Die Zah­lung auf die Ein­la­gen­schuld des GmbH-Gesell­schaf­ters – und ihr unmit­tel­ba­rer Rück­fluss

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs liegt die für die Erfül­lung der Ein­la­ge­schuld (§ 19 Abs. 1 GmbHG) erfor­der­li­che Leis­tung zur frei­en Ver­fü­gung des Geschäfts­füh­rers (§ 8 Abs. 2 GmbHG) nicht vor, wenn der ein­ge­zahl­te Ein­la­ge­be­trag abspra­che­ge­mäß umge­hend an den Infe­ren­ten zurück­fließt 1.

Die Zah­lung auf die Ein­la­gen­schuld des GmbH-Gesell­schaf­ters – und ihr unmit­tel­ba­rer Rück­fluss

Die Umge­hung der Kapi­tal­auf­brin­gungs­re­geln setzt zwar kei­ne per­so­nel­le Iden­ti­tät zwi­schen Infe­rent und Aus­zah­lungs­emp­fän­ger vor­aus. Aus­rei­chend, aber auch erfor­der­lich ist bei der Wei­ter­lei­tung der Ein­la­ge­mit­tel an einen Drit­ten, dass der Infe­rent dadurch in glei­cher Wei­se begüns­tigt wird wie durch eine unmit­tel­ba­re Leis­tung an ihn selbst. Mit­tel­bar zugu­te kommt dem Infe­ren­ten die Leis­tung ins­be­son­de­re, wenn die Zah­lung an ein von ihm beherrsch­tes Unter­neh­men wei­ter­ge­lei­tet wird 2.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies: Allein der Umstand, dass der Beklag­te zu 2 vom Kon­to der Schuld­ne­rin, auf wel­ches die Beklag­te zu 1 am 1.08.2013 die von ihr über­nom­me­ne Ein­la­ge ein­ge­zahlt hat­te, am 6. und am 8.08.2013 ins­ge­samt 25.000 € abge­ho­ben hat, wirkt sich weder unmit­tel­bar noch mit­tel­bar begüns­ti­gend auf das Ver­mö­gen der Beklag­ten zu 1 aus. Das Land­ge­richt hat offen­ge­las­sen, ob, wie vom Klä­ger, dem Insol­venz­ver­wal­ter der GmbH, behaup­tet, die Beklag­te zu 1 die Mit­tel zurück­er­hal­ten hat. Das Beru­fungs­ge­richt führt aus, durch die gesell­schaft­li­chen und pri­va­ten Ver­pflich­tun­gen sei eine Iden­ti­tät von Zah­len­dem und Zah­lungs­emp­fän­ger anzu­neh­men. Das ist auch unter Berück­sich­ti­gung der Aus­füh­run­gen des Land­ge­richts nicht nach­voll­zieh­bar. Rechts­feh­ler­haft rech­net das Land­ge­richt die Abhe­bun­gen des Beklag­ten zu 2 des­halb der Beklag­ten zu 1 zu, weil der Beklag­te zu 2 zugleich Geschäfts­füh­rer der inzwi­schen insol­ven­ten GmbH und der Beklag­ten zu 1 war. Für die Wür­di­gung, dass die Beklag­te zu 1 in glei­cher Wei­se begüns­tigt wur­de, wie durch eine unmit­tel­ba­re Leis­tung an sie selbst, bedarf es aber der Fest­stel­lung über den Ver­bleib des Gel­des. Inso­weit deu­tet das Land­ge­richt ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten an, ohne sich jedoch fest­zu­le­gen.

Soll­te das Ver­mö­gen der GmbH – wie der Insol­venz­ver­wal­ter behaup­tet – bereits im Juli 2013, mit­hin vor der Ein­tra­gung der Schuld­ne­rin in das Han­dels­re­gis­ter am 5.09.2013, auf­ge­zehrt gewe­sen sein, wird einer Ein­stands­pflicht der Beklag­ten zu 1 unter dem Gesichts­punkt der Unter­bi­lanz­haf­tung nach­zu­ge­hen sein 3.

Schließ­lich wird im vor­lie­gen­den Fall das Gericht Beru­fungs­ge­richt unter Berück­sich­ti­gung der Ein­tra­gung der Schuld­ne­rin im Han­dels­re­gis­ter am 5.09.2013 einen Anspruch gegen den Beklag­ten zu 2 nicht auf § 43 Abs. 3 GmbHG stüt­zen kön­nen, weil von einer der Bestim­mung des § 30 GmbHG zuwi­der geleis­te­ten Zah­lung aus dem zur Erhal­tung des Stamm­ka­pi­tals erfor­der­li­chen Ver­mö­gen erst nach Ein­tra­gung der Gesell­schaft im Han­dels­re­gis­ter die Rede sein kann. Vor die­sem Zeit­punkt ent­fal­ten die Regeln des GmbHG zur Kapi­tal­erhal­tung kei­ne Wir­kung 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Juni 2018 – II ZR 229/​16

  1. BGH, Urteil vom 16.02.2009 – II ZR 120/​07, BGHZ 180, 38 Rn. 15 Qivi­ve; Urteil vom 20.07.2009 – II ZR 273/​07, BGHZ 182, 103 Rn. 11 – Cash-Pool II[]
  2. BGH, Urteil vom 20.07.2009 – II ZR 273/​07, BGHZ 182, 103 Rn. 32 – Cash-Pool – II mwN[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 27.01.1997 – II ZR 123/​94, BGHZ 134, 333, 338 f.[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 22.03.2010 – II ZR 12/​08, BGHZ 185, 44 Rn. 49 – ADCOCOM; Wicke, GmbHG, 3. Aufl., § 30 Rn. 3; Alt­mep­pen in Roth/​Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl., § 30 Rn. 3; Fastrich in Baumbach/​Hueck, GmbHG, 21. Aufl., § 30 Rn. 14 Kuntz in Gehrlein/​Born/​Simon, GmbHG, 3. Aufl., § 30 Rn. 4; MHLS/​Heidinger, GmbHG, 3. Aufl., § 30 Rn. 22; Ver­se in Scholz, GmbHG, 12. Aufl., § 30 Rn. 12; Münch­Komm-GmbH­G/Ek­ken­ga, 3. Aufl., § 30 Rn. 60 f.; Haber­sack in Ulmer/​Habersack/​Löbbe, GmbHG, 2. Aufl., § 30 Rn. 17, 27[]