Die Zah­lung der Stamm­ein­la­gen – und ihr Nach­weis in der Insol­venz der GmbH

Die Gesell­schaf­ter einer GmbH sind dar­le­gungs- und beweis­be­las­tet dafür, dass die Ein­la­gen voll­stän­dig erbracht wur­den. Das gilt im Grund­satz auch bei einem län­ge­ren Zeit­ab­stand seit der behaup­te­ten Zah­lung und einem spä­te­ren Erwerb der Geschäfts­an­tei­le durch die nun­meh­ri­gen Gesell­schaf­ter 1.

Die Zah­lung der Stamm­ein­la­gen – und ihr Nach­weis in der Insol­venz der GmbH

Dabei ist es dem Tatrich­ter nicht ver­wehrt, den dem Infe­ren­ten oblie­gen­den Nach­weis der Ein­la­gen­zah­lung auf­grund einer Gesamt­be­ur­tei­lung unstrei­ti­ger oder erwie­se­ner Indi­z­tat­sa­chen als geführt anzu­se­hen 2.

Das Beru­fungs­ge­richt darf jedoch nicht ohne eine Wie­der­ho­lung der vom Land­ge­richt durch­ge­führ­ten Beweis­auf­nah­me abwei­chend von der Ent­schei­dung des Land­ge­richts die­sen Beweis als nicht geführt anse­hen.

Grund­sätz­lich steht es aller­dings im Ermes­sen des Beru­fungs­ge­richts, ob es Zeu­gen, die in der Vor­in­stanz bereits ver­nom­men wor­den sind, nach § 398 Abs. 1 ZPO erneut ver­nimmt. Das Beru­fungs­ge­richt ist jedoch zur noch­ma­li­gen Ver­neh­mung der Zeu­gen ver­pflich­tet, wenn es die pro­to­kol­lier­ten Zeu­gen­aus­sa­gen anders ver­ste­hen oder wür­di­gen will als die Vor­in­stanz. Eine erneu­te Ver­neh­mung kann in die­sem Fall allen­falls dann unter­blei­ben, wenn sich das Beru­fungs­ge­richt auf sol­che Umstän­de stützt, die weder die Urteils­fä­hig­keit noch das Erin­ne­rungs­ver­mö­gen oder die Wahr­heits­lie­be des Zeu­gen noch die Voll­stän­dig­keit oder Wider­spruchs­frei­heit sei­ner Aus­sa­ge betref­fen 3.

Soweit der zeit­li­che Zusam­men­hang der Kapi­tal­erhö­hung mit der Rück­zah­lung eines Dar­le­hens der dama­li­gen Allein­ge­sell­schaf­te­rin zu berück­sich­ti­gen und Ver­mu­tun­gen hin­sicht­lich einer ver­deck­ten Sach­ein­la­ge anzust­le­len sind, ist das Vor­brin­gen der Par­tei­en dar­auf zu unter­su­chen, ob nicht gera­de des­halb davon aus­ge­gan­gen wer­den muss, dass die Bar­ein­la­ge – zunächst – geleis­tet wor­den ist. Steht aber die Ein­zah­lung fest, dann hat der Insol­venz­ver­wal­ter nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs für einen aus­nahms­wei­se nicht zur Til­gung der Ein­la­ge­schuld füh­ren­den Umstand Vor­trag zu hal­ten.

Ins­be­son­de­re nach einem lan­gen Zeit­raum wäre es einem Gesell­schaf­ter schwer­lich mög­lich, alle denk­ba­ren, der Erfül­lungs­wir­kung ent­ge­gen­ste­hen­den Umstän­de als nicht vor­han­den dar­zu­le­gen. Mit dem Beweis ist der Insol­venz­ver­wal­ter auch in die­sen Fäl­len jedoch nicht belas­tet, wenn er sei­ner gestei­ger­ten Vor­trags­last nach­ge­kom­men ist 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. April 2014 – II ZR 61/​13

  1. BGH, Beschluss vom 09.07.2007 – II ZR 222/​06, ZIP 2007, 1755 Rn. 2; Beschluss vom 17.09.2013 – II ZR 142/​12, ZIP 2014, 261 Rn. 3[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 09.07.2007 – II ZR 222/​06, ZIP 2007, 1755 Rn. 2[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 21.06.2011 – II ZR 103/​10, WM 2011, 1533 Rn. 7; Beschluss vom 19.02.2013 – II ZR 119/​11 6; Beschluss vom 23.07.2013 – II ZR 28/​12 4[]
  4. BGH, Beschluss vom 17.09.2013 – II ZR 142/​12, ZIP 2014, 261 Rn. 3 f.[]