Die Zuviel­ent­nah­me des Kom­man­di­tis­ten

Ein Kom­man­di­tist haf­tet nur inso­weit, wie er sei­ne ver­ein­bar­te Kom­man­dit­ein­la­ge noch nicht geleis­tet hat. Soweit die Ein­la­ge eines Kom­man­di­tis­ten zurück­be­zahlt wird, gilt sie den Gläu­bi­gern gegen­über als nicht geleis­tet, § 172 Abs. 4 S. 1 HGB, so dass der Kom­man­di­tist inso­weit wie­der zur Leis­tung ver­pflich­tet wird. Das glei­che gilt gemäß § 172 Abs. 4 S. 2 HGB, soweit ein Kom­man­di­tist Gewinn­an­tei­le ent­nimmt, wäh­rend sein Kapi­tal­an­teil durch Ver­lust unter den Betrag der geleis­te­ten Ein­la­ge her­ab­ge­min­dert ist, oder soweit durch die Ent­nah­me der Kapi­tal­an­teil unter den bezeich­ne­ten Betrag her­ab­ge­min­dert wird. Aller­dings schützt hier § 172 Abs. 5 den gut­gläu­bi­gen Kom­man­di­tis­ten, denn was ein Kom­man­di­tist auf Grund einer in gutem Glau­ben errich­te­ten Bilanz in gutem Glau­ben als Gewinn bezieht, ist er in kei­nem Fal­le zurück­zu­zah­len ver­pflich­tet.

Die Zuviel­ent­nah­me des Kom­man­di­tis­ten

Die­sem Schutz des gut­gläu­bi­gen Kom­man­di­tis­ten hat der Bun­des­ge­richts­hof aller­dings Gren­zen gesetzt:

§ 172 Abs. 5 HGB setzt eine unrich­ti­ge Bilanz vor­aus. Gewinn i.S. des § 172 Abs. 5 HGB ist allein der auf­grund eines Jah­res­ab­schlus­ses und eines Gewinn­ver­wen­dungs­be­schlus­ses aus­ge­schüt­te­te Gewinn. Nicht dar­un­ter fal­len Gewinn­vor­aus­zah­lun­gen oder Gewinn­ga­ran­tie­zah­lun­gen.

Ob der Kapi­tal­an­teil eines Kom­man­di­tis­ten unter den Betrag der geleis­te­ten Ein­la­ge her­ab­ge­min­dert ist oder durch eine Gewinn­ent­nah­me her­ab­ge­min­dert wird i.S. des § 172 Abs. 4 Satz 2 HGB, beur­teilt sich allein nach dem Inhalt der Bilanz und nicht nach dem guten Glau­ben des Gesell­schaf­ters.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. April 2009 – II ZR 88/​08