Die Kla­ge des ehe­ma­li­gen Geschäfts­füh­rers gegen die GmbH

Pro­zess­ver­tre­ter der GmbH gemäß § 46 Nr. 8 Alt. 2 GmbHG im Rechts­streit mit dem frü­he­ren Geschäfts­füh­rer ist die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung (bzw. der an ihre Stel­le tre­ten­de Bei­rat) der GmbH mit der Fol­ge, dass nur die­se einen Rechts­an­walt mit der Ver­tre­tung der GmbH im Pro­zess beauf­tra­gen und ihm wirk­sam Pro­zess­voll­macht ertei­len konn­te 1.

Die Kla­ge des ehe­ma­li­gen Geschäfts­füh­rers gegen die GmbH

Es ent­spricht der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass es nach § 46 Nr. 8 Alt. 2 GmbHG der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung (hier also dem Bei­rat, dem die­se Kom­pe­tenz über­tra­gen war) obliegt, einen Ver­tre­ter der Gesell­schaft in Pro­zes­sen zu bestim­men, die sie gegen einen Geschäfts­füh­rer führt. Die­se Vor­schrift, die sowohl für Aktiv- wie auch für (hier) Pas­siv­pro­zes­se gilt 2, soll die unvor­ein­ge­nom­me­ne Pro­zess­füh­rung in Rechts­strei­tig­kei­ten sicher­stel­len, in denen regel­mä­ßig die Gefahr besteht, dass die nach § 35 GmbHG an sich zur Ver­tre­tung der Gesell­schaft beru­fe­nen Geschäfts­füh­rer befan­gen sind. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs sind davon auch Pro­zes­se gegen aus­ge­schie­de­ne Geschäfts­füh­rer umfasst 3, sodass der hier vor­lie­gen­de Rechts­streit, in dem ein Geschäfts­füh­rer sei­ne Abbe­ru­fung und frist­lo­se Kün­di­gung anzwei­felt und dem­ge­mäß im Urkun­den­pro­zess sein Gehalt ein­klagt, davon frag­los umfasst ist. Gleich­wohl kann nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs die Gesell­schaft durch einen neu­en Geschäfts­füh­rer so lan­ge ver­tre­ten wer­den, wie die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung (hier: der Bei­rat) nicht von ihrer Befug­nis Gebrauch macht, einen ande­ren beson­de­ren Ver­tre­ter zu bestel­len 4.

Vor­lie­gend ist mit­hin nur der Bei­rat im Rechts­streit mit dem ehe­ma­li­gen Geschäfts­füh­rer Pro­zess­ver­tre­ter der GmbH nach § 46 Nr. 8 Alt. 2 GmbHG, so dass die GmbH durch den Bei­rat und nicht durch den (neu­en) Geschäfts­füh­rer ver­tre­ten wird und nur der Bei­rat eine wirk­sa­me Pro­zess­voll­macht ertei­len konn­te.

Dabei kann dahin­ge­stellt blei­ben, ob in der Über­tra­gung der Befug­nis­se aus § 46 Nr. 5 und Nr. 8 GmbHG auf den Bei­rat zugleich die (kon­klu­den­te) Über­tra­gung der Pro­zess­ver­tre­tung in den aus dem Wider­ruf der Bestel­lung zum Geschäfts­füh­rer und der Kün­di­gung des Anstel­lungs­ver­tra­ges resul­tie­ren­den Pro­zes­sen zu sehen ist, ohne dass es noch einer Beschluss­fas­sung des Bei­rats nach § 46 Nr. 8 Alt. 2 GmbHG bedurft hät­te, oder ob, falls man auch in der­ar­ti­gen Kon­stel­la­tio­nen (wei­ter­hin) einen Beschluss des Bei­rats zur Bestel­lung des Pro­zess­ver­tre­ters nach § 46 Nr. 8 Alt. 2 GmbHG für erfor­der­lich hält, die­ser bereits in dem Beschluss zur frist­lo­sen Ent­las­sung des bis­he­ri­gen Geschäfts­füh­rers zu sehen ist. Jeden­falls haben die Bei­rats­mit­glie­der dadurch, dass sie sich nach den eige­nen Anga­ben ihres neu­en Geschäfts­füh­rers mit der Fra­ge der Pro­zess­ver­tre­tung durch den Bei­rat nach § 46 Nr. 8 Alt. 2 GmbHG befasst und ihm das Ergeb­nis, sie sei­en der Pro­zess­ver­tre­ter, mit­ge­teilt haben, sowie dadurch, dass sie einen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten mit der Ver­tei­di­gung der GmbH Beklag­ten gegen die Kla­ge beauf­tragt haben, ihren für eine Beschluss­fas­sung über ihre Bestel­lung nach § 46 Nr. 8 Alt. 2 GmbHG erfor­der­li­chen Wil­len aus­rei­chend klar zum Aus­druck gebracht 5. Einem Stimm­ver­bot unter­la­gen die Bei­rats­mit­glie­der bei einer Beschluss­fas­sung hin­sicht­lich ihrer eige­nen Bestel­lung als Pro­zess­ver­tre­ter nicht 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. Febru­ar 2016 – II ZB 2/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 26.10.1981 – II ZR 72/​81, WM 1981, 1353, 1354; Münch­Komm-GmbH­G/­Liebs­cher, 2. Aufl., § 46 Rn. 278 mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 16.12 1991 – II ZR 31/​91, BGHZ 116, 353, 355[]
  3. BGH, Urteil vom 20.11.1958 – II ZR 17/​57, BGHZ 28, 355, 357; Urteil vom 16.12 1991 – II ZR 31/​91, BGHZ 116, 353, 355[]
  4. BGH, Urteil vom 24.02.1992 – II ZR 79/​91, ZIP 1992, 760, 761; Urteil vom 04.11.2002 – II ZR 224/​00, BGHZ 152, 280, 282; Urteil vom 06.03.2012 – II ZR 76/​11, ZIP 2012, 824 Rn. 12[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 21.06.1999 – II ZR 47/​98, ZIP 1999, 1352 f.; inso­weit in BGHZ 142, 92 nicht abge­druckt[]
  6. BGH, Urteil vom 20.01.1986 – II ZR 73/​85, BGHZ 97, 28, 34 f.; Zöll­ner in Baumbach/​Hueck, GmbHG, 20. Aufl., § 46 Rn. 70; Münch­Komm-GmbH­G/­Liebs­cher, 2. Aufl., § 46 Rn. 274, jew. mwN[]