Alt­schul­den in der GbR – und die Haf­tung der Erben eines Gesell­schaf­ters

Auch die Erben eines Gesell­schaf­ters einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts haf­ten ana­log §§ 128, 130 HGB für Alt­schul­den der Gesell­schaft.

Alt­schul­den in der GbR – und die Haf­tung der Erben eines Gesell­schaf­ters

Zwar ist die Rechts­fra­ge vom Bun­des­ge­richts­hof bis­her nicht aus­drück­lich ange­spro­chen wor­den; in den vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fäl­len zur Gesell­schaf­ter­haf­tung aus §§ 128, 130 HGB waren aber bereits häu­fig Erben eines Gesell­schaf­ters auf der Beklag­ten­sei­te, ohne dass der Bun­des­ge­richts­hof in der Fra­ge ihrer Haf­tung ein Pro­blem gese­hen hat. In der Recht­spre­chung der Ober­lan­des­ge­rich­te wird die­se Rechts­fra­ge nicht unter­schied­lich beant­wor­tet und in der Lite­ra­tur ist die Mei­nung nahe­zu ein­hel­lig, dass auch Erben eines Gesell­schaf­ters einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ana­log § 130 HGB für Alt­schul­den der Gesell­schaft haf­ten.

Dass die Rege­lun­gen der §§ 130, 139 HGB auf die auf­grund einer erbrecht­li­chen Nach­fol­ge­klau­sel ein­rü­cken­den neu­en Gesell­schaf­ter mit der Fol­ge gel­ten, dass die­se den Alt­gläu­bi­gern unbe­schränkt haf­ten, falls sie von den Mög­lich­kei­ten des § 139 HGB kei­nen Gebrauch machen, hat der Bun­des­ge­richts­hof bereits mit Urteil vom 06.07.1981 1 für den Fall einer im Zeit­punkt der Rechts­nach­fol­ge wegen Rück­gangs des Geschäfts­be­triebs nur noch als Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts bestehen­den, im Han­dels­re­gis­ter aber noch als Han­dels­ge­sell­schaft ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaft ent­schie­den. Die ana­lo­ge Anwen­dung von § 130 HGB auf Gesell­schaf­ter einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ent­spricht seit der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 07.04.2003 2 der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs und wird ins­be­son­de­re im Zusam­men­hang mit der quo­ta­len Haf­tung von Gesell­schaf­tern von Publi­kums­ge­sell­schaf­ten des bür­ger­li­chen Rechts stän­dig bestä­tigt 3.

In der Lite­ra­tur ist es völ­lig herr­schen­de Mei­nung, dass § 130 HGB auch auf Erben eines Gesell­schaf­ters einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts Anwen­dung fin­det, wobei die­se Fra­ge häu­fig noch nicht ein­mal aus­drück­lich adres­siert wird 4.

Streit besteht in der Lite­ra­tur über die Fra­ge, ob § 139 HGB, den das Beru­fungs­ge­richt eben­falls her­an­ge­zo­gen hat, über­haupt und wenn ja in wel­cher Form auf den ana­log § 130 HGB haf­ten­den Erben eines Gesell­schaf­ters einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts Anwen­dung fin­det 5, Rn. 1283)).

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Dezem­ber 2013 – II ZR 121/​12

  1. BGH, Urteil vom 06.07.1981 – II ZR 38/​81, ZIP 1981, 1088, 1089[]
  2. BGH, Urteil vom 07.04.2003 – II ZR 56/​02, BGHZ 154, 370 ff.[]
  3. vgl. nur zuletzt BGH, Urteil vom 17.04.2012 – II ZR 198/​10 17 mwN[]
  4. Roth in Baumbach/​Hopt, HGB, 36. Aufl., § 130 Rn. 3 f.; Hill­mann in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 2. Aufl., § 130 Rn. 2, 5; Staub/​Habersack, HGB, 5. Aufl., § 130 Rn. 5, 10; Münch­Komm-HGB/K. Schmidt, 3. Aufl., § 130 Rn. 5, 14; Steitz in Henssler/​Strohn, 2. Aufl., § 130 HGB Rn. 2, 5; Haas in Röhricht/​Graf v. Westphalen/​Haas, HGB, 4. Aufl., § 130 Rn. 2, 5a; Oetker/​Boesche, HGB, 3. Aufl., § 130 Rn. 2, 4; H.P. Wes­ter­mann in Erman, BGB, 13. Aufl., § 727 Rn. 11; W. Schlü­ter in Erman, BGB, 13. Aufl., § 1922 Rn. 31; BeckOK/​Schöne, Stand: 1.11.2013, § 714 Rn. 55; Münch­Komm-BGB/Schä­fer, 6. Aufl., § 714 Rn. 74 und § 727 Rn. 47; ders., NJW 2005, 3665, 3667; Münch­Komm-BGB/­Lei­pold, 6. Aufl., § 1922 Rn. 85; Münch­Komm-BGB/Ann, 6. Aufl., § 2058 Rn. 17; Ser­va­ti­us in Henssler/​Strohn, 2. Aufl., § 714 BGB Rn. 24; Ulmer, ZIP 2003, 1113, 1121; Mock, NZG 2004, 118 ff.[]
  5. dafür: Staub/​Habersack, HGB, 5. Aufl., § 130 Rn. 5; Münch­Komm-HGB/K. Schmidt, 3. Aufl., § 139 Rn. 60; Oetker/​Kamanabrou, HGB, 3. Aufl., § 139 Rn. 63; Lorz in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 2. Aufl., § 139 Rn. 98; BeckOK/​Schöne, Stand: 1.11.2013, § 714 Rn. 55; Bamberger/​Roth/​Schöne, BGB, 2. Aufl., § 727 Rn. 13; Münch­Komm-BGB/­Lei­pold, 6. Aufl., § 1922 Rn. 85; Münch­Komm-BGB/Ann, 6. Aufl., § 2058 Rn. 17; Schä­fer, NJW 2005, 1365, 1367 f.; Mock, NZG 2004, 118, 120; Ulmer, ZIP 2003, 1113, 1121; dage­gen: Roth in Baumbach/​Hopt, HGB, 36. Aufl., § 139 Rn. 8; Münch­Komm-BGB/­Küp­per, 6. Aufl., § 1967 Rn. 46, der – wohl – auch die Haf­tung bereits aus § 130 HGB ablehnt; zwei­felnd Wes­ter­mann in Wes­ter­mann, HdB der Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten ((Stand 2012[]