Die feh­ler­haf­te stil­le Publi­kums­ge­sell­schaft – und even­tu­el­le Scha­dens­er­satz­an­sprü­che

Die Anwen­dung der Grund­sät­ze der feh­ler­haf­ten Gesell­schaft schließt einen Anspruch der Anlegerin/​stillen Gesell­schaf­te­rin auf Ersatz von Ver­mö­gens­schä­den, die ihr durch pflicht­wid­ri­ges Ver­hal­ten der für die Gesell­schaft han­deln­den Per­so­nen im Zusam­men­hang mit ihrem Bei­tritt zur Gesell­schaft ent­stan­den sind, nicht von vorn­her­ein aus.

Die feh­ler­haf­te stil­le Publi­kums­ge­sell­schaft – und even­tu­el­le Scha­dens­er­satz­an­sprü­che

Auch bei Anwen­dung der Grund­sät­ze der feh­ler­haf­ten Gesell­schaft kann, wie der Bun­des­ge­richts­hof wei­ter ent­schie­den hat, der Anle­ger, der sich an einer mehr­glied­ri­gen stil­len Gesell­schaft betei­ligt hat, das stil­le Gesell­schafts­ver­hält­nis unter Beru­fung auf den (behaup­te­ten) Ver­trags­man­gel durch sofort wirk­sa­me Kün­di­gung been­den und unter Anrech­nung des ihm bei Been­di­gung sei­nes (feh­ler­haf­ten) Gesell­schafts­ver­hält­nis­ses gege­be­nen­falls zuste­hen­den Abfin­dungs­an­spruchs von dem Geschäfts­in­ha­ber Ersatz eines dar­über hin­aus­ge­hen­den Scha­dens ver­lan­gen, wenn dadurch die gleich­mä­ßi­ge Befrie­di­gung etwai­ger Abfin­dungs- oder Aus­ein­an­der­set­zungs­an­sprü­che der übri­gen stil­len Gesell­schaf­ter nicht gefähr­det ist [1].

Ob und in wel­cher Höhe (hypo­the­ti­sche) Ansprü­che der ande­ren stil­len Gesell­schaf­ter bestehen und aus dem Ver­mö­gen der Gesell­schaft befrie­digt wer­den kön­nen, steht nicht fest und müss­te gege­be­nen­falls die Beklag­te dar­le­gen und bewei­sen, wenn sie sich einem Scha­dens­er­satz­an­spruch der Klä­ge­rin gegen­über dar­auf beru­fen woll­te, die­ser sei wegen einer Gefähr­dung der Abfin­dungs- und Aus­ein­an­der­set­zungs­an­sprü­che der übri­gen stil­len Gesell­schaf­ter zumin­dest gegen­wär­tig nicht oder nicht in vol­ler Höhe durch­setz­bar. Im Übri­gen wäre selbst für den Fall des Bestehens eines sol­chen Hin­der­nis­ses das auf Zah­lung eines bestimm­ten Scha­dens­er­satz­be­tra­ges gerich­te­te Leis­tungs­be­geh­ren der stil­len Gesell­schaf­te­rin dahin aus­zu­le­gen, dass jeden­falls die Fest­stel­lung des Bestehens eines Scha­dens­er­satz­an­spruchs in die­ser Höhe begehrt wird. Sofern die sons­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen des gel­tend gemach­ten Scha­dens­er­satz­an­spruchs gege­ben sind, stün­de der Umstand, dass das Ver­mö­gen der Gesell­schaft im Zeit­punkt der Ent­schei­dung zur Befrie­di­gung etwai­ger (hypo­the­ti­scher) Abfin­dungs- oder Aus­ein­an­der­set­zungs­an­sprü­che und des Scha­dens­er­satz­an­spruchs nicht aus­reich­te, einer Fest­stel­lung sei­nes Bestehens nicht entgegen.Ist die Gesell­schaft zwi­schen allen stil­len Gesell­schaf­tern tat­säch­lich auf­ge­löst und bestehen nach Been­di­gung der Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen dem Geschäfts­herrn und allen stil­len Gesell­schaf­tern kei­ne Aus­ein­an­der­set­zungs­an­sprü­che mehr, so ste­hen die Grund­sät­ze der feh­ler­haf­ten Gesell­schaft einem ver­blei­ben­den, ggf. dem Grun­de und dem Betrag nach bereits fest­ge­stell­ten Scha­dens­er­satz­an­spruch eines geschä­dig­ten Anle­gers gleich­falls nicht mehr ent­ge­gen. In dem zuletzt genann­ten Fall mag es zwar zu einem „Wett­lauf“ zwi­schen geschä­dig­ten Anle­gern mit ihren gegen den Geschäfts­in­ha­ber gerich­te­ten Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen kom­men. Die Mit­ge­sell­schaf­ter ste­hen sich dabei jedoch nicht als sol­che, son­dern ledig­lich als wie auch sonst mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren­de Gläu­bi­ger eines Schuld­ners gegen­über. Aus die­sem Grun­de genügt es für den Weg­fall des sich aus den Grund­sät­zen der feh­ler­haf­ten Gesell­schaft erge­ben­den Hin­der­nis­ses auch, wenn das ver­blei­ben­de Ver­mö­gen des Geschäfts­in­ha­bers im Zeit­punkt der Ent­schei­dung über den gegen ihn gerich­te­ten Scha­dens­er­satz­an­spruch neben die­sem die (bestehen­den und hypo­the­ti­schen) Abfin­dungs- oder Aus­ein­an­der­set­zungs­an­sprü­che der übri­gen stil­len Gesell­schaf­ter deckt. Es ist dage­gen nicht erfor­der­lich, dass es auch aus­reicht, um ver­gleich­ba­re Scha­dens­er­satz­an­sprü­che ande­rer (getäusch­ter) stil­ler Gesell­schaf­ter zu befrie­di­gen [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Juli 2014 – II ZR 230/​13

  1. BGH, Urteil vom 19.11.2013 – II ZR 383/​12, BGHZ 199, 104 Rn. 28 ff.[]
  2. BGH, Urteil vom 19.11.2013 – II ZR 383/​12, BGHZ 199, 104 Rn. 30[]