Die fehl­ge­schla­ge­ne Zah­lung der Kapi­tal­ein­la­ge

Zahlt der Gesell­schaf­ter den Ein­la­ge­be­trag (hier: aus einer Kapi­tal­erhö­hung) nach Fas­sung des Kapi­tal­erhö­hungs­be­schlus­ses ein zwei­tes Mal an die Gesell­schaft ver­bun­den mit der Anwei­sung, die Zah­lung an ihn zur Til­gung sei­ner Berei­che­rungs­for­de­rung aus einem ers­ten, fehl­ge­schla­ge­nen Erfül­lungs­ver­such zurück zu über­wei­sen, liegt dar­in eine ver­deck­te Sach­ein­la­ge in Form des Hin- und Her­zah­lens.

Die fehl­ge­schla­ge­ne Zah­lung der Kapi­tal­ein­la­ge

Die Vor­ein­zah­lung auf die Kapi­tal­erhö­hung hat nicht zum Erlö­schen der Ein­la­ge­for­de­rung geführt 1.

Damit liegt in einem sol­chen Fall eine ver­deck­te Sach­ein­la­ge nach § 19 Abs. 4 GmbHG in der Form des Hin- und Her­zah­lens vor. Die Gesell­schaf­te­rin hat mit der zwei­ten, an sie zurück­ge­flos­se­nen Ein­zah­lung auf ihre Ein­la­ge­ver­pflich­tung aus der beschlos­se­nen Kapi­tal­erhö­hung zu ver­de­cken ver­sucht, dass sie ihre Berei­che­rungs­for­de­rung gegen die GmbH aus der fehl­ge­schla­ge­nen Vor­ein­zah­lung als Sach­ein­la­ge auf die Kapi­tal­erhö­hung ein­ge­bracht hat.

Hat der Gesell­schaf­ter auf eine geplan­te Kapi­tal­erhö­hung gezahlt, ist aber eine Til­gung sei­ner Ein­la­ge­schuld dadurch nicht ein­ge­tre­ten, kann er sei­nen dar­aus resul­tie­ren­den Berei­che­rungs­an­spruch als (offe­ne) Sach­ein­la­ge ein­brin­gen. Geschieht das nicht, liegt eine ver­deck­te Sach­ein­la­ge im Sin­ne des § 19 Abs. 4 Satz 1 GmbHG vor. Denn bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tung wird die Ein­la­ge nicht durch Geld­leis­tung, son­dern durch Ein­brin­gung der Berei­che­rungs­for­de­rung des Gesell­schaf­ters erfüllt 2. Eine ent­spre­chen­de Abre­de wird zwar – so auch hier – förm­lich in der Regel nicht getrof­fen wer­den. Das ist aber auch nicht erfor­der­lich, da sie bei einem – wie hier gege­be­nen – engen zeit­li­chen und sach­li­chen Zusam­men­hang ver­mu­tet wird 3.

Die (noch­ma­li­ge) Zah­lung des Ein­la­ge­be­tra­ges hat die Ein­la­ge­for­de­rung der GmbH eben­falls nicht zum Erlö­schen gebracht. Die­ser Betrag ist auf Anwei­sung der Infe­ren­tin am sel­ben Tag an sie zurück­ge­flos­sen, um ihren Berei­che­rungs­an­spruch gegen die GmbH zu erfül­len. An der Rück­zah­lung an die Gesell­schaf­te­rin ändert der Umstand nichts, dass die Gesell­schaft den Betrag nicht unmit­tel­bar an die Gesell­schaf­te­rin, son­dern auf deren Anwei­sung an die von den Beklag­ten beherrsch­te T. KG gezahlt hat, um die Dar­le­hens­ver­bind­lich­keit der Gesell­schaf­te­rin gegen­über der T. KG zu erfül­len (§ 267 Abs. 1 Satz 1, § 362 Abs. 2 BGB).

Die­se Art der gegen­läu­fi­gen Über­wei­sun­gen stellt kei­nen Fall des Hin- und Her­zah­lens nach § 19 Abs. 5 GmbHG, son­dern eine ver­deck­te Sach­ein­la­ge in der Form des Hin- und Her­zah­lens nach § 19 Abs. 4 GmbHG dar 4. Die Bestim­mung des § 19 Abs. 5 GmbHG betrifft nicht alle Fäl­le gegen­läu­fi­ger Zah­lun­gen, son­dern nur sol­che, bei denen die Gesell­schaft mit der Rück­über­wei­sung einen – dazu noch voll­wer­ti­gen und liqui­den – Anspruch gegen den Gesell­schaf­ter erwirbt 5. Genau das war hier aber nicht der Fall: Die GmbH tilg­te durch die Zah­lung an die T. KG eine bereits bestehen­de „Alt­ver­bind­lich­keit“ gegen­über der Infe­ren­tin (deren Berei­che­rungs­an­spruch) und erwarb gera­de kei­ne neue For­de­rung gegen die Gesell­schaf­te­rin. Die Gesell­schaf­te­rin woll­te ihrer­seits mit der (erneu­ten) Zah­lung kei­ne neue Ver­bind­lich­keit gegen­über der GmbH ein­ge­hen; sie woll­te viel­mehr von ihrer Ein­la­ge­ver­pflich­tung frei wer­den.

Die Erfül­lung der fort­be­stehen­den Geld­ein­la­ge­pflicht des Infe­ren­ten kann bei der vor­lie­gen­den „ver­deck­ten ver­deck­ten Sach­ein­la­ge“ nur nach Maß­ga­be von § 19 Abs. 4 Satz 3, Satz 5, § 56 Abs. 2 GmbHG gelin­gen, d.h. wenn der Infe­rent nach­weist, dass sei­ne Berei­che­rungs­for­de­rung gegen die Gesell­schaft im Zeit­punkt der Anmel­dung der Kapi­tal­erhö­hung voll­wer­tig, näm­lich durch ent­spre­chen­des Ver­mö­gen der Gesell­schaft voll­stän­dig abge­deckt war 6. Dar­an fehlt es, soweit eine Über­schul­dung der Gesell­schaft vor­ge­le­gen hat. Eine Unter­bi­lanz scha­det dage­gen im Grund­satz nicht. Bei der Ermitt­lung des Ver­mö­gens­stands dür­fen stil­le Reser­ven berück­sich­tigt wer­den, denn es geht nicht um eine Aus­schüt­tungs­be­gren­zung wie im Fal­le des § 30 GmbHG, son­dern allein um eine hin­rei­chen­de Ver­mö­gens­de­ckung. Die Erfül­lung eines Anspruchs kann eine Unter­bi­lanz oder Über­schul­dung weder her­bei­füh­ren noch ver­tie­fen, weil der Ver­min­de­rung der Aktiv­sei­te eine ent­spre­chen­de Ver­rin­ge­rung der Ver­bind­lich­kei­ten gegen­über­steht, die Erfül­lung also bilanz­neu­tral ist 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Juli 2012 – II ZR 212/​10

  1. st.Rspr., sie­he nur BGH, Urteil vom 26.06.2006 – II ZR 43/​05, BGHZ 168, 201 ff.[]
  2. sie­he hier­zu Goet­te, Fest­schrift Pries­ter, 2007, S. 95, 98[]
  3. st.Rspr., sie­he nur BGH, Urteil vom 22.03.2010 – II ZR 12/​08, BGHZ 185, 44 Rn. 14 m.w.N. – ADCOCOM[]
  4. so zutref­fend Pries­ter, DStR 2010, 454, 500[]
  5. sie­he hier­zu BGH, Urteil vom 20.07.2009 – II ZR 273/​07, BGHZ 182, 103 Rn. 11, 26 ff. – Cash­Pool II[]
  6. sie­he nur BGH, Urteil vom 21.02.1994 – II ZR 60/​93, BGHZ 125, 141, 145 f. m.w.N.[]
  7. sie­he nur Münch­Komm-GmbH­G/Ek­ken­ga, § 30 Rn. 227[]