Die Ein­la­ge­pflicht des Kom­man­di­tis­ten – und die Abwick­lungs­an­ord­nung der BAFin

Der Anspruch einer (Publi­kums-)Kom­man­dit­ge­sell­schaft auf Leis­tung der noch offe­nen Ein­la­ge ist mit der Abwick­lungs­an­ord­nung der BaFin gemäß § 38 KWG weder ent­fal­len noch wegen Unmög­lich­keit erlo­schen.

Die Ein­la­ge­pflicht des Kom­man­di­tis­ten – und die Abwick­lungs­an­ord­nung der BAFin

Die Abwick­lungs­an­ord­nung wirkt gemäß § 38 Abs. 1 Satz 2 KWG wie ein gesell­schafts- bzw. han­dels­recht­li­cher Auf­lö­sungs­be­schluss und führt zur Liqui­da­ti­on des Unter­neh­mens. Die Durch­füh­rung der Liqui­da­ti­on rich­tet sich nach dem Gesell­schafts­ver­trag, sofern die­ser hier­zu Rege­lun­gen ent­hält, andern­falls wie hier nach den gesetz­li­chen Rege­lun­gen 1.

Der nach § 38 Abs. 2 KWG bestell­te Abwick­ler hat grund­sätz­lich die glei­che Stel­lung wie ein von den Gesell­schafts­or­ga­nen oder Gesell­schaf­tern bestell­ter Liqui­da­tor 2. Nach § 161 Abs. 2, § 149 Abs. 1 Satz 1 HGB obliegt es dem Liqui­da­tor u.a., die For­de­run­gen der Gesell­schaft ein­zu­zie­hen. Hier­un­ter fällt auch die Ein­zie­hung rück­stän­di­ger Ein­la­gen, wenn und soweit sie für die Durch­füh­rung der Liqui­da­ti­on, ins­be­son­de­re für die Befrie­di­gung der Gläu­bi­ger benö­tigt wer­den 3.

Bei der noch offe­nen Ein­la­ge­ver­pflich­tung der Kom­man­di­tis­tin han­delt es sich um eine "rück­stän­di­ge" Ein­la­ge im Sin­ne der obi­gen Recht­spre­chung, unab­hän­gig davon, ob sie im Zeit­punkt der Abwick­lungs­an­ord­nung bereits fäl­lig war oder nicht.

Die Ein­la­ge­ver­pflich­tung der Kom­man­di­tis­tin ist mit Zeich­nung der Betei­li­gung in vol­ler Höhe gemäß der Bei­tritts­er­klä­rung nebst Zusatz­ver­ein­ba­rung ent­stan­den. Danach beläuft sich die von ihr ins­ge­samt zu leis­ten­de Betei­li­gungs- und Zeich­nungs­sum­me auf 63.600 €. Mit der Zusatz­ver­ein­ba­rung wur­de der Kom­man­di­tis­tin hier­für nur eine Raten­zah­lung in Form einer Stun­dung gewährt. Dabei han­delt es sich ledig­lich um eine zeit­li­che Staf­fe­lung der Fäl­lig­keit, die als sol­che nichts an dem Ent­ste­hen der gesam­ten Ein­la­ge­ver­pflich­tung im Zeich­nungs­zeit­punkt ändert 4. Das ergibt sich bereits aus der Ver­pflich­tung des Kom­man­di­tis­ten in § 5 Abs. 1 GV und des Treu­ge­bers in § 5 Abs. 1 Satz 2 TrhV zur Leis­tung der "in der Bei­tritts­er­klä­rung vereinbarte(n) Ein­la­ge" sowie dar­über hin­aus aus­drück­lich auch aus § 5 Abs. 4 Satz 11 GV, wonach "noch nicht erbrach­te Teil­zah­lungs­be­trä­ge … als aus­ste­hen­de Ein­la­gen behan­delt und ver­bucht" wer­den.

Ande­res folgt auch nicht aus § 2 Abs. 1 Satz 2 TrhV. Die dort vor­ge­se­he­ne antei­li­ge Erhö­hung der Betei­li­gung der Treu­ge­be­rin an der Gesell­schaft ent­spre­chend der Höhe der von ihr geleis­te­ten Ein­zah­lun­gen betrifft nicht ihre ver­trag­li­che Ein­la­ge­ver­pflich­tung gegen­über der Kom­man­dit­ge­sell­schaft, son­dern nur ihre gesell­schafts­in­ter­ne Betei­li­gung im Ver­hält­nis zu den übri­gen Gesell­schaf­tern. Die Rege­lung ist erfor­der­lich, weil der Treu­hän­der gegen­über der Kom­man­dit­ge­sell­schaft einen ein­heit­li­chen Kom­man­dit­an­teil zuguns­ten meh­re­rer Treu­ge­ber­kom­man­di­tis­ten hält, deren jewei­li­ge Antei­le an die­sem Kom­man­dit­an­teil sich nach der Erfül­lung ihrer Ein­la­ge­ver­pflich­tung bestim­men.

Da die Kom­man­di­tis­tin 24.500 € von ihrer Gesamt­ein­la­ge­ver­pflich­tung noch nicht gezahlt hat, besteht eine noch offe­ne Ein­la­ge­for­de­rung der Kom­man­dit­ge­sell­schaft in die­ser Höhe.

Die Ein­for­de­rung der rück­stän­di­gen Ein­la­gen stellt auch kein neu­es, wer­ben­des Geschäft dar, das der Kom­man­dit­ge­sell­schaft ab dem Zeit­punkt der sofort voll­zieh­ba­ren Abwick­lungs­an­ord­nung gemäß § 38 KWG, § 149 HGB grund­sätz­lich unter­sagt wäre 5. Es han­delt sich ledig­lich um die Abwick­lung der bereits bestehen­den ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen durch Ein­for­de­rung bzw. Erfül­lung der dar­aus resul­tie­ren­den Leis­tungs­pflich­ten, die zudem gera­de dem geän­der­ten, der Abwick­lungs­an­ord­nung ent­spre­chen­den, Gesell­schafts­zweck der Liqui­da­ti­on die­nen soll.

Ande­res ergibt sich auch nicht aus der vom Beru­fungs­ge­richt hier­zu ange­führ­ten Auf­fas­sung von Fischer 6, dass nach einer Abwick­lungs­an­ord­nung gemäß § 38 KWG "Ein­la­gen" nicht mehr ent­ge­gen­ge­nom­men wer­den dür­fen. In Anbe­tracht des Zwecks von § 38 KWG, nicht erlaub­te Kre­dit­ge­schäf­te zu unter­bin­den, sind damit neue Ein­la­gen im Sin­ne von Kun­den­gel­dern des Kre­dit­in­sti­tuts gemeint, nicht aber die hier in Rede ste­hen­den offe­nen Ein­la­gen aus einer bereits abge­schlos­se­nen Gesell­schafts­be­tei­li­gung.

Aus die­sem Grund ist die Kom­man­di­tis­tin auch nicht wie das Pfäl­zi­sche Ober­lan­des­ge­richt Zwei­brü­cken meint 7 von ihrer Leis­tungs­pflicht wegen Unmög­lich­keit der Gegen­leis­tung gemäß § 275 Abs. 1, § 326 Abs. 1 BGB befreit, weil es der Kom­man­dit­ge­sell­schaft auf­grund des behörd­li­chen Ver­bots unter­sagt wäre, "neue" Ein­la­gen ent­ge­gen­zu­neh­men und die Kom­man­dit­an­tei­le in der Liqui­da­ti­on ver­trags­ge­mäß ent­spre­chend zu erhö­hen. Da sich der Gesell­schafts­zweck mit der Abwick­lungs­an­ord­nung von der wer­ben­den Tätig­keit in eine Liqui­da­ti­on geän­dert hat, kann der Treu­ge­ber die Leis­tung sei­ner Ein­la­ge nicht mehr von der Erbrin­gung der für die wer­ben­de Tätig­keit zuge­sag­ten Gegen­leis­tung abhän­gig machen, son­dern hat sei­ne Ein­la­ge zu leis­ten, soweit sie für die Abwick­lung erfor­der­lich ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. Janu­ar 2018 – II ZR 242/​16

  1. vgl. Fischer/​Müller in Boos/­Fi­scher/­Schul­te-Matt­ler, KWG, 5. Aufl., § 38 Rn. 4 f., 12; Schwen­ni­cke in Schwennicke/​Auerbach, KWG, 3. Aufl., § 38 Rn. 8 f.[]
  2. vgl. Fischer/​Müller in Boos/­Fi­scher/­Schul­te-Matt­ler, KWG, 5. Aufl., § 38 Rn. 21[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 03.02.1977 – II ZR 201/​75, WM 1977, 617, 618; Urteil vom 03.07.1978 – II ZR 54/​77, NJW 1978, 2154; Urteil vom 05.11.1979 – II ZR 145/​78, ZIP 1980, 192, 193[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 16.05.2017 – II ZR 284/​15, WM 2017, 1366 Rn. 23[]
  5. vgl. Hill­mann in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 3. Aufl., § 149 Rn. 7 f.; Roth in Baumbach/​Hopt, HGB, 38. Aufl., § 149 Rn. 6; Fischer in Boos/­Fi­scher/­Schul­te-Matt­ler, KWG, 5. Aufl., § 38 Rn. 5[]
  6. in Boos/­Fi­scher/­Schul­te-Matt­ler, KWG, 5. Aufl., § 38 Rn. 5[]
  7. OLG Zwei­brü­cken, Urteil vom 15.09.2016 – 4 U 3/​15[]