Die vor­ver­trag­li­che Auf­klä­rungs­pflicht der Treu­hand­kom­man­di­tis­tin – und die Haf­tung der Erwer­be­rin

Der Erwer­ber eines Kom­man­dit­an­teils haf­tet nicht für eine vor­ver­trag­li­che Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung des Ver­äu­ße­rers, die die­sem von einem Anle­ger zur Last gelegt wird.

Die vor­ver­trag­li­che Auf­klä­rungs­pflicht der Treu­hand­kom­man­di­tis­tin – und die Haf­tung der Erwer­be­rin

Der Gesell­schaf­ter einer Per­so­nen­ge­sell­schaft kann sei­nen Gesell­schafts­an­teil mit Zustim­mung der übri­gen Gesell­schaf­ter auf einen Mit­ge­sell­schaf­ter oder auf eine drit­te Per­son durch Ver­fü­gungs­ge­schäft (§ 413 BGB) mit der Wir­kung über­tra­gen, dass der Erwer­ber, wenn nichts ande­res gere­gelt ist, ohne wei­te­res in die Rechts­stel­lung ein­tritt, die bis dahin der Ver­äu­ße­rer inne­hat­te [1]. Die­se Rechts­stel­lung – Gesell­schafts­an­teil oder Mit­glied­schaft – ist der Inbe­griff der Rechts­be­zie­hun­gen des Alt­ge­sell­schaf­ters aus dem Gesell­schafts­ver­hält­nis zu der Gesell­schaft, zu deren Ver­mö­gen und zu den übri­gen Gesell­schaf­tern [2]. Ins­be­son­de­re haf­tet ein neu in eine Kom­man­dit­ge­sell­schaft ein­tre­ten­der Kom­man­di­tist, wozu auch der Anteils­er­wer­ber zählt [3], auch für die vor sei­nem Ein­tritt begrün­de­ten Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft nach § 173 HGB.

Mit der Über­nah­me der Rechts­stel­lung des Alt­ge­sell­schaf­ters kön­nen den Neu­ge­sell­schaf­ter auch Ver­bind­lich­kei­ten des Alt­ge­sell­schaf­ters gegen­über der Gesell­schaft oder gegen­über Mit­ge­sell­schaf­tern aus dem Gesell­schafts­ver­hält­nis [4], nicht aber sons­ti­ge Ver­bind­lich­kei­ten des Alt­ge­sell­schaf­ters tref­fen.

Um eine sons­ti­ge Ver­bind­lich­keit eines Alt­ge­sell­schaf­ters han­delt es sich in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall. Die ursprüng­li­che Treu­hand­kom­ma­di­tis­tin war dem Anle­ger gegen­über als nicht nur kapi­ta­lis­tisch bei­getre­te­ne Alt­ge­sell­schaf­te­rin und mit­hin Ver­trags­part­ne­rin des Auf­nah­me­ver­trags vor­ver­trag­lich zur Auf­klä­rung ver­pflich­tet und bei Ver­let­zung die­ser Pflicht scha­dens­er­satz­pflich­tig (§ 280 Abs. 1 und 3, §§ 282, 241 Abs. 2, § 311 Abs. 2 Nr. 1 BGB) [5]. Die­se Scha­dens­er­satz­ver­pflich­tung trifft aber nur den Alt­ge­sell­schaf­ter, nicht auch die Gesell­schaft, weil die feh­ler­haf­te Auf­klä­rung der Gesell­schaft nicht zuge­rech­net wer­den kann [6]. Sie trifft ihn zwar in sei­ner Eigen­schaft als auf­klä­rungs­pflich­ti­gen Alt­ge­sell­schaf­ter, aber nicht aus dem Gesell­schafts­ver­hält­nis gegen­über der Gesell­schaft oder Mit­ge­sell­schaf­tern.

Die Erwer­be­rin haf­tet im vor­lie­gen­den Fall für die Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung der ursprüng­li­chen Treu­hand­kom­man­di­tis­tin weder aus Schuld- noch aus Ver­trags­über­nah­me. Der Anle­ger hat nicht vor­ge­tra­gen, dass die Erwer­be­rin die Scha­dens­er­satz­ver­pflich­tung der ursprüng­li­chen Treu­hand­kom­man­di­tis­tin ihm gegen­über über­nom­men hat (§ 414 BGB). Sei­nem Vor­trag lässt sich auch nicht ent­neh­men, dass die ursprüng­li­che Treu­hand­kom­man­di­tis­tin und die Erwer­be­rin eine sol­che Schuld­über­nah­me ver­ein­bart haben (§ 415 BGB). Fer­ner wäre auch eine Ver­trags­über­nah­me, die der Zustim­mung aller Betei­lig­ter bedarf [7], nur im Ein­ver­neh­men mit der Erwer­be­rin mög­lich gewe­sen. Aus der Über­nah­me der Treu­hand­auf­ga­ben der ursprüng­li­chen Treu­hand­kom­man­di­tis­tin durch die Erwer­be­rin ergibt sich indes nicht, dass die­se damit zugleich den Auf­nah­me­ver­trag oder eine mit sei­nem Abschluss begrün­de­te Scha­dens­er­satz­ver­pflich­tung über­neh­men woll­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Sep­tem­ber 2020 – II ZR 20/​19

Die vorvertragliche Aufklärungspflicht der Treuhandkommanditistin - und die Haftung der Erwerberin
  1. BGH, Urteil vom 29.06.1981 – II ZR 142/​80, BGHZ 81, 82, 84[]
  2. BGH, Urteil vom 14.05.1986 – IVa ZR 155/​84, BGHZ 98, 48, 50[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 26.03.2019 – II ZR 413/​18, ZIP 2019, 1142 Rn.19[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 25.04.1966 – II ZR 120/​64, BGHZ 45, 221, 222[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 17.04.2018 – II ZR 265/​16, ZIP 2018, 1130 Rn. 17 mwN[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 19.07.2004 – II ZR 354/​02, ZIP 2004, 1706, 1707; Urteil vom 06.02.2018 – II ZR 17/​17, ZIP 2018, 826 Rn. 18[]
  7. BGH, Urteil vom 30.01.2013 – XII ZR 38/​12, NJW 2013, 1083 Rn.19 mwN[]