Die mehr­glied­ri­ge stil­le Gesell­schaft – und der Scha­dens­er­satz­an­spruch des Anle­gers

Auch bei Anwen­dung der Grund­sät­ze der feh­ler­haf­ten Gesell­schaft kann, wie der Bun­des­ge­richts­hof wei­ter ent­schie­den hat, der Anle­ger, der sich an einer mehr­glied­ri­gen stil­len Gesell­schaft betei­ligt hat, das stil­le Gesell­schafts­ver­hält­nis unter Beru­fung auf den (behaup­te­ten) Ver­trags­man­gel durch sofort wirk­sa­me Kün­di­gung been­den und unter Anrech­nung des ihm bei Been­di­gung sei­nes (feh­ler­haf­ten) Gesell­schafts­ver­hält­nis­ses gege­be­nen­falls zuste­hen­den Abfin­dungs­an­spruchs von dem Geschäfts­in­ha­ber Ersatz eines dar­über hin­aus­ge­hen­den Scha­dens ver­lan­gen, wenn dadurch die gleich­mä­ßi­ge Befrie­di­gung etwai­ger Abfin­dungs- oder Aus­ein­an­der­set­zungs­an­sprü­che der übri­gen stil­len Gesell­schaf­ter nicht gefähr­det ist [1].

Die mehr­glied­ri­ge stil­le Gesell­schaft – und der Scha­dens­er­satz­an­spruch des Anle­gers

Da in der Erklä­rung eines Gesell­schaf­ters, sei­nen Bei­tritt mit rück­wir­ken­der Kraft besei­ti­gen zu wol­len, in der Regel sein Wil­le zum Aus­druck kommt, die Bin­dung an die Gesell­schaft und die Mit­ge­sell­schaf­ter jeden­falls mit sofor­ti­ger Wir­kung zu been­den [2], kann auch im vor­lie­gen­den Fall von einer Kün­di­gung des (stil­len) Gesell­schafts­ver­hält­nis­ses durch die Anle­ge­rin aus­ge­gan­gen wer­den.

Dass die Anle­ge­rin ihren Scha­dens­er­satz­an­spruch nicht unter Anrech­nung eines etwai­gen Abfin­dungs­gut­ha­bens berech­net hat, recht­fer­tigt eine (voll­stän­di­ge) Abwei­sung der Kla­ge nicht, weil der Geschä­dig­te nicht ohne wei­te­res an eine von ihm ursprüng­lich gewähl­te Art der Scha­dens­be­rech­nung gebun­den ist [3] und der Anle­ge­rin daher Gele­gen­heit gege­ben wer­den muss, ihr Kla­ge­vor­brin­gen an die in den Vor­in­stan­zen nicht erör­ter­ten, oben ange­spro­che­nen recht­li­chen Vor­ga­ben der BGH-Ent­schei­dun­gen vom 19.11.2013 anzu­pas­sen.

Es kann auch nicht ohne wei­te­res ange­nom­men wer­den, dass einem über einen Abfin­dungs­an­spruch hin­aus­ge­hen­den Scha­dens­er­satz­be­geh­ren der Anle­ge­rin zur Siche­rung etwai­ger Abfin­dungs- oder Aus­ein­an­der­set­zungs­an­sprü­che der Mit­ge­sell­schaf­ter der Erfolg zu ver­sa­gen wäre. Ob und in wel­cher Höhe sol­che (hypo­the­ti­schen) Ansprü­che der ande­ren stil­len Gesell­schaf­ter bestehen und aus dem Ver­mö­gen der Gesell­schaft befrie­digt wer­den kön­nen, steht nicht fest und müss­te gege­be­nen­falls die Gesell­schaft dar­le­gen und bewei­sen, wenn sie sich einem Scha­dens­er­satz­an­spruch der Anle­ge­rin gegen­über dar­auf beru­fen woll­te, die­ser sei wegen einer Gefähr­dung der Abfin­dungs- und Aus­ein­an­der­set­zungs­an­sprü­che der übri­gen stil­len Gesell­schaf­ter zumin­dest gegen­wär­tig nicht oder nicht in vol­ler Höhe durch­setz­bar. Im Übri­gen wäre selbst für den Fall des Bestehens eines sol­chen Hin­der­nis­ses das auf Zah­lung eines bestimm­ten Scha­dens­er­satz­be­tra­ges gerich­te­te Leis­tungs­be­geh­ren der Anle­ge­rin dahin aus­zu­le­gen, dass jeden­falls die Fest­stel­lung des Bestehens eines Scha­dens­er­satz­an­spruchs in die­ser Höhe begehrt wird. Sofern die sons­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen des gel­tend gemach­ten Scha­dens­er­satz­an­spruchs gege­ben sind, stün­de der Umstand, dass das Ver­mö­gen der Gesell­schaft im Zeit­punkt der Ent­schei­dung zur Befrie­di­gung etwai­ger (hypo­the­ti­scher) Abfin­dungs- oder Aus­ein­an­der­set­zungs­an­sprü­che und des Scha­dens­er­satz­an­spruchs nicht aus­reich­te, einer Fest­stel­lung sei­nes Bestehens nicht ent­ge­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Febru­ar 2014 – II ZR 107/​13
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Febru­ar 2014 – II ZR 149/​13

  1. BGH, Urteil vom 19.11.2013 – II ZR 383/​12, ZIP 2013, 2355 Rn. 28 ff.[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 19.12 1974 – II ZR 27/​73, BGHZ 63, 338, 344 f.; Urteil vom 16.12 2002 – II ZR 109/​01, BGHZ 153, 214, 223[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 18.10.2011 – VI ZR 17/​11, NJW 2012, 50 Rn. 4 mwN[]