Die zum gemein­sa­men Inkas­so unwirk­sam gegrün­de­te GbR

Ver­stößt ein Gesell­schafts­ver­trag gegen die Erlaub­nis­vor­be­hal­te des Rechts­dienst­leis­tungs­ge­set­zes, ist der Gesell­schafts­ver­trag unwirk­sam, die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts mit­hin nicht par­tei­fä­hig – kann also die ihr zur Ein­zie­hung über­tra­ge­nen For­de­run­gen gar nicht erst ein­kla­gen.

Die zum gemein­sa­men Inkas­so unwirk­sam gegrün­de­te GbR

Die Par­tei­fä­hig­keit ist in jeder Lage des Ver­fah­rens von Amts wegen zu prü­fen [1].

Im hier ent­schie­de­nen Fall beur­teil­te der Bun­des­ge­richts­hof die Gesell­schaft als ist nicht par­tei­fä­hig, weil ihr Gesell­schafts­ver­trag unwirk­sam ist: Der Gesell­schafts­zweck der Gesell­schaft ver­stößt gegen § 3 und § 2 Abs. 2 Satz 1 Fall 2 RDG mit der Fol­ge, dass der Gesell­schafts­ver­trag nach § 134 BGB nich­tig ist [2].

Auf den vor­lie­gen­den Fall ist das Gesetz über außer­ge­richt­li­che Rechts­dienst­leis­tun­gen – Rechts­dienst­leis­tungs­ge­setz [3] – (RDG) anwend­bar. Das RDG ist hin­sicht­lich der hier maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten am 1.07.2008 in Kraft getre­ten, der Gesell­schafts­ver­trag der Gesell­schaft wur­de im Novem­ber 2008 geschlos­sen. Nach § 2 Abs. 2 RDG ist die Ein­zie­hung frem­der oder zum Zweck der Ein­zie­hung auf frem­de Rech­nung abge­tre­te­ner For­de­run­gen, wenn die For­de­rungs­ein­zie­hung als eigen­stän­di­ges Geschäft betrie­ben wird (Inkas­so­dienst­leis­tung), Rechts­dienst­leis­tung im Sin­ne des Rechts­dienst­leis­tungs­ge­set­zes und gemäß § 3 RDG nur in dem Umfang zuläs­sig, in dem sie durch die­ses Gesetz oder durch oder auf­grund ande­rer Geset­ze erlaubt ist. Nach § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 RDG dür­fen Inkas­so­dienst­leis­tun­gen nur bei der zustän­di­gen Behör­de regis­trier­te Per­so­nen erbrin­gen, zu denen die Gesell­schaft nicht gehört. Die Vor­aus­set­zun­gen des Erlaub­nis­tat­be­stands des § 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 RDG, dass die Gesell­schaft ein zur Wah­rung gemein­schaft­li­cher Inter­es­sen gegrün­de­ter Zusam­men­schluss und ihre Ein­zie­hungs­tä­tig­keit für ihre Gesell­schaf­ter gegen­über der Erfül­lung der übri­gen sat­zungs­mä­ßi­gen Auf­ga­ben nicht von über­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung ist, sind gleich­falls nicht gege­ben.

Die Gesell­schaf­ter der Gesell­schaft haben der Gesell­schaft ihre For­de­run­gen ledig­lich zu Ein­zie­hungs­zwe­cken abge­tre­ten. Auch für § 2 Abs. 2 RDG kommt es wie zu der frü­he­ren Rege­lung in Art. 1 § 1 Abs. 1 RBerG für die Ein­ord­nung als Inkas­s­o­zes­si­on ent­schei­dend dar­auf an, ob das wirt­schaft­li­che Ergeb­nis der Ein­zie­hung dem Abtre­ten­den zukom­men soll [4]. Maß­geb­lich ist inso­weit, ob die For­de­rung einer­seits end­gül­tig auf den Erwer­ber über­tra­gen wird und die­ser ande­rer­seits ins­be­son­de­re das Boni­täts­ri­si­ko, das heißt das vol­le wirt­schaft­li­che Risi­ko der Bei­trei­bung der For­de­rung über­nimmt [5].

Nach dem Inhalt des Gesell­schafts­ver­tra­ges ist hier kei­ne unschäd­li­che Voll­ab­tre­tung der For­de­run­gen auf die Gesell­schaft erfolgt, son­dern die Zeden­ten (= die Gesell­schaf­ter) tru­gen wei­ter­hin das vol­le wirt­schaft­li­che Risi­ko der Bei­treib­bar­keit ihrer For­de­rung. Dies zeigt sich nicht nur dar­in, dass sie jeweils ent­spre­chend ihrer Quo­te an der von der Gesell­schaft gel­tend zu machen­den Gesamt­for­de­rung die Kos­ten des Pro­zes­ses tra­gen soll­ten, son­dern im Miss­erfolgs­fal­le ver­lo­ren sie – nicht die Gesell­schaft – die For­de­rung. Wei­ter soll­ten nach § 5 des Gesell­schafts­ver­tra­ges even­tu­el­le Beson­der­hei­ten der Ein­zel­an­sprü­che allein den Gesell­schaf­ter betref­fen, in des­sen Bezie­hun­gen zu der Fond­sKG bzw. zu den aus­gleichs­be­rech­tig­ten Kom­man­di­tis­ten sie vor­lie­gen.

Die Gesell­schaft soll­te und hat die Ein­zie­hung der für sie wirt­schaft­lich frem­den For­de­run­gen als eigen­stän­di­ges Geschäft im Sin­ne von § 2 Abs. 2 Satz 1 Fall 2 RDG betrie­ben; die Ein­zie­hung der For­de­run­gen war ihr – allei­ni­ger – Gesell­schafts­zweck; nur aus die­sem Anlass ist sie gegrün­det wor­den. Die For­de­rungs­ein­zie­hung stell­te sich nicht nur als Neben­leis­tung im Zusam­men­hang mit einer ande­ren Haupt­tä­tig­keit im Sin­ne von § 5 RDG dar [6].

Die nach dem Gesell­schafts­ver­trag von der Gesell­schaft durch­zu­füh­ren­de Ein­zie­hungs­tä­tig­keit ist hier auch nicht etwa des­halb als nicht gegen das RDG ver­sto­ßen­de Ein­zie­hungs­tä­tig­keit zu wer­ten, weil aus­weis­lich der Abtre­tungs­ur­kun­den und des Gesell­schafts­zwecks die For­de­run­gen zur gericht­li­chen Ein­zie­hung abge­tre­ten wor­den sind und § 3 RDG nur die Befug­nis zur Erbrin­gung von außer­ge­richt­li­chen Rechts­dienst­leis­tun­gen regelt. Die Beschrän­kung des Anwen­dungs­be­reichs auf außer­ge­richt­li­che Rechts­dienst­leis­tun­gen dient ledig­lich der Abgren­zung gegen­über der Ver­tre­tung von Rechts­su­chen­den in einem Gerichts­ver­fah­ren, deren Zuläs­sig­keit anders als frü­her unter Gel­tung des Rechts­be­ra­tungs­ge­set­zes nun jeweils in den ein­zel­nen Ver­fah­rens­ord­nun­gen beson­ders gere­gelt wor­den ist [7].

Auf die Aus­nah­me­vor­schrift des § 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 RDG kann sich die Gesell­schaft nicht beru­fen. Nach ihrem Gesell­schafts­zweck fehlt es bereits an der Wah­rung gemein­schaft­li­cher Inter­es­sen, da die Gesell­schaft ledig­lich zur Bün­de­lung der Ein­zel­in­ter­es­sen ihrer Gesell­schaf­ter gegrün­det wur­de. Im Übri­gen greift die Befrei­ungs­vor­schrift des § 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 RDG nur ein, soweit die für die Mit­glie­der erbrach­ten Rechts­dienst­leis­tun­gen gegen­über der Erfül­lung der übri­gen sat­zungs­mä­ßi­gen Auf­ga­ben nicht von über­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung sind. Die­se die­nen­de Funk­ti­on fehlt, wenn die Gesell­schaft – wie hier die Gesell­schaft – es zu ihrer Haupt­auf­ga­be macht, Ansprü­che der Mit­glie­der ein­zu­for­dern. Rechts­dienst­leis­tungs­ver­ei­ne oder gesell­schaf­ten will das Gesetz gera­de nicht erlau­ben [8].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschlüs­se vom 11. Juni 2013 – II ZR 278/​12 und II ZR 279/​12

  1. vgl. BGH, Urteil vom 04.05.2004 – XI ZR 40/​03, BGHZ 159, 94, 98 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 19.07.2011 – II ZR 86/​10, mwN – noch zum RBerG; s. auch BGH, Urteil vom 30.10.2012 – XI ZR 324/​11, ZIP 2012, 2445 Rn. 34 ff.; Mann, DStR 2013, 765 ff.[]
  3. Gesetz vom 12.12.2007, BGBl I, 2840[]
  4. BGH, Urteil vom 30.10.2012 – XI ZR 324/​11, ZIP 2012, 2445 Rn. 13[]
  5. BGH, Urteil vom 30.10.2012 XI ZR 324/​11, ZIP 2012, 2445 Rn. 14 mwN[]
  6. zur Ein­ord­nung der For­de­rungs­ein­zie­hung nach § 5 RDG vgl. BGH, Urteil vom 30.10.2012 – XI ZR 324/​11, ZIP 2012, 2445 Rn. 26 ff.; Mann, DStR 2013, 765 ff.[]
  7. s. hier­zu BT-Drucks. 16/​3655 S. 33 bis 35[]
  8. vgl. Mül­ler in Grunewald/​Römermann, RDG, § 7 Rn. 22 sowie Römer­mann, BB 2011 S. 1556[]