Die Kran­ken­kas­sen-Arbeits­ge­mein­schaft – und die akti­en­recht­li­che Schwei­ge­pflicht

Ein Zusam­men­schluss von Kran­ken­kas­sen zu einer Arbeits­ge­mein­schaft in der Rechts­form der Akti­en­ge­sell­schaft darf gegen­über auf­sichts­be­hörd­li­chen Aus­kunfts­ver­lan­gen nicht auf­grund akti­en­recht­li­cher Pflich­ten schwei­gen.

Die Kran­ken­kas­sen-Arbeits­ge­mein­schaft – und die akti­en­recht­li­che Schwei­ge­pflicht

In dem hier vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall hat­te eine bun­des­un­mit­tel­ba­re Betriebs­kran­ken­kas­se geklagt, ist zusam­men mit ande­ren Kran­ken­kas­sen Aktio­nä­rin einer Akti­en­ge­sell­schaft war, die als Arbeits­ge­mein­schaft für die betei­lig­ten Kran­ken­kas­sen ins­be­son­de­re struk­tu­rier­te Behand­lungs­pro­gram­me bei Ver­si­cher­ten durch­führ­te. Das Bun­des­ver­si­che­rungs­amt for­der­te als Auf­sichts­be­hör­de ver­geb­lich von der Akti­en­ge­sell­schaft und einer Aktio­nä­rin Aus­künf­te. Die­se berie­fen sich auf akti­en­recht­li­che Schwei­ge­pflich­ten. Dar­auf­hin ver­pflich­te­te das Bun­des­ver­si­che­rungs­amt sowohl die hier kla­gen­de wie auch alle ande­ren bun­des­un­mit­tel­ba­ren Kran­ken­kas­sen, die Aktio­nä­re der Arbeits­ge­mein­schaft waren, die Prüf- und Infor­ma­ti­ons­rech­te der Auf­sichts­be­hör­den gegen­über der Arbeits­ge­mein­schaft anzu­er­ken­nen und auf die Auf­nah­me einer Bestim­mung in deren Sat­zung hin­zu­wir­ken, wonach die­se Aus­kunfts- und Vor­la­ge­an­sprü­che der für ihre Gesell­schaf­ter zustän­di­gen Auf­sichts­be­hör­den erfül­len wer­de. Die dage­gen von einer der betei­lig­ten Kran­ken­kas­se erho­be­ne Kla­ge ist nun auch letzt­in­stanz­lich vor dem Bun­des­so­zi­al­ge­richt erfolg­los geblie­ben:

Die Akti­en­ge­sell­schaft muss als der Auf­sicht des Bun­des­ver­si­che­rungs­am­tes unter­lie­gen­de Arbeits­ge­mein­schaft deren Aus­kunfts­an­sprü­che erfül­len und die Auf­sicht über ihre Aktio­nä­re, die Kran­ken­kas­sen, ermög­li­chen.

Die sat­zungs­mä­ßi­ge Ver­an­ke­rung der Infor­ma­ti­ons­pflich­ten sichert die wirk­sa­me Auf­sicht, indem sie die gesetz­li­chen Pflich­ten ver­deut­licht. Die akti­en­recht­li­chen Ver­schwie­gen­heits­pflich­ten ste­hen dem nicht ent­ge­gen. Sie fin­den dort ihre Gren­ze, wo eine gesetz­li­che Offen­le­gungs­pflicht besteht. Hier­zu gehö­ren auch Aus­kunfts­rech­te der Auf­sichts­be­hör­den.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 8. Okto­ber 2019 – B 1 A 1/​19 R