an dem Umstand nichts, dass die Erklä­rung nicht recht­zei­tig erfolg­te. Allein dar­auf kommt es hier ent­schei­dend an.

Das Schwei­gen der Aktio­nä­re mag hier nicht als „Zustim­mung zur Auf­nah­me eines nicht ordent­lich ange­kün­dig­ten Beschluss­an­tra­ges zu wer­ten“ gewe­sen sein, wie die Beru­fung vor­bringt. Um die Wer­tung eines Schwei­gens als Zustim­mung geht es indes nicht. Die vom Land­ge­richt und vom Senat für rich­tig gehal­te­ne Fol­ge beruht nicht dar­auf, son­dern allein auf der in § 121 Abs. 6 AktG bestimm­ten gesetz­li­chen Fol­ge. Die Bedeu­tung die­ser Vor­schrift liegt gera­de dar­in, dass es kei­ner Deu­tung eines feh­len­den Wider­spruchs als eines still­schwei­gen­den Ver­zichts auf die Ein­be­ru­fungs­for­ma­lia bedarf, es dar­auf viel­mehr nicht ankommt, weil dem Schwei­gen kraft § 121 Abs. 6 AktG nor­ma­ti­ve Bedeu­tung zukommt 4.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 17. Juni 2013 – 20 U 2/​13

  1. hier­zu etwa Kubis, in: Mün­che­ner Kom­men­tar zum AktG, 3. Aufl., § 121 Rn. 98; Rieckers, in: Spindler/​Stilz, AktG, 2. Aufl., § 121 Rn. 87; Zie­mons, in: K. Schmidt/​Lutter, AktG, 2. Aufl., § 121 Rn. 93; Reger, in: Bürgers/​Körber, AktG, 2. Aufl., § 121 Rn. 34; Herr­ler, in: Gri­go­leit, AktG, 1. Aufl., § 121 Rn. 32[]
  2. vgl. Zöll­ner, in: Baumbach/​Hueck, GmbHG, 20. Aufl., § 51 Rn. 31; Hüffer, AktG, 10. Aufl., § 121 Rn. 21[]
  3. s. BGH, NZG 2003, 127, 129; Zöll­ner, in: Baumbach/​Hueck, GmbHG, 20. Aufl., § 51 Rn. 31[]
  4. vgl. Kubis, in: Münch­Komm-AktG, 3. Aufl., § 121 Rn. 98; Reger, in: Bürgers/​Körber, AktG, 2. Aufl., § 121 Rn. 34[]