Die Neben­ge­schäf­te der Rechts­an­walts­ge­sell­schaft

Ein von einer Rechts­an­walts­ge­sell­schaft mbH geschlos­se­ner Han­dels­ver­tre­ter­ver­trag ist nicht wegen Ver­sto­ßes gegen § 59c Abs. 1 BRAO nich­tig.

Die Neben­ge­schäf­te der Rechts­an­walts­ge­sell­schaft

Nach § 59c Abs. 1 BRAO kön­nen nur sol­che Gesell­schaf­ten mit beschränk­ter Haf­tung als Rechts­an­walts­ge­sell­schaf­ten zuge­las­sen wer­den, deren Unter­neh­mens­ge­gen­stand die Bera­tung und Ver­tre­tung in Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten ist. Dar­aus wird teil­wei­se gefol­gert, dass eine Rechts­an­walts­ge­sell­schaft kei­ner ande­ren Tätig­keit nach­ge­hen darf 1. Der Bun­des­ge­richts­hof hat dem­ge­gen­über in einem obiter dic­tum gemeint, einer Rechts­an­walts­ge­sell­schaft sei es nicht ver­wehrt, neben der Bera­tung und Ver­tre­tung in Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten auch ande­re Tätig­kei­ten aus­zu­üben 2.

Selbst wenn einer Rechts­an­walts­ge­sell­schaft jedoch jeg­li­che Tätig­keit ver­bo­ten wäre, die nicht Bera­tung und Ver­tre­tung in Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten ist oder die­ser dient, folg­te aus einem Ver­stoß gegen die­ses Ver­bot nicht die zivil­recht­li­che Nich­tig­keit ent­spre­chen­der Ver­trä­ge. Eine Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung kann auch außer­halb ihres Geschäfts­zwecks (ultra vires) tätig wer­den. Dies folgt ins­be­son­de­re aus § 37 Abs. 2 GmbHG. Ihrem Wort­laut nach ord­net die­se Vor­schrift zwar nur an, dass eine Beschrän­kung der Ver­tre­tungs­macht des Geschäfts­füh­rers nicht gegen­über Drit­ten wirkt. Wären Rechts­ge­schäf­te außer­halb des Unter­neh­mens­ge­gen­stan­des nich­tig, käme dies jedoch einer Beschrän­kung der Ver­tre­tungs­macht des Geschäfts­füh­rers gleich, der § 37 Abs. 2 GmbHG jede Außen­wir­kung ver­sagt 3. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung kann sich das Organ einer juris­ti­schen Gesell­schaft scha­dens­er­satz­pflich­tig machen, wenn es Geschäf­te außer­halb des von der Sat­zung vor­ge­ge­be­nen Gesell­schafts­zwecks tätigt 4. Nich­tig sind sol­che Geschäf­te jedoch nicht allein wegen einer Über­schrei­tung des Gesell­schafts­zwecks.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Mai 2016 – IX ZR 241/​14

  1. Henssler in Henssler/​Prütting, BRAO, 4. Aufl., § 59c Rn. 8; Feuerich/​Weyland/​Brüggemann, BRAO, 9. Aufl., § 59c Rn. 3; Bor­mann in Gaier/​Wolf/​Göcken, Anwalt­li­ches Berufs­recht, 2. Aufl., § 59c Rn. 27a[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 18.07.2011 – AnwZ (Brfg) 18/​10, NJW 2011, 3036[]
  3. vgl. K. Schmidt, Gesell­schafts­recht, 4. Aufl., S. 214 ff, 216; Baumbach/​Hueck/​Zöllner/​Noack, GmbHG, 20. Aufl., § 37 Rn. 49; Roth/​Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl., § 37 Rn. 26; Lutter/​Hommelhoff/​Kleindiek, GmbHG, 18. Aufl., § 35 Rn. 9[]
  4. BGH, Urteil vom 05.10.1992 – II ZR 172/​91, BGHZ 119, 305, 331; vom 15.01.2013 – II ZR 90/​11, WM 2013, 456 Rn. 16[]