Die Kon­zern­toch­ter als Ver­rich­tungs­ge­hil­fe

Ob ein Geschäfts­herrn-/Ver­rich­tungs­ge­hil­fen­ver­hält­nis besteht, beur­teilt sich nach den tat­säch­li­chen Umstän­den. Wann und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein sol­chen Ver­rich­tungs­ge­hil­fe-Ver­hält­nis­ses zwi­schen kon­zern­an­ge­hö­ri­gen Gesell­schaf­ten vor­liegt, beschäf­tig­te jetzt den Bun­des­ge­richts­hof:

Die Kon­zern­toch­ter als Ver­rich­tungs­ge­hil­fe

Maß­ge­bend für die Ein­ord­nung als Ver­rich­tungs­ge­hil­fe sind die fak­ti­schen Ver­hält­nis­se. Ver­rich­tungs­ge­hil­fe im Sin­ne von § 831 BGB ist nur, wer von den Wei­sun­gen sei­nes Geschäfts­herrn abhän­gig ist. Ihm muss von einem ande­ren, in des­sen Ein­fluss­be­reich er all­ge­mein oder im kon­kre­ten Fall ist und zu dem er in einer gewis­sen Abhän­gig­keit steht, eine Tätig­keit über­tra­gen wor­den sein. Das dabei vor­aus­ge­setz­te Wei­sungs­recht braucht nicht ins Ein­zel­ne zu gehen. Ent­schei­dend ist, dass die Tätig­keit in einer orga­ni­sa­to­risch abhän­gi­gen Stel­lung vor­ge­nom­men wird. Es genügt, dass der Geschäfts­herr die Tätig­keit des Han­deln­den jeder­zeit beschrän­ken oder ent­zie­hen oder nach Zeit und Umfang bestim­men kann 1.

Der Per­so­nen­kreis, der nach die­sen Grund­sät­zen "zu einer Ver­rich­tung bestellt" ist, unter­schei­det sich von dem Kreis der Erfül­lungs­ge­hil­fen im Sin­ne von § 278 BGB durch den Man­gel an Selbst­stän­dig­keit und Eigen­ver­ant­wort­lich­keit. Wäh­rend selb­stän­di­ge Unter­neh­men ohne wei­te­res Erfül­lungs­ge­hil­fen sein kön­nen, setzt die Qua­li­fi­ka­ti­on als Ver­rich­tungs­ge­hil­fe Abhän­gig­keit und Wei­sungs­ge­bun­den­heit vor­aus 2. Dar­an fehlt es in der Regel bei selb­stän­di­gen Unter­neh­men, unab­hän­gig davon, ob sie mit dem Unter­neh­men, für das sie eine bestimm­te Auf­ga­be wahr­neh­men, in einem Kon­zern­ver­hält­nis ste­hen.

Die Über­tra­gung von Auf­ga­ben auf ein bestimm­tes Unter­neh­men inner­halb eines Kon­zerns dient regel­mä­ßig gera­de dem Zweck, durch die selb­stän­di­ge – nicht wei­sungs­ge­bun­de­ne – Erle­di­gung der Auf­ga­be ande­re Tei­le des Kon­zerns zu ent­las­ten.

So sah es der Bun­des­ge­richts­hof denn auch im vor­lie­gen­den Fall: Der pau­scha­le Vor­trag der Klä­ge­rin, dass das gesam­te Ver­mie­tungs­ge­schäft für das Ein­kaufs­zen­trum von der A. für die Rechts­vor­gän­ge­rin der Beklag­ten orga­ni­siert und durch­ge­führt wur­de, führt im Streit­fall nicht zu einer ande­ren Wer­tung. Dies mag zwar eine Erfül­lungs­ge­hil­fen­ei­gen­schaft der A. begrün­den, die für einen Ver­rich­tungs­ge­hil­fen erfor­der­li­che Abhän­gig­keit und Wei­sungs­ge­bun­den­heit ergibt sich dar­aus aber nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Novem­ber 2012 – VI ZR 174/​11

  1. vgl. BGH, Urteil vom 10.03.2009 – VI ZR 39/​08, VersR 2009, 784 Rn. 11; BGH, Urtei­le vom 30.06.1966 – VII ZR 23/​65, BGHZ 45, 311, 313; vom 25.02.1988 – VII ZR 348/​86, BGHZ 103, 298, 303; vom 12.06.1997 – I ZR 36/​95, VersR 1998, 862, 863[]
  2. Münch­Komm-BGB/­Wag­ner, 5. Aufl., § 831 Rn. 14[]