Die frist­lo­se Kün­di­gung des Geschäfts­fü­rer-Dienst­ver­tra­ges – und die Zwei­wo­chen­frist

Für die Kennt­nis der für die Kün­di­gung eines Geschäfts­füh­rer­an­stel­lungs­ver­tra­ges maß­ge­ben­den Tat­sa­chen, die die Zwei­wo­chen­frist nach § 626 Abs. 2 BGB in Lauf setzt, kommt es auf den Wis­sens­stand des zur Ent­schei­dung über die frist­lo­se Kün­di­gung beru­fe­nen und berei­ten Gre­mi­ums der Gesell­schaft an. Die Befug­nis, den Anstel­lungs­ver­trag zu kün­di­gen, kann sowohl im Gesell­schafts­ver­trag als auch durch die Gesell­schaf­ter auf ande­re Per­so­nen über­tra­gen wer­den. Kennt­nis liegt dann vor, wenn alles in Erfah­rung gebracht wor­den ist, was als not­wen­di­ge Grund­la­ge für eine Ent­schei­dung über Fort­be­stand oder Auf­lö­sung des Dienst­ver­hält­nis­ses anzu­se­hen ist. Ken­nen­müs­sen oder grob­fahr­läs­si­ge Unkennt­nis genügt nicht.

Die frist­lo­se Kün­di­gung des Geschäfts­fü­rer-Dienst­ver­tra­ges – und die Zwei­wo­chen­frist

Nach § 626 Abs. 2 BGB kann die außer­or­dent­li­che Kün­di­gung des Geschäfts­füh­rer­an­stel­lungs­ver­tra­ges nur inner­halb von zwei Wochen erfol­gen. Für die die Zwei­wo­chen­frist in Lauf set­zen­de Kennt­nis im Sinn von § 626 Abs. 2 BGB kommt es allein auf den Wis­sens­stand des zur Ent­schei­dung über die frist­lo­se Kün­di­gung beru­fe­nen und berei­ten Gre­mi­ums der Gesell­schaft an [1]. Kün­di­gungs­be­rech­tigt ist bei der GmbH grund­sätz­lich die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung als das ana­log § 46 Nr. 5 GmbHG zustän­di­ge Organ. Wenn die Gesell­schaft nur einen Gesell­schaf­ter hat, kommt es auf des­sen Kennt­nis bzw. die Kennt­nis des organ­schaft­li­chen Ver­tre­ters des Allein­ge­sell­schaf­ters an. Die­ser kann jeder­zeit eine Uni­ver­sal­ver­samm­lung nach § 51 Abs. 3 GmbHG abhal­ten und damit eine Kün­di­gung auch ohne Ein­be­ru­fung einer förm­li­chen Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung aus­spre­chen [2].

Aller­dings kann die Befug­nis, den Anstel­lungs­ver­trag zu kün­di­gen, sowohl im Gesell­schafts­ver­trag als auch durch die Gesell­schaf­ter auf ande­re Per­so­nen über­tra­gen wer­den [3]. Die Bevoll­mäch­ti­gung eines Vor­stands­mit­glieds der Mut­ter­ge­sell­schaft führt aber nicht dazu, dass für den Beginn der Kün­di­gungs­er­klä­rungs­frist allein die Kennt­nis die­ser Per­son maß­ge­bend ist. Durch die Bevoll­mäch­ti­gung wur­de die Befug­nis der Geschäfts­füh­rer, für die Allein­ge­sell­schaf­te­rin zu han­deln und den Beschluss über die Been­di­gung des Anstel­lungs­ver­tra­ges zu fas­sen, nicht ver­drängt. Immer­hin haben die Geschäfts­füh­rer aus­weis­lich des Pro­to­kolls der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung den der Kün­di­gung zugrun­de lie­gen­den Gesell­schaf­ter­be­schluss gefasst und das Kün­di­gungs­schrei­ben unter­zeich­net.

Muss­ten die Geschäfts­füh­rer dar­über hin­aus vor einer Beschluss­fas­sung über die Been­di­gung des Anstel­lungs­ver­tra­ges mit dem Klä­ger die Zustim­mung der Gesell­schaf­te­rin ein­ho­len, begann zwar die zwei­wö­chi­ge Erklä­rungs­frist erst nach Ein­gang der Zustim­mung zu lau­fen. In die­sem Fall ist aller­dings die Kün­di­gungs­mög­lich­keit ver­wirkt, wenn die Geschäfts­füh­rer sich nach Kennt­nis­er­lan­gung nicht unver­züg­lich um die Zustim­mung als Vor­aus­set­zung einer Beschluss­fas­sung bemüh­ten. Wenn die Ein­be­ru­fung der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung von den ein­be­ru­fungs­be­rech­tig­ten Mit­glie­dern unan­ge­mes­sen ver­zö­gert wird, muss sich die Gesell­schaft so behan­deln las­sen, als wäre die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung mit der zumut­ba­ren Beschleu­ni­gung ein­be­ru­fen wor­den [4]. Die­ser Grund­satz gilt auch, wenn der Beschluss­fas­sung ein ande­res über­wind­ba­res Hin­der­nis wie die Zustim­mung der Gesell­schaf­ter­Ge­sell­schaf­te­rin ent­ge­gen­steht.

Eine siche­re und umfas­sen­de Kennt­nis der für die Kün­di­gung maß­ge­ben­den Tat­sa­chen liegt dann vor, wenn alles in Erfah­rung gebracht wor­den ist, was als not­wen­di­ge Grund­la­ge für eine Ent­schei­dung über Fort­be­stand oder Auf­lö­sung des Dienst­ver­hält­nis­ses anzu­se­hen ist [5]. Ken­nen­müs­sen oder grob­fahr­läs­si­ge Unkennt­nis genügt nicht [6]. Ledig­lich dann, wenn die Tat­sa­chen bereits im Wesent­li­chen bekannt sind und noch zusätz­li­che Ermitt­lun­gen erfor­der­lich sind, wie etwa die Anhö­rung des Betrof­fe­nen bei einer Ver­dachts­kün­di­gung oder die Ermitt­lung von gegen eine Kün­di­gung spre­chen­den Tat­sa­chen, sind die­se zügig durch­zu­füh­ren [7].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. April 2013 – II ZR 273/​11

  1. BGH, Urtei­le vom 10.09.2001 – II ZR 14/​00, ZIP 2001, 1957, 1958; vom 10.01.2000 – II ZR 251/​98, ZIP 2000, 508, 510; und vom 15.06.1998 – II ZR 318/​96, BGHZ 139, 89, 92[]
  2. BGH, Urteil vom 20.10.2008 – II ZR 107/​07, ZIP 2008, 2260 Rn. 13; Beschluss vom 08.01.2007 – II ZR 267/​05, ZIP 2007, 910 Rn. 7; Urteil vom 27.03.1995 – II ZR 140/​93, ZIP 1995, 643, 645; Urteil vom 24.02.1954 – II ZR 88/​53, BGHZ 12, 337, 339[]
  3. BGH, Urteil vom 26.03.1984 – II ZR 120/​83, BGHZ 91, 217, 218 f.[]
  4. BGH, Urteil vom 15.06.1998 II ZR 318/​96, BGHZ 139, 89, 92 f.[]
  5. BGH, Urteil vom 24.11.1975 II ZR 104/​73, WM 1976, 77, 78[]
  6. vgl. BAG, NJW 2011, 2231, 2232; AP BGB § 626 Aus­schluss­frist Nr. 46 mwN[]
  7. BGH, Urteil vom 02.07.1984 II ZR 16/​84, ZIP 1984, 1113, 1114; Urteil vom 24.11.1975 II ZR 104/​73, WM 1976, 77, 78[]