Die Zah­lung an einen abson­de­rungs­be­rech­tig­ten Gläu­bi­ger

Wenn eine Zah­lung an einen abson­de­rungs­be­rech­tig­ten, durch eine Gesell­schafts­si­cher­heit besi­cher­ten Gläu­bi­ger geleis­tet wird, liegt ein Aktiv­en­tausch vor, soweit infol­ge der Zah­lung die Gesell­schafts­si­cher­heit frei wird und der Ver­wer­tung zuguns­ten aller Gläu­bi­ger zur Ver­fü­gung steht; bei einem sol­chen Aktiv­en­tausch ent­fällt im wirt­schaft­li­chen Ergeb­nis eine mas­se­schäd­li­che Zah­lung 1.

Die Zah­lung an einen abson­de­rungs­be­rech­tig­ten Gläu­bi­ger

Eine Zah­lung von einem debi­to­risch geführ­ten Bank­kon­to bewirkt kei­nen blo­ßen, für die Gemein­schaft der Gläu­bi­ger unschäd­li­chen Gläu­bi­ger­tausch, wenn die Bank über freie Sicher­hei­ten ver­fügt, die sie zu einer abge­son­der­ten Befrie­di­gung nach §§ 50 f. InsO berech­ti­gen 2.

Dem­ge­gen­über sind die auf dem Kon­to ein­ge­gan­ge­nen Zah­lun­gen nicht ohne wei­te­res als Zah­lun­gen im Sin­ne von § 64 Satz 1 GmbHG zu wer­ten. Der Ein­zug von For­de­run­gen einer insol­venz­rei­fen GmbH auf ein debi­to­ri­sches Kon­to ist zwar, wie das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend erkannt hat, grund­sätz­lich eine mas­se­schmä­lern­de Zah­lung im Sin­ne von § 64 Satz 1 GmbHG, weil dadurch das Aktiv­ver­mö­gen der Gesell­schaft zu Guns­ten der Bank geschmä­lert wird 3. Die zwi­schen der Schuld­ne­rin und der Bank abge­schlos­se­nen Glo­bal­ab­tre­tungs­ver­trä­ge kön­nen die Annah­me mas­se­schmä­lern­der Zah­lun­gen durch die Ein­zie­hung von For­de­run­gen auf das debi­to­risch geführ­te Kon­to jedoch aus­schlie­ßen.

Wie der Bun­des­ge­richts­hof mit Urteil vom 23.06.2015 4 ent­schie­den hat, stel­len der Ein­zug von For­de­run­gen, die an die Bank zur Sicher­heit abge­tre­ten waren, auf einem debi­to­ri­schen Kon­to der GmbH und die anschlie­ßen­de Ver­rech­nung mit dem Soll­sal­do kei­ne vom Geschäfts­füh­rer einer GmbH ver­an­lass­te mas­se­schmä­lern­de Zah­lung im Sinn von § 64 Satz 1 GmbHG dar, wenn vor Insol­venz­rei­fe die Siche­rungs­ab­tre­tung ver­ein­bart und die For­de­rung der Gesell­schaft ent­stan­den und wert­hal­tig gewor­den ist.

Der Geschäfts­füh­rer muss in sol­chen Fäl­len ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Mün­chen 5 die siche­rungs­ab­ge­tre­te­ne For­de­rung unge­ach­tet der bestehen­den Ein­zie­hungs­er­mäch­ti­gung nicht durch Ein­zie­hung auf ein neu eröff­ne­tes, kre­di­to­risch geführ­tes Kon­to bei einer ande­ren Bank der Ein­zie­hung und Ver­rech­nung auf dem debi­to­ri­schen Kon­to ent­zie­hen, da eine sol­che Umlei­tung der Zah­lun­gen auf ein ande­res Kon­to nicht einem ordent­li­chen Geschäfts­ge­ba­ren ent­sprä­che 6. Da die ein­ge­zo­ge­ne For­de­rung infol­ge der Siche­rungs­ab­tre­tung nicht mehr als freie Mas­se den Gläu­bi­gern zur gleich­mä­ßi­gen Befrie­di­gung zur Ver­fü­gung stand, ver­langt auch der Zweck des Zah­lungs­ver­bots, die vor­han­de­ne Mas­se zu sichern, nicht, die Zah­lung ein­zu­be­hal­ten. Die Mas­se wür­de durch den Ein­zug von siche­rungs­ab­ge­tre­te­nen For­de­run­gen ohne Wei­ter­lei­tung nicht nur erhal­ten, son­dern ver­grö­ßert 7.

Wenn aller­dings die vor Insol­venz­rei­fe zur Sicher­heit abge­tre­te­ne zukünf­ti­ge For­de­rung erst nach Ein­tritt der Insol­venz­rei­fe ent­stan­den ist oder wenn sie zwar vor Ein­tritt der Insol­venz­rei­fe ent­stan­den, aber erst danach wert­hal­tig gewor­den ist und der Geschäfts­füh­rer die Ent­ste­hung der For­de­rung oder deren Wert­hal­tig­wer­den hät­te ver­hin­dern kön­nen, liegt eine mas­se­schmä­lern­de Leis­tung durch die der Bank zugu­te­kom­men­de Zah­lung grund­sätz­lich vor. Der Geschäfts­füh­rer kann zwar nicht ver­hin­dern, dass der Zes­sio­nar die ihm zur Sicher­heit abge­tre­te­ne For­de­rung nach Insol­venz­rei­fe ver­wer­tet. Er darf aber nicht bewir­ken, dass der Zes­sio­nar zu Las­ten der Mas­se nach Insol­venz­rei­fe noch eine wert­hal­ti­ge For­de­rung erwirbt, § 64 Satz 1 GmbHG 8.

Im Fal­le der Abtre­tung einer künf­ti­gen For­de­rung ist der Ver­fü­gungs­tat­be­stand mit dem Zustan­de­kom­men des Abtre­tungs­ver­tra­ges abge­schlos­sen. Der Rechts­über­gang auf den Gläu­bi­ger voll­zieht sich jedoch erst mit dem Ent­ste­hen der For­de­rung. Wenn wie hier die Abtre­tung bereits vor der Insol­venz­rei­fe für künf­ti­ge For­de­run­gen ver­ein­bart wur­de, kann gleich­wohl eine Mas­se­schmä­le­rung ein­tre­ten, deren Ursa­che nicht in der Abtre­tungs­ver­ein­ba­rung, son­dern dar­in liegt, dass die siche­rungs­ab­ge­tre­te­ne For­de­rung nicht mehr zuguns­ten des Ver­mö­gens der GmbH, son­dern zuguns­ten des Zes­sio­nars ent­steht. Wenn der Geschäfts­füh­rer die Zes­si­on etwa durch die Kün­di­gung des Kon­to­kor­rent­ver­tra­ges oder das Ent­ste­hen der For­de­rung nach Ein­tritt der Insol­venz­rei­fe ver­hin­dern kann, liegt daher im Ergeb­nis eine von ihm ver­an­lass­te Leis­tung an die Bank vor, wenn die For­de­rung nach der Siche­rungs­ab­tre­tung an die Bank ent­steht und von ihr ver­wer­tet wird. Das betrifft vor allem Ver­trä­ge, die die Schuld­ne­rin nach Ein­tritt der Insol­venz­rei­fe ein­geht und bei denen der Anspruch auf die Gegen­leis­tung für eine Leis­tung der Schuld­ne­rin auf­grund der Siche­rungs­ab­tre­tung der Bank zusteht 9.

Das glei­che gilt, wenn der Anspruch auf die Gegen­leis­tung recht­lich zwar bereits ent­stan­den ist, zulas­ten des Ver­mö­gens der Schuld­ne­rin aber erst nach Ein­tritt der Insol­venz­rei­fe wert­hal­tig gemacht wird, etwa indem die Schuld­ne­rin die von ihr ver­trag­lich zuge­sag­te Leis­tung erbringt. Die Mas­se­schmä­le­rung liegt in die­sen Fäl­len dar­in, dass die abge­tre­te­ne For­de­rung zuguns­ten des Gläu­bi­gers wert­hal­tig gemacht wor­den ist. Die Wert­schöp­fung geschieht dann zu Las­ten der Gläu­bi­ger­ge­samt­heit bzw. der Mas­se und zuguns­ten des gesi­cher­ten Gläu­bi­gers 10.

Die Dar­le­gungs- und Beweis­last dafür, dass die auf das Kon­to­kor­rent­kon­to ein­ge­zo­ge­nen For­de­run­gen von der Glo­bal­zes­si­on erfasst und vor dem (vom insol­venz­ver­wal­ter zu bewei­sen­den) Ein­tritt der Insol­venz­rei­fe ent­stan­den bzw. wert­hal­tig gemacht wor­den sind, liegt bei dem beklag­ten Geschäfts­füh­rer 11.

Soweit danach eine mas­se­schmä­lern­de Leis­tung durch die der Bank zugu­te­kom­men­de Zah­lung in Betracht kommt, wird das Beru­fungs­ge­richt zu beach­ten haben, dass eine Zah­lung im Sin­ne von § 64 Satz 1 GmbHG auch aus­schei­det, soweit infol­ge der Ver­min­de­rung des Debetsal­dos durch die Ein­zie­hung und Ver­rech­nung einer For­de­rung wei­te­re siche­rungs­ab­ge­tre­te­ne For­de­run­gen frei gewor­den sind 12.

Wenn eine Zah­lung an einen abson­de­rungs­be­rech­tig­ten, durch eine Gesell­schafts­si­cher­heit besi­cher­ten Gläu­bi­ger geleis­tet wird, liegt ein Aktiv­en­tausch vor, soweit infol­ge der Zah­lung die Gesell­schafts­si­cher­heit frei wird und der Ver­wer­tung zuguns­ten aller Gläu­bi­ger zur Ver­fü­gung steht. Bei einem sol­chen Aktiv­en­tausch ent­fällt im wirt­schaft­li­chen Ergeb­nis eine mas­se­schäd­li­che Zah­lung. Wenn die Sicher­heit in der Abtre­tung von For­de­run­gen besteht, bewirkt eine Zah­lung an den Zes­sio­nar einen sol­chen Aktiv­en­tausch, soweit infol­ge die­ses Vor­gangs siche­rungs­ab­ge­tre­te­ne wert­hal­ti­ge For­de­run­gen frei wer­den und in das zur gleich­mä­ßi­gen Befrie­di­gung aller Gläu­bi­ger bestimm­te Ver­mö­gen der Gesell­schaft gelan­gen 13.

Im Streit­fall liegt die Annah­me eines Aktiv­en­tauschs in der eben beschrie­be­nen Form nahe. Denn das Frei­wer­den siche­rungs­ab­ge­tre­te­ner For­de­run­gen infol­ge von auf das Kon­to bei der O. bank geleis­te­ten Zah­lun­gen ent­spricht spie­gel­bild­lich der durch Aus­zah­lun­gen von dem Kon­to nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts bewirk­ten Inan­spruch­nah­me frei­er Sicher­hei­ten in Gestalt glo­bal­ze­dier­ter For­de­run­gen bzw. so die For­mu­lie­rung des Beru­fungs­ge­richts der Erhö­hung des Umfangs der der Siche­rungs­ab­re­de unter­fal­len­den For­de­run­gen.

Schließ­lich wird gege­be­nen­falls zu beach­ten sein, dass dem Geschäfts­füh­rer, wenn er aus § 64 Satz 1 GmbHG haf­ten soll­te, in dem Urteil vor­zu­be­hal­ten ist, nach Erstat­tung an die Mas­se sei­ne Rech­te gegen den insol­venz­ver­wal­ter zu ver­fol­gen; dabei deckt sich der ihm zuste­hen­de Anspruch nach Rang und Höhe mit dem Betrag, den der begüns­tig­te Gesell­schafts­gläu­bi­ger im Insol­venz­ver­fah­ren erhal­ten hät­te 14.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Janu­ar 2016 – II ZR 394/​13

  1. Anschluss an BGH, Urteil vom 23.06.2015 – II ZR 366/​13, BGHZ 206, 52 Rn. 26[]
  2. BGH, Urteil vom 25.01.2011 – II ZR 196/​09, ZIP 2011, 422 Rn. 26 mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 23.06.2015 – II ZR 366/​13, BGHZ 206, 52 mwN[]
  4. BGH, Urteil vom 23.06.2015 – II ZR 366/​13, BGHZ 206, 52 Rn. 12 ff.[]
  5. OLG Mün­chen, GmbHR 2014, 139[]
  6. BGH, Urteil vom 23.06.2015 – II ZR 366/​13, BGHZ 206, 52 Rn. 16 ff.[]
  7. BGH, Urteil vom 23.06.2015 – II ZR 366/​13, BGHZ 206, 52 Rn. 18[]
  8. BGH, Urteil vom 23.06.2015 – II ZR 366/​13, BGHZ 206, 52 Rn.19[]
  9. BGH, Urteil vom 23.06.2015 – II ZR 366/​13, BGHZ 206, 52 Rn. 22 mwN[]
  10. BGH, Urteil vom 23.06.2015 – II ZR 366/​13, BGHZ 206, 52 Rn. 23[]
  11. vgl. BGH, Urteil vom 23.06.2015 – II ZR 366/​13, BGHZ 206, 52 Rn. 34[]
  12. BGH, Urteil vom 23.06.2015 – II ZR 366/​13, BGHZ 206, 52 Rn. 25[]
  13. BGH, Urteil vom 23.06.2015 – II ZR 366/​13, BGHZ 206, 52 Rn. 26 mwN[]
  14. vgl. BGH, Urteil vom 25.01.2011 – II ZR 196/​09, ZIP 2011, 422 Rn. 30; Beschluss vom 05.11.2007 – II ZR 262/​06, WM 2008, 27 Rn. 9; Urteil vom 08.01.2001 – II ZR 88/​99, BGHZ 146, 264, 279[]