Die neue Akti­en­emis­si­on – und der Scha­den des Alt­ak­tio­närs

Die Betei­li­gung des Aktio­närs durch Aus­ga­be neu­er Akti­en kann auf zwei Arten Scha­den neh­men: durch Min­de­rung der Betei­li­gungs­quo­te und durch Min­de­rung des Werts der Betei­li­gung 1.

Die neue Akti­en­emis­si­on – und der Scha­den des Alt­ak­tio­närs

Unter bei­den Gesichts­punk­ten hat der Aktio­när in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall weder einen Scha­den noch die Mög­lich­keit, einen sol­chen Scha­den künf­tig zu erlei­den, dar­ge­legt. Einen Scha­den unter dem Gesichts­punkt einer Schmä­le­rung sei­ner Betei­li­gungs­quo­te hat der Aktio­när nicht schlüs­sig dar­ge­legt. Einen Scha­den unter dem Gesichts­punkt einer Min­de­rung des Werts sei­ner Betei­li­gung (vgl. § 255 Abs. 2 Satz 1 AktG) hat er nicht gel­tend gemacht.

Der Sach­vor­trag des Aktio­närs ermög­licht es nicht, einen auf der Ver­rin­ge­rung sei­ner Betei­li­gungs­quo­te beru­hen­den (Mindest-)Schaden auch nur schät­zungs­wei­se (§ 287 Abs. 1 ZPO) zu bezif­fern. Der Aktio­när hat­te im vor­lie­gen­den Fall sei­nen Scha­den mit der Dif­fe­renz bezif­fert, die zwi­schen sei­ner Betei­li­gung an der Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung der Akti­en­ge­sell­schaft bei Bege­bung der Wan­del­schuld­ver­schrei­bun­gen und sei­ner Betei­li­gung nach den Wand­lun­gen an der Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung der Akti­en­ge­sell­schaft bei Bege­bung der Wan­del­schuld­ver­schrei­bun­gen besteht. Dabei lässt der Aktio­när unbe­rück­sich­tigt, dass der Akti­en­ge­sell­schaft infol­ge der Aus­ga­be der Wan­del­schuld­ver­schrei­bun­gen und nach­fol­gen­der Wand­lun­gen Kapi­tal zuge­flos­sen ist und nicht von einem gleich­blei­ben­den Bör­sen­wert der Akti­en­ge­sell­schaft aus­ge­gan­gen wer­den kann.

Der Aktio­när hat zwar zur Begrün­dung des Unter­las­sungs­an­spruchs sinn­ge­mäß auch gel­tend gemacht, dass der her­ab­ge­setz­te Wand­lungs­preis hin­ter dem inne­ren Wert der Akti­en zurück­ge­blie­ben sei, weil Gesell­schafts­ver­mö­gen ver­schleu­dert wor­den sei. Dar­auf hat er sei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch aber nicht gestützt und sei­ne Scha­dens­be­rech­nung nicht abge­stellt.

Soweit der Aktio­när in die­sem Zusam­men­hang rügt, das Beru­fungs­ge­richt hät­te ihn auf die Unschlüs­sig­keit sei­ner Scha­dens­dar­le­gung hin­wei­sen müs­sen (§ 139 ZPO), greift die­se Rüge nicht durch. Ein Rechts­mit­tel­füh­rer, der die Ver­let­zung einer gericht­li­chen Hin­weis­pflicht gemäß § 139 ZPO gel­tend macht, muss dar­le­gen, wie er auf einen ent­spre­chen­den Hin­weis reagiert, ins­be­son­de­re was er hier­auf im Ein­zel­nen vor­ge­tra­gen hät­te und wie er wei­ter vor­ge­gan­gen wäre 2. Nur hier­durch wird das Rechts­mit­tel­ge­richt in die Lage ver­setzt zu beur­tei­len, ob die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung auf dem gel­tend gemach­ten Ver­stoß gegen die Hin­weis­pflicht beruht 3. Der­ar­ti­gen Vor­trag hat der Aktio­när nicht gehal­ten, der viel­mehr an sei­ner unschlüs­si­gen Scha­dens­be­rech­nung fest­hält.

Die Mög­lich­keit des Ein­tritts eines künf­ti­gen Scha­dens hat der Aktio­när eben­so wenig dar­ge­legt.

Ein Inter­es­se im Sin­ne von § 256 Abs. 1 ZPO an der Fest­stel­lung einer Ersatz­pflicht für künf­ti­ge Scha­dens­fol­gen aus einer bereits ein­ge­tre­te­nen Ver­let­zung eines abso­lu­ten Rechts­guts wie eines Mit­glied­schafts­rechts ist zwar bereits zu beja­hen, wenn die Mög­lich­keit besteht, dass sol­che Schä­den ein­tre­ten. Dar­an fehlt es aber, wenn aus der Sicht des Geschä­dig­ten bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung kein Grund gege­ben ist, mit dem Ein­tritt eines Scha­dens wenigs­tens zu rech­nen 4.

Einen Grund, war­um mit dem Ein­tritt eines Scha­dens zu rech­nen sei, hat der Aktio­när nicht dar­ge­legt. Der Aktio­när bezieht sich auch mit dem Fest­stel­lungs­an­trag auf eine Ver­rin­ge­rung sei­ner Betei­li­gungs­quo­te, ohne dass er dar­zu­le­gen ver­mocht hat, dass dar­aus ein Ver­mö­gens­scha­den ein­ge­tre­ten ist. Dar­aus ist auch der künf­ti­ge Ein­tritt eines Ver­mö­gens­scha­dens nicht erkenn­bar. Der Aktio­när hat hier­zu auch nur vor­ge­tra­gen, dass sich der Scha­den inso­weit nicht abschlie­ßend bezif­fern las­se.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 7. Mai 2019 – II ZR 278/​16

  1. vgl. BT-Drs. 12/​6721, 10; Münch­Komm-Akt­G/Bay­er, 4. Aufl., § 203 Rn. 173; Cahn, ZHR 164 (2000), 113, 139 f.; Hir­te, Bezugs­rechts­aus­schluss und Kon­zern­bil­dung, 1986, 246; Schmol­ke, Organ­wal­ter­haf­tung für Eigen­schä­den von Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten, 2004, 311; MünchHdbGesR IV/​Scholz, 4. Aufl., § 57 Rn. 118[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 26.04.2016 – VI ZB 4/​16, NJW-RR 2016, 952 Rn. 14 mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 15.02.2018 – I ZR 243/​16, GRUR 2018, 740 Rn. 13[]
  4. BGH, Beschluss vom 09.01.2007 – VI ZR 133/​06, NJW-RR 2007, 601 Rn. 5 mwN[]